Neue Gattung von Knochenfischen aus dem Trias entdeckt

(20.07.2016) Eine Studie über 240 Millionen Jahre alte Fischfossilien vom Monte San Giorgio gibt Hinweise darauf, wie rasch sich die Lebenswelt nach dem größten Artensterben erholt hat.

Das größte bekannte Massenaussterben der Erdgeschichte, bei dem fast alle meeresbewohnenden und der Großteil der landbewohnenden Arten ausstarben, liegt etwa 240 Millionen Jahre zurück.

Es sorgt noch heute für wissenschaftliche Debatten, denn bislang ist unklar, wie schnell sich die biotische Gemeinschaft davon erholte.

Eine neue Untersuchung von Fischfossilien aus dem Zeitalter der Trias durch eine internationale Forschergruppe unter Leitung von Dr. Adriana López-Arbarello vom Lehrstuhl für Paläontologie und Geobiologie und dem Geobiocenter der LMU spricht nun für die These einer raschen Erholung.

Darüber berichten die Paläontologen, darunter Dr. Heinz Furrer von der Universität Zürich und Dr. Rudolf Stockar vom Museo Cantonale di Storia Naturale in Lugano, die die Ausgrabungen leiteten, und Dr. Toni Bürgin vom Naturmuseum St. Gallen aktuell im Fachmagazin PeerJ.

Die Forscher um López-Arbarello untersuchten Fischfossilien vom Monte San Giorgio in der Schweiz, einer der weltweit wichtigsten Fundstellen von Meeresfossilien, die aus der mittleren Trias stammen. Heute liegt der 1000 Meter hohe Monte San Giorgio am Fuß der Südalpen umgeben vom Luganer See.

Damals war an dieser Stelle der Meeresboden einer Lagunenlandschaft, die durch Inseln und Riffe vom Ozean abgetrennt war.

„Der Fauna des Monte San Giorgio kommt aufgrund der präzisen Geländearbeit eine besondere Bedeutung zu. Die Herkunft der Fossilien innerhalb der Gesteinsschichten ist auf den Zentimeter genau dokumentiert“, sagt Adriana López-Arbarello.

Auf Basis einer detaillierten anatomischen Studie und taxonomischen Überprüfung gelang es den Paläontologen, eine neue Gattung von Knochenfischen zu bestimmen (Ticinolepis) und zwei Arten T. longaeva und T. crassidens einzugrenzen, die aus verschiedenen Sedimentschichten der mittleren Trias, der sogenannten Besano-Formation und des Meride-Kalks des Monte San Giorgio stammten.

Die beiden Arten existierten zwar auch nebeneinander, hatten sich aber unterschiedlich spezialisiert. T. crassidens ernährte sich von Weichtieren und konnte deren harte Kalkschalen knacken.

Fische der Art T. longaeva waren weiter verbreitet und besiedelten auch Wasserbecken, in denen T. crassidens nicht überleben konnte.

Die Forscher interpretieren die unterschiedliche Verbreitung als Folge veränderter Umweltbedingungen, an die sich T. longaeva aufgrund einer vielseitigeren Ernährungsweise flexibler anpassen konnte, während die Spezialisierung der beiden Arten zeige, dass es bereits zur Zeit der Besano-Formation gut etablierte Ökosysteme gegeben haben müsse.

„Das deutet darauf hin, dass sich die Lebenswelt nach dem großen Massensterben rasch erholt hatte“, sagt Adriana López-Arbarello.



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