Regensburger Zoologen weisen besonderes Verhalten der Nilhechte zur Fortpflanzung nach

(12.10.2010) Der Bulldog-Fisch des Oberen Sambesi in Namibia ist – wie alle anderen schwachelektrischen Nilhechte – nachtaktiv und weicht so dem Druck von tagaktiven Feinden wie dem Tigerfisch Hydrocynus vittatus oder einzelnen Reiher-Arten aus.

Er hält sich tagsüber in dunklen Verstecken auf, um sie erst nachts zu verlassen. Während dieser Zeit scheint er nicht viel für die Fortpflanzung oder die Reproduktion tun zu können: weder Nahrungssuche oder Balzverhalten noch die Suche nach einem physiologisch besser geeigneten Territorium.

Prof. Dr. Bernd Kramer und sein Doktorand Peter Machnik vom Institut für Zoologie der Universität Regensburg wiesen nun bei Bulldog-Fischen ein Verhaltensmuster nach, das auch tagsüber der Fortpflanzung dient und die hohen Kosten einer auf die Nacht beschränkten Lebensweise kompensiert.


Exemplar eines Bulldog-Fisches aus dem Okavango (Marcusenius altisambesi; lebend; im Aquarium in Regensburg). Die Art wurde 2007 von Regensburger Zoologen entdeckt.

Normalerweise geben tagsüber ruhende Bulldog-Fische beiderlei Geschlechts ihre elektrischen Ladungen mit der niedrigsten artspezifischen Pulsrate ab (4-12 Pulse pro Sekunde, also 4-12 Hertz, Hz). Diese schwankt zudem ständig: es finden sich also sowohl lange als auch kurze Intervalle zwischen den Pulsen (15-500 Millisekunden; „variables Ruhemuster“).

Sobald aber ein Männchen tagsüber ein Weibchen in seiner Nähe entdeckt, erzeugt es ein bisher bei keinem Nilhecht beobachtetes Ruhemuster mit 16-28 Pulsen pro Sekunde und nur geringer Intervallschwankung („regelmäßiges Ruhemuster“).

Durch Playback-Versuche mit einer elektrischen Männchenattrappe konnten die Regensburger Wissenschaftler zeigen, dass Bulldogfisch-Weibchen dieses regelmäßige Muster nach zwei bis drei Tagen Einwirkungszeit attraktiver finden als das variable Ruhemuster.

Offensichtlich handelt es sich also beim regelmäßigen Muster um ein Werbesignal, das bereits tagsüber auf das andere Geschlecht anziehend wirkt und die Paarbildung anbahnen soll.

Zudem wird auf diese Weise vermieden, durch auffälligeres Verhalten potentielle Feinde in der Umgebung anzulocken. Eine weitere Funktion des regelmäßigen Musters, so die Forscher, könnte die Beschleunigung der Eireifung der Weibchen sein. Es gilt nun, diese Annahme in weiteren Untersuchungen zu überprüfen.

Die Forschungen entstanden im Rahmen der Doktorarbeit von Peter Machnik. Auszüge der Doktorarbeit wurden vor kurzem über einen gemeinsamen Aufsatz mit Prof. Kramer in der renommierten Fachzeitschrift „Journal of Ethology“ veröffentlicht (DOI: 10.1007/s10164-010-0235-z).


Weitere Meldung

Nilhechte erzeugen ihr elektrisches Feld mit einem speziellen Organ kurz vor ihrer Schwanzflosse. An ihrem Kopf, Rücken und Bauch sitzen zahlreiche Elektrorezeptoren.; Bildquelle: Sarah Pannhausen/Uni Bonn

Roboterfisch bringt „echte“ Nilhechte zum Reden

Die nachtaktiven afrikanischen Nilhechte erzeugen elektrische Spannungspulse und verschaffen sich damit ein erstaunlich genaues Bild ihrer Umgebung
Weiterlesen

Der neue Bulldog-Fisch Marcusenius desertus.; Bildquelle: Prof. Dr. Bernd Kramer

Internationales Forscherteam entdeckt neue Art der Bulldog-Fische

Forscher der Universitäten Regensburg, Heidelberg und Johannesburg (Südafrika) haben am Kunene-Fluss im südlichen Teil Afrikas eine neue Art der Bulldog-Fische nachgewiesen
Weiterlesen

Rundkopf-Nilhecht Pollimyrus cuandoensis; Bildquelle: Universität Regensburg

Neuer Rundkopf-Nilhecht entdeckt

Veränderungen von Umweltbedingungen können zur Entstehung neuer Tierarten führen. Eine ideales Ökosystem zur Untersuchung dieser sogenannten parapatrischen Artenbildung scheint der afrikanische Kwando-Fluss zu sein
Weiterlesen

Die Nilhecht-Art Mormyrus hasselquistii (Valenciennes, 1846).; Bildquelle: Prof. Dr. Bernd Kramer

Ein Nilhecht als Zitterwels? Rätsel, warum eine Art auf Vorteile der Evolution verzichtet

Nilhechte haben sich an ihre Umgebung evolutionär angepasst. Sie verfügen über elektrische Organe und nutzen ihre – normalerweise – schwachelektrischen Entladungen für die Kommunikation und aktive Elektroortung
Weiterlesen

Die neu entdeckte Nilhecht-Art Petrocephalus longianalis aus dem Lufubu-Fluss im Einzugsgebiet des Oberlaufs des Kongo; Bildquelle: Roger Bills

Sechs neue Nilhecht-Arten entdeckt

Forscher der Universität Regensburg haben sechs neue Nilhecht-Arten entdeckt und sechs Unterarten zu eigenständigen Arten erklärt
Weiterlesen

Universität Regensburg

Projekt zu afrikanischen Nilhechten wird verlängert

Mit der Entdeckung neuer Hechtarten in Afrika haben Regensburger Zoologen in den vergangenen Jahren wiederholt auf sich aufmerksam gemacht
Weiterlesen

Wissenschaftler haben im Süden Afrikas eine neue Nilhecht-Art entdeckt

Wissenschaftler haben im Süden Afrikas eine neue Nilhecht-Art entdeckt

Das internationale Forscherteam machte diesen Fund im Kunene-Fluss an der Grenzen zwischen Namibia und Angola
Weiterlesen