Reptilien als Haustiere: Futterinsekten bringen Allergene in Haushalte 

(31.10.2015) Reptilien werden als Haustiere immer beliebter. In Europa hat sich die Zahl der Haustier-Reptilien wie etwa Echsen, Schildkröten oder Schlangen in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.

Forschende vom Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni Vienna, der MedUni Wien und der Universität Wien haben vor kurzem gezeigt, dass Heuschrecken, die als Futter für Reptilien verwendet werden, Allergien auslösen können.


Futterinsekten können zur Entstehung von Allergien beitragen
In einer Publikation im World Allergy Organization Journal empfehlen die ExpertInnen anhand eines Falles diesen Allergieauslöser zukünftig in Betracht zu ziehen.

Reptilien werden häufig deshalb als Haustiere gewählt, wenn in der Familie ein Allergierisiko besteht und Hund, Katze oder Meerschweinchen vermieden werden sollen. Forschende des Messerli Forschungsinstitutes haben jedoch vor kurzem einen Fall beschrieben, der aufhorchen lässt.

Ein Achtjähriger entwickelte vier Monate nach der Anschaffung einer Bartagame nächtliche Anfälle von schwerer Atemnot.

Ursache für die starke allergische Reaktion war jedoch nicht die Echse selbst, sondern das Futter für das Tier. Heuschrecken, mit denen das Tier regelmäßig gefüttert wurde, entpuppten sich als Allergen-Quelle.

Die Erstautorin Erika Jensen-Jarolim spricht von der Spitze eines Eisberges. „Selbst allergologisch bewandte KollegInnen könnten Insekten für die Reptilienfütterung als Ursache solcher allergischer Reaktionen  übersehen.

Heuschrecken als Allergenquelle im Heimbereich sind bisher noch zu wenig bekannt. Allerdings wissen wir von Fällen, in denen Fischfutter Allergien auslöst. In Fischfutter sind auch häufig Insekten verarbeitet.“

Heuschrecken-Enzyme als Allergene identifiziert

Die Ursache der allergischen Reaktion bei dem Achtjährigen Wiener wurde längere Zeit nicht entdeckt. Bei einer ersten Diagnose wurde auf Pseudokrupp, eine Infektion der Atemwege, und starke Asthmaanfälle getippt.

Die Allergologin Jensen-Jarolim und ihr Team zogen auch eine Haustierallergie in Betracht und testeten unter anderem das Reptilienfutter, die Heuschrecken.

Ein Allergietest (Prick-Test) und ein Nachweis spezifischer IgE Antikörper brachte schließlich Gewissheit: Heuschrecken-Allergene waren Auslöser der allergischen Reaktion bei dem Kind.

„Wir waren mitten in einer Studie zur Untersuchung von Allergenquellen in Zoohandlungen. So sind wir durch Zufall auf das Futter der Reptilien gestoßen“, erklärt Jensen-Jarolim.

Nachhaltig allergisch

Das Reptil wurde auf Anraten von Jensen-Jarolim sofort aus dem Haushalt des Achtjährigen entfernt. Die Symptome legten sich daraufhin. Nach vier Jahren setzte sich das Kind durch Zufall erneut dem Allergen aus, und reagierte auch noch nach vier Jahren mit einer allergisch asthmatischen Reaktion.

Neue Verhaltensweisen im Umgang mit Reptilien

„Zunehmend bemerkt man, dass sich die Einstellung gegenüber Reptilien von der Hobbyhaltung und biologischem Interesse zu einer Mensch-Tier-Beziehung mit emotioneller Komponente verändert. Die Anzahl von Reptilien und zugehörigen Futtertieren in Haushalten kann nur geschätzt werden und die Dunkelziffer ist hoch“, meint Jensen-Jarolim.

Sie empfiehlt daher, das Reptilien-Futter außerhalb der Wohnung aufzubewahren. Die Reptilien selbst sollten außerdem nicht in Wohnräumen gehalten werden, da unverdaute Insekten über die Ausscheidungen der Reptilien ins Terrarium gelangen.

So könnte es über Einatmung dieser aggressiven Allergene zur Entstehung von Allergien in Form von Asthma oder entzündlichen Hautveränderungen kommen.

