Juan Molina untersucht den Einfluss des Klimawandels auf den Stoffwechsel von Fischen

(21.10.2019) Mit einem Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) wird der Argentinier Dr. Juan Molina am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) für eineinhalb Jahre zum Einfluss des Klimawandels und anderer Umweltänderungen auf Fische forschen.

Das Projekt hat einen hohen Anwendungsbezug: steigende Meerestemperaturen, sinkender Sauerstoffgehalt und Giftmüll in vielen Meeresgebieten sind Faktoren, die den Stoffwechsel von Fischen und damit auch Wuchs und Körpergröße beeinflussen können. Für den Fang und die kommerzielle Nutzung von Fischen sind diese Eigenschaften aber von großer Bedeutung.


Juan Molina mit einem Stierkopfhai in Melbourne, Australien
Auch für die Aquakultur von Speisefischen ist das Projekt relevant. Die geplanten Studien zum Metabolismus von Fischen sollen einerseits Aufschluss geben über energetische Kosten bzw. den Futterbedarf der Tiere. Oft wird in Aquakulturen sehr ungezielt gefüttert. Fischfutter ist teuer, und zu viel davon kann bei Zuchtfischen mit wenig Bewegungsraum zu einer Fettleber führen.

In offenen Netzgehegen, wie man sie vor Norwegen und vielen asiatischen Küstenländern vorfindet, sind die Zuchtfische den Schwankungen ihrer Wasserumwelt direkt ausgeliefert.

Weiß man, wie sich dadurch ihr Stoffwechsel und ihr Nahrungsbedarf verändern, kann viel planvoller gefüttert werden. So ließe sich Futterabfall vermeiden, der allzu oft zu einer Eutrophierung des Wassers führt und das Bakterienwachstum ankurbelt.

Juan Molina ist angegliedert an die Arbeitsgruppe Ökophysiologie/Experimentelle Aquakultur am ZMT und wird den Sauerstoffverbrauch von Skorpions- und Krötenfischen unter verschiedenen Umweltbedingungen untersuchen und dafür eine am ZMT entwickelte Respirationskammer einsetzen.

Der Sauerstoffverbrauch ist ein Maß für den Energieverbrauch der Fische und damit für ihren Nahrungsbedarf.

Der Stipendiat Molina ist Fischökologe. Er promovierte an der Universidad Nacional del Sur in Bahia Blanca, Argentinien, und ist dort als Assistenzprofessor sowie als Forscher im Argentinischen Institut für Ozeanographie tätig.

Als Postdoc forschte er an Universitäten in Kanada, Japan und Australien.

Molina hat ein Georg Forster-Stipendium in einem der Stipendienprogramme der AvH erhalten, das überdurchschnittlich qualifizierten jungen Wissenschaftlern aus Entwicklungs- und Schwellenländern langfristige Forschungsaufenthalte in Deutschland ermöglicht.

Finanziert wird das Programm vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).



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