Versuche mit satellitenbasierten Sendern in der Nordsee sollen Wanderungsverhalten von Hundshaien aufklären

(26.10.2018) Er ist der größte in deutschen Gewässern stetig vorkommende Hai und in der aktuellen Roten Liste der Meeresfische Deutschlands als „stark gefährdet“ eingestuft: der Hundshai (Galeorhinus galeus).

Die bis zu 2 m langen Tiere kommen in den gemäßigten Breiten sämtlicher Weltmeere der Nord- und Südhalbkugel vor. Aufgrund langanhaltenden starken Fischereidrucks (unter anderem ihrer Flossen und vitaminhaltigen Leber wegen) sind die Bestände dieser Art weltweit zurückgegangen.

Wissenschaftler des Thünen-Instituts für Seefischerei in Bremerhaven wollen nun mithilfe satellitenbasierter Ortungstechnik Näheres über das Verhalten dieser Haie, die im Meer weite Strecken zurücklegen können, herausfinden.


Dr. Matthias Schaber vom Thünen-Institut besendert einen Hundshai. Die Augen des Tieres sind zur Beruhigung mit einem feuchten Tuch abgedeckt.

Bislang gibt es nur wenige Daten über die Biologie und Häufigkeit der Tiere. Das macht eine belastbare Einschätzung der Populationsgrößen und bevorzugten Lebensräume schwierig.

Der Internationale Rat für Meeresforschung in Kopenhagen (ICES), der im Zweijahrestakt Zustandsmeldungen und Höchstmengen für den Beifang an Hundshaien an die Europäische Union ausgibt, stützt sich lediglich auf die wenigen verfügbaren Fang- und Anlandedaten aus kommerziellen Fischereien im Nordostatlantik.

Daten aus wissenschaftlichen Fängen sind mit enormen Unsicherheiten behaftet, da diese seltene Art nicht repräsentativ erfasst wird.

„Hundshaie sind wie die meisten anderen Haiarten sehr anfällig für Überfischung“, sagt Dr. Matthias Schaber, der Leiter des Forschungsprojekts.

„Sie werden spät geschlechtsreif, haben lange Tragzeiten und eine relativ geringe Nachkommenzahl. Obwohl es in der Nordsee keine gezielte kommerzielle Fischerei auf Hundshaie gibt, geht dennoch eine unbekannte Anzahl an Haien als zufälliger Beifang in die Netze“.

Ansammlungen von großen Hundshaien, die für den Menschen ungefährlich sind, werden in der Nordsee häufiger im Umkreis von Helgoland beobachtet. „Die Tiere tauchen im späten Frühling bei warmen Wassertemperaturen auf und sind bis zum Spätherbst wieder verschwunden.

Wir wissen allerdings nicht, was die Haie im Sommer bei Helgoland machen, wo sie herkommen, wohin sie im Herbst abwandern, und ob sie vielleicht jedes Jahr in das Gebiet zurückkehren“, sagt der Fischereibiologe aus dem Thünen-Institut.

Um genauere Einblicke in ihr Bewegungsprofil zu erhalten, bestückt Schaber im Rahmen des „Helgoland Tope Tagging Project“ (Tope = Hundshai) in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Helgoländer Hochseeangler ausgewachsene Tiere mit modernen Sendern, die kontinuierlich verschiedene Umweltparameter messen, sich nach einem vorprogrammierten Zeitraum vom Hai ablösen, an die Wasseroberfläche treiben und dann die Messdaten via Satellit versenden (sog. Satellite Pop-Up Archival Tags).

Für die Markierung wurden zunächst fünf Hundshaie im Seegebiet um Helgoland vom Boot aus gefangen und schonend an Bord gebracht.

„Wir halten die Aufenthaltsdauer jedes Tieres an Bord so kurz wie möglich, damit es sich rasch wieder erholt. Der Satellitensender, den wir an der Rückenflosse befestigen, ist leicht und hat einen geringen Wasserwiderstand, sodass er die recht großen Haie nicht beeinträchtigt“, erklärt Schaber. Weitere Markierungen sollen folgen.

Nach dem Aussetzen der Haie zeichnen die Sender Wassertiefe, Temperatur und Lichtintensität auf. Aus diesen Daten lassen sich später Rückschlüsse auf das Verhalten und die Wanderbewegungen der Tiere ziehen.

Neben täglichen Aktivitätsmustern können auch Informationen zu Gebieten gewonnen werden, in denen die Hundshaie gegebenenfalls über längere Zeit ortstreu sind, z.B. während der Fortpflanzung oder zum Gebären der Jungtiere.

Diese Daten sind nicht nur für eine bessere Bestandsabschätzung im Nordostatlantik hilfreich, sondern auch eine wertvolle Grundlage, um mögliche geeignete Schutzgebiete für die Tiere auszuweisen.

Erste Ergebnisse erwartet Matthias Schaber im Frühsommer nächsten Jahres. „Ab dem Moment, wo wir den markierten Hai wieder ausgesetzt haben, können wir nichts tun außer abwarten und hoffen“, sagt er. „Die Sender zeichnen 270 Tage lang Daten auf, lösen sich dann ab und senden die Informationen via Satellit an mich. Idealerweise will ich vor dem erwarteten Zeitpunkt nichts von den fünf Haien hören – danach dann aber unbedingt.“



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