Spinnenforscher entdeckt Riesen-Weberknecht in Laos

(17.10.2012) Ein Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Frankfurt hat einen Weberknecht mit einer Beinspannweite von über 33 Zentimetern entdeckt. Das während einer Forschungsreise in Laos gefundene Tier ist einer der größten Vertreter seiner Gattung. Die systematische Bestimmung der Art scheiterte bisher an fehlenden Experten.

Eigentlich war Dr. Peter Jäger vom Senckenberg Forschungsinstitut für Filmaufnahmen einer großen Fernsehproduktion im April nach Laos gereist. „In den Drehpausen habe ich in den Höhlen der südlichen Provinz Khammouan Spinnentiere gesammelt“, erzählt der Frankfurter Arachnologe. Dabei machte er einen sensationellen Fund: „Ich entdeckte in einer der Höhlen einen Weberknecht mit enormen Ausmaßen.“


Dieser Weberknecht hat besonders lange Beine – die Spannweite misst über 33 Zentimeter!

Die Beinspannweite des Riesen-Weberknecht-Männchens beträgt über 33 Zentimeter und ist somit einer der weltgrößten Weberknechte. Der bisherige Rekord liegt bei etwas mehr als 34 Zentimetern Beinspannweite einer Art aus Südamerika.

Zunächst schlummerte der Fund zwischen anderen Tieren und wurde erst beim Sortieren und Etikettieren als einmalig erkannt.

„Bei dem Versuch, das Tier systematisch zu bestimmen und ihm einen wissenschaftlichen Namen zuzuordnen, stieß ich aber schnell an meine Grenzen“, sagt Jäger. Der Frankfurter Wissenschaftler beschäftigt sich überwiegend mit Riesenkrabbenspinnen – Weberknechte gehören nicht zu seinem Spezialgebiet.

Auch die herbeigerufene Spezialistin, Dr. Ana Lucia Tourinho vom National Institute for Research of the Amazon (INPA) im brasilianischen Manaus, die zurzeit im Labor des Senckenberger Arachnologen gastiert, konnte nur feststellen, dass es sich wahrscheinlich um die Gattung Gagrella der Familie der Sclerosomatidae handelt.


Keinen Artnamen, aber dennoch in großer Gesellschaft – der Weberknecht ist nur einer von vielen großwüchsigen Gliederfüßern in Laos

„Es ist schade, dass wir so einen besonderen Fund nicht befriedigend – das heißt bis zur Art – identifizieren können“, meint Jäger, „diese und verwandte Gattungen aus China und dem angrenzenden Südostasien sind bisher unbearbeitet. Spezialisten fehlen auch aufgrund der Tatsache, dass beschreibende Taxonomen nicht mehr im Hauptfokus der Wissenschaftsförderung stehen.“

Dabei bergen die Weberknechte der Familie der Sclerosomatidae ein unschätzbares Potential: Vertreter sind in fast allen Habitaten zu finden und bilden eine ökologisch höchst wichtige Räuber-Gruppe in der natürlichen Nahrungskette.

Sie könnten als Indikator für den ökologischen Zustand von Natur- und Kulturlandschaften eingesetzt werden. Auch für Verhaltensforscher und Evolutionsbiologen sind die langbeinigen Tiere interessant: Zum Beispiel präsentiert das Männchen dem Weibchen während der Balz ein Braut-Geschenk, welches seine Fitness signalisieren soll. Erst nach Akzeptanz durch das Weibchen kommt es zur Paarung.

Der Senckenberger Spinnenforscher möchte nun mit seiner brasilianischen Kollegin und in Kooperation mit weiteren Forschern in Deutschland, China und Japan die Familie der Sclerosomatidae in einer Fallstudie mit herkömmlichen und molekularen Methoden eingehend untersuchen.

Die Ergebnisse sollen dann auf andere Gruppen und Regionen übertragbar sein. „Wir möchten verhindern, dass in Zukunft erneut Experten zur Bestimmung solch einzigartiger Tiere fehlen“, erläutert Jäger.

Laos entpuppt sich derweil als wahres Land der Giganten: In derselben Region wurden zuvor andere Gliederfüßer mit ähnlich großen Ausmaßen gefunden: die Laotische Riesenkrabbenspinne Heteropoda maxima mit bis zu 30 Zentimetern Beinspannweite, der Geißelskorpion Typopeltis magnificus mit einer Spannweite von 26 Zentimetern und der räuberische Hundertfüßer Thereuopoda longicornis mit einer Gesamtspannweite von fast 40 Zentimetern.

Alle dieser Organismen sind mehr oder weniger an Höhlen und die für Karstgebiete typischen Kalksteine gebunden. „Welche Mechanismen oder Faktoren für diese Häufung des Riesenwuchses verantwortlich sind, ist noch unklar“, erklärt Jäger.

Eine Erklärungsmöglichkeit ist das potentiell langsamere Wachstum in den Höhlen. Sicher scheint aber nur, dass es ein Limit für das Wachstum gibt – entweder durch die fehlende Sauerstoffversorgung in den Extremitäten oder weil lange Beine auf der Flucht oder beim Beutefang nicht mehr genügend schnell bewegt werden können.



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