Forschungsprojekt „Smartbees“ bekommt sechs Millionen Euro von der Europäischen Kommission

(03.11.2014) Die Vielfalt der Bienenarten in Europa ist in Gefahr. Früher gab es zahlreiche Bienenrassen. Doch in den vergangenen Jahren hat sich die Situation dramatisch verändert.

Einerseits verursacht eine aus Asien stammende Milbe (Varroa destructor) seit vielen Jahren hohe Verluste unter den Europäischen Bienenvölkern (Apis mellifera). Andererseits kommt es zu einer systematischen Verdrängung vieler Europäischer Bienenrassen durch zwei Rassen, die bereits seit einiger Zeit auf Leistung, ruhiges Verhalten und Krankheitsresistenz gezüchtet wurden.

Beide Ursachen reduzieren die genetische Vielfalt der Honigbienen in Europa und gefährden die nachhaltige, regional angepasste Bienenhaltung. Die Konsequenzen sind dramatisch für die Landwirtschaft. Dabei geht es nicht nur um weniger Honig oder Wachs. Die Bestäubungsleistung der Bienen hat einen enormen ökonomischen Wert.

Um dem Bienensterben zu begegnen, kooperieren jetzt in dem mit sechs Millionen Euro von der Europäischen Kommission geförderten Projekt "SMARTBEES" Genetiker, Molekularbiologen, Parasitologen, Virologen, Immunologen, Kommunikationswissenschaftler, Mathematiker und Bienenspezialisten aus elf Ländern.

Koordiniert wird es von Prof. Dr. Kaspar Bienefeld. Er leitet die Abteilung Zucht und Genetik am Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf und ist Honorarprofessor am Albrecht Thaer Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin.

Mit dem internationalen Projekt soll der aktuelle Stand der genetischen Vielfalt in ganz Europa analysiert und mit geeigneten Methoden verbessert werden.

Zudem werden sich die Wissenschaftler mit der gefährlichen Dreiecksbeziehung Biene-Milbe-Viren beschäftigen und die Mechanismen ergründen, die dazu führen, dass aus im Zusammenspiel mit der Varroamilbe aus harmlosen Viren tödliche Viren werden.

Mit modernsten molekulargenetischen Methoden werden die Gründe der unterschiedlichen Widerstandskraft von Bienen gegenüber Varroa und Viren geklärt.

Die Unzufriedenheit der Imker mit den einheimischen Bienenrassen war der zentrale Grund für deren Austausch durch züchterisch verbesserte Rassen.

Daher sollen Zuchtstrategien, die sich als sehr erfolgreich erwiesen haben, für die bislang züchterisch vernachlässigten Bienenrassen so modifiziert werden, dass diese Rassen an die Bedürfnisse der lokalen Imkerschaft angepasst werden.

Damit kann ihre Verdrängung gestoppt werden. Daten aus dem Europäischen Referenzlabor für Bienenkrankheiten werden analysiert, um auch für noch nicht aktuelle aber möglicherweise in Zukunft auftretende Krankheitserreger gewappnet zu sein.

Bienen werden von hunderttausenden Imkern in Europa gehalten. Das bedeutet, dass wissenschaftliche Erkenntnisse und die Entwicklung von neuen Methoden und Strategien nur dann nachhaltig zu einer Verbesserung der Situation führen, wenn die Europäische Imkerschaft involviert wird.

Eine Arbeitsgruppe, die auf Wissenstransfer spezialisiert ist, wird die Ergebnisse des Projektes für die Praxis aufbereiten, Lernmodule erstellen und für eine Vernetzung innerhalb und zwischen den Ländern sorgen.

Kaspar Bienefeld sagt: "Es ist das erste Mal, dass sich so unterschiedliche Disziplinen gemeinsam und aufeinander abgestimmt mit dem Bienensterben beschäftigen. Die Aufgabe ist komplex, aber das multidisziplinäre Konzept des Projekts eröffnet große Chancen, nachhaltig die Gesundheit und die genetische Vielfalt der Bienen in Europa zu verbessern."



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Eine Varroa destructor Milbe auf dem Thorax einer experimentellen Europäischen Honigbiene, Apis mellifera.; Bildquelle: Geoffrey R. Williams

Kombination von Insektengift und Milben schwächt Honigbienen

Forschende des Instituts für Bienengesundheit der Universität Bern haben entdeckt, dass ein Zusammenwirken zwischen der Milbe Varroa destructor und Neonikotinoiden die Lebensdauer von Honigbienen beeinträchtigt
Weiterlesen

Bienen

Projekt SmartBees erfolgreich beendet

Alle europäischen Bienen-Subspezies sind zumindest in Resten noch vorhanden. Züchternetzwerk zur Rettung der Vielfalt der Bienen gegründet
Weiterlesen

Polyvar

Bayer erhält Zulassung für Polyvar zur Bekämpfung der Varroa-Milbe

In enger Abstimmung mit den Bienenforschern der Universität Halle haben Wissenschaftler von Bayer jetzt nach intensiver Forschung mit Polyvar® einen effektiven Schutz der Honigbiene vor den gefährlichen Parasiten entwickeltt
Weiterlesen

Bienen beim Sammeln von Pollen; Bildquelle: BeeVital GmbH

Neues Bienen Medikament gegen die Varroa-Milbe aus Österreich

Das von BeeVital GmbH entwickelte Produkt wird das erste europaweit zugelassene Medikament für Bienen
Weiterlesen

Vetsuisse-Fakultät

Schwache Bienen machen starke Völker

Völker der Östlichen Honigbiene überleben einen Befall mit der parasitären Varroamilbe, der für Völker der Westlichen Honigbiene tödlich endet
Weiterlesen

Jungbiene mit Milben; Bildquelle: Dr. Bettina Ziegelmann

Neues Mittel gegen Bienensterben in Sicht

Forscher der Universität Hohenheim entwickeln völlig neuen Ansatz zur Bekämpfung der Varroa-Milbe
Weiterlesen

BMEL

Mikrochips für die Bienenzucht: BMEL fördert Bienenprojekt mit 1,3 Mio. Euro

Verschiedene Viren bedrohen in Kombination mit einer Milbe (Varroa destructor) weltweit die Honigbienen. Die in manchen Jahren feststellbaren hohen Winterverluste sind im Wesentlichen auf diesen Parasiten zurückzuführen
Weiterlesen

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Thymol zur Bekämpfung der Varroamilbe nicht mehr apothekenpflichtig

Seit dem 1. Januar 2015 können Imker den Wirkstoff Thymol leichter erwerben
Weiterlesen