Darwins Frosch vom Aussterben bedroht

(27.09.2017) Der einzigartige Darwin- oder Nasenfrosch wird wahrscheinlich durch einen Pilz ausgerottet. Wie Forscher der Universität Zürich in einem internationalen Forschungsprojekt belegen, sterben die Darwinfrösche langsam aus. Sie fordern nur dringend Rettungsmassnahmen.

Darwins Nasenfrosch (Rhinoderma darwinii) ist die nächste Amphibienart, die aufgrund der globalen Chytridiomykose-Pandemie vor dem Aussterben steht.

Die Amphibien, nur so gross wie ein Daumennagel, sind in den Wäldern Südargentiniens und Chiles heimisch und wurden von Charles Darwin entdeckt. Ein internationales Forschungsteam mit Benedikt Schmidt von der Universität Zürich hat nun festgestellt, dass die Nasenfrösche mit dem Pilz Batrachochytrium dendrobatidis infiziert sind.


Der kleine Darwinfrosch ist vom Aussterben bedroht.

Obwohl kaum je an der Krankheit verendete Tiere gefunden werden, stellen die Forschenden einen allmählichen Populationsschwund fest. Sie befürchten daher, dass vom Pilz befallene Populationen innerhalb von 15 Jahren nach der Infektion aussterben.

Auswirkungen der Pilzinfektion erst jetzt sichtbar

Bisher galt diese einzigartige Art als relativ stabil im Vergleich zu vielen anderen Amphibienarten, die weltweit durch den Pilz ausgelöscht wurden. Es kann jedoch sein, dass die Frösche vor einem Jahrzehnt infiziert worden sind und die Auswirkungen erst jetzt sichtbar werden.

Aufgrund dieser neuen Erkenntnisse fordern die Wissenschaftler der chilenischen Universidad Andres Bello, der NGO Ranita de Darwin, der Zoological Society of London und der UZH dringend Rettungsmassnahmen.

«Sobald ein Tier mit dem Pilz infiziert ist, wird es fast sicher sterben», sagt Erstautor, Andrés Valenzuela von der Zoologoical Society of London. Ungewöhnlich ist, dass trotz sehr niedrigen Infektionsraten und ohne das bei andern Fröschen beobachtete Massensterben die infizierten Darwinfrösche dennoch zum Aussterben bestimmt sind.

Langsames Aussterben auch bei anderen Tierarten

Benedikt Schmidt vom Institut fügt hinzu: «Was wir am Beispiel des bekannten Darwinfrosches herausgefunden haben, könnte für andere Arten ebenso gravierend sein.

Wir haben schon lange erkannt, dass der Chytridpilz die Amphibien weltweit befällt. Wir nahmen jedoch an, dass die Auswirkungen der Krankheit auf die Wirtspopulationen schnell sichtbar würden.»

Er befürchtet, dass ähnlich langsames Absterben auch weitere Wildtierarten in anderen Regionen betreffen könnte. So könnte es zu längerfristigen Populationsrückgängen und Aussterben ohne offensichtliches Massensterben kommen.

Publikation

Andrés Valenzuela-Sanchez, Benedikt R. Schmidt, David E. Uribe-Rivera, Francisco Costas, Andrew A. Cunningham and Claudio Soto-Azat. Cryptic disease-induced mortality may cause host extinction in an apparently stable host–parasite system. Proceedings of the Royal Society. Doi: 10.1098/rspb.2017.1176


Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Museum für Naturkunde Berlin

Dramatischer Rückgang von Amphibien durch den Chytrid-Pilz in den Vulkanbergen im Westen Kameruns

Obwohl manche Forscher annehmen, dass der Chytrid-Pilz aus Afrika stammt, wurde bislang von dort kein großflächiger Rückgang der Amphibienbestände gemeldet
Weiterlesen

Ein rotäugiger Baumfrosch (Boophis quasiboehmei) aus dem Ranomafana-Nationalpark in Südostmadagaskar. Bei dieser Art wurden Infektionen mit dem Chytrid-Pilz festgestellt.; Bildquelle: Miguel Vences / TU Braunschweig

Chytridiomykose erreicht Madagaskar

Der für Amphibien tödliche Chytridpilz wurde erstmals auf Madagaskar nachgewiesen. Die Seuche erreicht damit einen Hotspot der Artenvielfalt. Auf der Insel im Indischen Ozean gibt es rund 290 Amphibienarten, die nur dort leben
Weiterlesen

Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) in den Pyrenäen; Bildquelle: Dirk S. Schmeller/UFZ

Natürliche Feinde könnten Amphibienkrankheit Chytridiomykose (Bd) in Schach halten

Ein internationales Forscherteam hat einen wichtigen Schritt getan, um die Verbreitung des für Amphibien tödlichen Chytridpilzes verstehen und bekämpfen zu können. Die Wirkung der Pilzsporen wird offenbar in einigen Regionen von winzigen Räubern verhindert
Weiterlesen

Chytridpilz auf der Haut eines Frosches; Bildquelle: Douglas Woodhams

Mit Bakterien und Fungiziden kann der Chytridpilz bei Fröschen bekämpft werden

Ein mikroskopisch kleiner Chytridpilz führt weltweit zum Massensterben von Fröschen. Forschende der Universität Zürich stellen gemeinsam mit Kollegen aus Europa und den USA Methoden vor, wie der Chytridpilz bekämpft werden kann
Weiterlesen

Infiziertes Oberhäutchen; Bildquelle: M. Mutschmann

Berliner Forscher untersuchen Ursache des Amphibiensterbens

Biologen des Museums für Naturkunde, der Charité und des Instituts für Biologie der Humboldt-Universität haben sich vorgenommen, einen Hauptverdächtigen für das weltweite Massensterben von Fröschen und anderen Amphibien genauer zu untersuchen: den Hautpilz Batrachochytrium dendrobatidis
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen





[X]
Hinweis zur Nutzung von Cookies

Diese Website nutzt Cookies zur Bereitstellung von personalisierten Inhalten, Anzeigen, Inhalten von sozialen Medien und zur Analyse des Benutzerverhaltens. Die mit Hilfe von Cookies gewonnenen Daten werden von uns selbst sowie von uns beauftragten Partnern in den Bereichen soziale Medien, Online-Werbung und Website-Analyse genutzt. Durch den Besuch unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.

Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr erfahren...