Riesenschlange in Deutschland entdeckt - Nördlichster Fossilfund der wärmeliebenden Pythons

(17.10.2011) Wissenschaftler des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoecology an der Universität Tübingen haben ein 15 Millionen Jahre altes Python-Fossil nahe Augsburg entdeckt.

Es handelt sich um den weltweit nördlichsten Fund des wärmeliebenden Reptils.

Der Python zählt mit einer maximalen Länge von bis zu zehn Metern zu den größten Schlangen der Welt. Die Würgeschlange mag es gern kuschelig-warm. Kein Wunder, dass sie heutzutage bevorzugt die Tropen Afrikas und Asiens besiedelt.

Wissenschaftler des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoecology an der Universität Tübingen und der Masayk Universität in Tschechien haben nordöstlich von Augsburg, nahe dem beschaulichen Ort Griesbeckerzell, die Wirbel eines etwa 3,5 Meter langen versteinerten Python entdeckt und beschrieben.

Die Fossillagerstätten von Griesbeckerzell sind hervorragende Fundorte für versteinerte Reptilien. Die etwa 15 Millionen alten Funde stammen aus der Zeit des klimatischen Optimums während des Erdzeitalters Miozän.

„Wir gehen davon aus, dass die Temperaturen bei circa 19 Grad im Jahresdurchschnitt lagen, sonst hätten sich diese Schlangen hier nicht wohlgefühlt“, erklärt Prof. Madeleine Böhme, Leiterin der Arbeitsgruppe Terrestrische Paläoklimatologie an der Universität Tübingen, und fährt fort:„In den Sommermonaten zur Zeit des klimatischen Optimums war es hier zwischen 25 und 28 Grad warm, in den Wintermonaten lag die Temperatur bei etwa 13 Grad.“

Zum Vergleich: Die jährliche Durchschnittstemperatur für Augsburg beträgt heute rund acht Grad Celsius.

Nach den warm-subtropischen Temperaturen vor 15 Millionen Jahren wurde das Klima rasch kühler und trockener. In Zentraleuropa sind nach dieser Zeit keine Fossilfunde von Riesenschlangen bekannt.

„Wir gehen deshalb davon aus, dass die Pythons nur in diesem relativ kurzen Zeitfenster in Europa überleben konnten“, erläutert Prof. Böhme, „mit dem starken Temperaturabfall vor 14 Millionen Jahren war das Schicksal der Riesenschlangen - vermutlich unabhängig von dem zunehmenden Konkurrenzdruck mit anderen, klimatisch besser angepassten Schlangen - besiegelt.“

Das „Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoecology“ (HEP) wurde im Oktober 2009 von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Universität Tübingen gegründet.

Das Zentrum befasst sich nicht nur mit verschiedenen Aspekten der biologischen und kulturellen Evolution des Menschen, sondern auch mit der Klima- und Umweltentwicklung während der gesamten Ära des Känozoikums in der Zeit vor 65 Millionen Jahre bis heute.

Hierbei werden modernste computergestützte Untersuchungsmethoden wie hochauflösende Computer-Tomographie oder virtuelle Anthropologie eingesetzt, die es beispielsweise ermöglichen, am Computer Skelette zu analysieren und beschädigte oder fehlende Teile digital hinzuzufügen.

Publikation: Ivanov M. & Böhme M. 2011. — Snakes from Griesbeckerzell (Langhian, Early Badenian), North Alpine Foreland Basin (Germany), with comments on the evolution of snake faunas in Central Europe during the Miocene Climatic Optimum. Geodiversitas 33 (3): 411-449. DOI: 10.5252/g2011n3a2.




Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Mehdi Behroozi, Felix Ströckens und Xavier Helluy (von links) konnten zum ersten Mal Krokodilgehirne mit Kernspintomografie untersuchen.; Bildquelle: RUB, Marquard

Was passiert im Gehirn eines Krokodils, wenn es komplexe Klänge hört?

Diese Frage konnte ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Dr. Felix Ströckens vom Lehrstuhl für Biopsychologie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) beantworten
Weiterlesen

EFSA

Neuer Pilz bei EU-Salamandern entdeckt

Bei verschiedenen Salamanderarten wurde ein neu auftretender pathogener Pilz, Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal), nachgewiesen
Weiterlesen

Micro-CT-Scan von Calumma gehringi ; Bildquelle: David Prötzel (SNSB-ZSM/LMU)

Drei neue Chamäleon-Arten auf Madagaskar entdeckt

Mehr als 40% der 206 bekannten Chamäleon-Arten leben ausschließlich auf Madagaskar. Münchner und madagassische Forscher haben nun drei neue Arten entdeckt
Weiterlesen

An dem fossilen Waran wurde ein viertes Auge entdeckt.; Bildquelle: A. Lachmann / Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung / Digimorph.org .

Mit dem Vierten sieht man besser: Vieräugiges fossiles Reptil entdeckt

Senckenberg-Wissenschaftler haben mit einem internationalen Team den Nachweis für eine vieräugige Echse erbracht
Weiterlesen

Bufo shaartusiensis ist eine diploide Krötenart aus Shaartuz in Süd-Tadschikistan und wurde als mütterlicher Vorfahre von Kröten mit drei Chromosomensätzen identifiziert.; Bildquelle: Matthias Stöck

Wechselkröten zeigen: Arten mit vielfachen Genomen haben lediglich entfernt verwandte Vorfahren

Die meisten Wirbeltiere haben zwei Chromosomensätze, einen von der Mutter und einen vom Vater – auch wir Menschen sind diploid. Viel seltener ist die Polyploidie
Weiterlesen

Lebend-, Schädel- und Gehirnrekonstruktion von Proganochelys quenstedti, der ältesten Schildkröte (210 Millionen Jahre) mit vollständigem Panzer; Bildquelle: Stephan Lautenschlager, Universität Birmingham

Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht

Neue Studie wirft Licht auf die Gehirnevolution der Schildkröten und ihre frühen Umweltanpassungen
Weiterlesen

Der mexikanische Axolotl Ambystoma mexicanum; Bildquelle: IMP

Genom des Axolotl entschlüsselt

Ein Team von Wissenschaftlern aus Wien, Dresden und Heidelberg hat die gesamte Erbinformation des mexikanischen Salamanders Axolotl entschlüsselt
Weiterlesen

Einer der Feuersalamander in der Südeifel, von denen Proben genommen wurden.; Bildquelle: Universität Trier

Trierer Biogeographen erforschen „Salamanderfresser-Pilz“

Der „Salamanderfresser-Pilz“ Bsal gilt als Ursache von Massensterben bei Feuersalamandern und Molchen
Weiterlesen


[X]
Hinweis zur Nutzung von Cookies

Diese Website nutzt Cookies zur Bereitstellung von personalisierten Inhalten, Anzeigen, Inhalten von sozialen Medien und zur Analyse des Benutzerverhaltens. Die mit Hilfe von Cookies gewonnenen Daten werden von uns selbst sowie von uns beauftragten Partnern in den Bereichen soziale Medien, Online-Werbung und Website-Analyse genutzt. Durch den Besuch unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.

Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr erfahren...