Optimale Aufstallung und Hygiene helfen Neugeborenen-Durchfall bei Kälbern zu verringern

(30.11.2011) Erkranken Kälber in den ersten zwei bis drei Lebenswochen an Durchfall, spricht man von Neugeborenen-Durchfall. Wirtschaftliche Verluste wie erhöhter Arbeits- und Pflegeaufwand, Kosten für Medikamente und tierärztliche Leistungen sind die Folgen.

Um Neugeborenen-Durchfall möglichst zu vermeiden, kann der Tierhalter vorbeugend dafür sorgen, dass der Keimdruck, dem die Kälber ausgesetzt sind, verringert und dass die Immunabwehr der neugeborenen Kälber gestärkt wird.

"Der Praktische Tierarzt" weist in einer interaktiven Fortbildung für Tierärzte auf einige wirksame Maßnahmen hin, die Tierhalter ergreifen können.

Dazu gehört u. a. eine gute Geburtshygiene. Mit dem Eintritt des Kalbes in den Geburtskanal beginnt die Auseinandersetzung mit Krankheitskeimen. Die Aufstallung in Einzelkalbeboxen verringert das Auftreten von Neugeborenen-Durchfall erheblich.

Allerdings nur dann, wenn dort auch regelmäßig zwischen den Abkalbungen die Einstreu ausgetauscht wird und diese Box allein für Abkalbungen genutzt wird und nicht gleichzeitig als Krankenbox.

Nach der Geburt müssen die Kälber unter besten Umweltverhältnissen aufgestallt werden. Ein direkter Kontakt mit gleichaltrigen Kälbern ist strikt zu vermeiden.

Das schließt eine Gruppenhaltung in den ersten Wochen aus. Bei der Verwendung von fahrbaren Einzelboxen ist auf ausreichende Einstreu zu achten, damit die Kälber weich und trocken liegen. Im Winter müssen die Boxen von unten gedämmt werden, damit die Kälber nicht unterkühlen.

Einzeliglus sind unter hiesigen Witterungsverhältnissen optimal für Neugeborene. Vorausgesetzt, sie stehen an geeigneten Standorten auf dem Hofgelände.

Es müssen ausreichend Iglus für die zu erwartende Zahl an Kälbern vorhanden sein. Sie sind mit der Öffnung von der Wetterseite abgewandt aufzustellen und müssen vor starker Sonneneinstrahlung geschützt sein. Ausreichender Abstand muss eingehalten werden, damit sich die Kälber nicht gegenseitig belecken.

Zwischen den Abkalbungen müssen die Iglus gereinigt und desinfiziert werden und reichlich frisches Stroh für die neu eingestallten Kälber sollte selbstverständlich sein. Die Ausläufe zwischen den Iglus dürfen nicht mit eingestreut werden, denn nasses Stroh bietet Krankheitserregern beste Vermehrungsbedingungen.

Renate Kessen, aid.de

Weitere Informationen:  aid-Heft "Aufstallungsformen  für Kälber", Bestell-Nr. 61-1289, Preis: 3,50 EUR, www.aid-medienshop.de



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