Expedition in die Kinderstube des Aals

(16.03.2017) Forschungsschiff „Walther Herwig III“ fährt in die Sargassosee - Forscher berichten in einem Blog über das Geschehen an Bord

Die Richtung: Südwesten. Im Fokus: der Aal. Seit dem 3. März 2017 ist das Forschungsschiff „Walther Herwig III“ auf Expeditionsfahrt Richtung Sargassosee.

Ein internationales Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Dr. Reinhold Hanel vom Thünen-Institut für Fischereiökologie führt dort Untersuchungen zu den frühen Lebensstadien des Europäischen Aals durch.


IKMT-Netz beim Einsatz im klaren Wasser der Sargassosee

Aale laichen nicht in unseren Flüssen und Seen – sie nehmen dafür eine mehrere tausend Kilometer lange Reise quer über den Atlantik auf sich. Ziel: die Sargassosee, südlich von Bermuda gelegen, ein Meeresgebiet so groß wie Mitteleuropa.

Irgendwo in diesem Areal pflanzen sie sich fort, und die Aal-Larven lassen sich vor allem mit dem Golfstrom zurück an die europäischen Küsten treiben.

Ziel der Expedition in die Sargassosee ist es, das Jungfischaufkommen des Aals zu verfolgen – und zwar nicht erst nach Ankunft der Glasaale an den europäischen Küsten, sondern bereits kurz nach dem Schlüpfen der Weidenblattlarven aus den Eiern.

Durch eine regelmäßige und standardisierte Erhebung des Larvenaufkommens im Laichgebiet soll entschlüsselt werden, inwieweit Umweltveränderungen im Ozean das Vorkommen und die Verteilung der Larven beeinflussen.

Hintergrund dafür ist der dramatische Bestandsrückgang der Art und die Ungewissheit in Hinblick auf die möglichen Ursachen.

Vor Ort in der Sargassosee nehmen die Forscher mit einem speziellen Planktonnetz Proben, um möglichst junge Larvenstadien zu erfassen.

Mit parallel erhobenen hydrografischen und biologischen Daten soll so ein genaueres Bild über die Verhältnisse entstehen, die für die Reproduktion und das Überleben der Larven notwendig sind.

Zusätzlich suchen die Forscher nach den Orten des Laichgeschehens und den Grenzen des Laichareals.

Die auf der Expedition gewonnenen Erkenntnisse sollen – eingebunden in eine mehrjährige Untersuchungsreihe – mittelfristig Informationen über den Erfolg der internationalen Bestrebungen für ein verbessertes Bestandsmanagement dieser akut gefährdeten Fischart geben.

In einem See-Tagebuch berichten die Thünen-Forscher regelmäßig online über das Geschehen an Bord: http://www.thuenen.de/de/thema/meere/keine-fischereiforschung-ohne-schiffe/see-tagebuecher/expedition-in-die-kinderstube-des-aals

Am 24. April wird die „Walther Herwig III“ wieder zurück erwartet.



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