„Das Thema der Heuschrecken-Allergie ist bis dato fast gänzlich unbekannt. Wir möchten mit unserer Publikation die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren.

Es geht uns insbesondere um TierhalterInnen, um Angestelle in Zoofachhandlungen aber auch um ÄrztInnen und Ärzte, die eine Frage nach Reptilienhaltung und zugehörigen Futtertieren routinemäßig in ihr Allergie-Diagnosegespräch aufnehmen sollten“, betont Jensen-Jarolim.

Publikation

Der Artikel „Caution: Reptile pets shuttle grasshopper allergy and asthma into homes” von Erika Jensen-Jarolim, Isabella Pali-Schöll, Sebastian A.F. Jensen, Bruno Robibaro und Tamar Kinaciyan wurde im World Allergy Organization Journal veröffentlicht. DOI 10.1186/s40413-015-0072-1
http://www.waojournal.org/content/8/1/24



Weitere Meldungen

Weberknechtgattung Thunbergia; Bildquelle: Jochen Martens

Prominenter Name für neue Weberknechtgattung Thunbergia

Jochen Martens beschreibt neue Weberknechtgattung und benennt sie nach der schwedischen Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg
Weiterlesen

Brückenechse ; Bildquelle: Bernard Spragg. NZ

Brückenechse: Evolutionäres Geheimnis um „lebendes Fossil“ gelüftet

Erstmals hat ein internationales Team von Wissenschaftler*innen, zu dem auch Dr. Stefan Prost vom LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik gehört, das Genom der Brückenechse entschlüsselt
Weiterlesen

Universität Bonn

Amphibien-Fossil: Falsche Zehenzahl führt auf falsche Fährte

Haben Sie sich jemals gefragt, warum unsere Hände fünf Finger haben? Und wie sieht das bei Amphibien aus? Sie haben normaler Weise nur vier
Weiterlesen

Bestimmungshilfe für Waran-Arten für Artenschutz- und Zollbehörden

Gratis Download: Bestimmungshilfe für Waran-Arten für Artenschutz- und Zollbehörden

Eine neue visuelle Bestimmungshilfe für Waran-Arten erleichtert Artenschutz- und Zollbehörden künftig ihre Arbeit bei der Umsetzung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES
Weiterlesen

Die Callagur-Schildkröte (Batagur borneoensis) aus Südostasien wurde in den letzten 30 Jahren durch die Ausbeutung als Nahrungsmittel fast ausgerottet.; Bildquelle: Callagur-Schildkröte

Mehr als die Hälfte aller Schildkrötenarten von der Ausrottung bedroht

51 internationale Schildkröten-Fachleute haben am 23. Juni 2020 die umfassendste Studie über die globale Gefährdung von Schildkröten im Fachjournal „Current Biology“ veröffentlicht
Weiterlesen

Ein männliches Exemplar der neu entdeckten "Thunberg-Spinne".; Bildquelle: Rémy Eudeline, Lyon

Neue Spinnengattung zu Ehren Greta Thunbergs beschrieben

Senckenberg-Arachnologe Peter Jäger hat eine neue Spinnengattung auf Madagaskar benannt: Unter dem Namen Thunberga werden nun fünf Arten innerhalb der Riesenkrabbenspinnen zusammengefasst
Weiterlesen

Der neu beschriebene Varanus bennetti von der Insel Losiep, Föderierte Staaten von Mikronesien.; Bildquelle: James Reardon

Schutzmaßnahmen für die Warane Mikronesiens

Zwei neu entdeckte Waranarten der mikronesischen Inselwelt sind ursprünglich einheimisch und wurden nicht aus anderen Regionen eingeführt. Derzeitige Ausrottungspläne auf der Basis falscher Annahmen müssen daher überdacht werden
Weiterlesen

Brookesia perarmata: Ein Chamäleon in Ritterrüstung.; Bildquelle: Frank Glaw

Chamäleons in Rüstung aus knöchernem Stachelpanzer

Bonner Wissenschaftler fanden gemeinsam mit Kollegen aus München, Köln und Bremen ganz eigentümliche spitze Knochen in der Haut eines madagassischen Erdchamäleons
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen