Gesamtaussichten für Rind und Schaf trotz steigender Kosten positiv

(20.07.2014) Rind- und Schaffleischpreise steigen global weiter, agri benchmark Beef and Sheep Netzwerk verfügt über einmalige Daten für globale Vergleiche

Das Jahr 2013 brachte der Rind- und Schaffleischproduktion in vielen Ländern mit gemäßigten Klimabedingungen eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit. Anderenorts drückten Trockenheit und widrige Wetterbedingungen, vorwiegend in der Südhemisphäre, weiter auf die Gewinne.

Dies ist eines der Ergebnisse der agri benchmark Beef and Sheep Conference 2014 vom 5.-11. Juni in Turin, Italien, mit dem italienischen Forschungsinstitut für Tierproduktion (CRPA) als Gastgeber.

In dem vom Thünen-Institut in Braunschweig koordinierten agri benchmark Netzwerk haben sich Agrarökonomen aus 31 Ländern zusammengeschlossen. Seit neuestem sind auch Mitglieder aus Botswana und Paraguay dabei.

Die Themen der diesjährigen Tagung umfassten Verbraucherpräferenzen und Handel, Tiergerechtheit, Arbeitsproduktivität, Weidessysteme für Rinder und Schafe sowie saisonale Preisunterschiede bei Lamm- und Schaffleisch.

Zu den 'heißen Themen' zählten die Teilnehmer außerdem die Auswirkungen des Klimawandels auf die globale Produktion, verschiedene agrarpolitische Eingriffe und das Fehlen einer langfristigen Rentabilität in Mutterkuhhaltung und Rindermast.

Hohe Preise dämpfen die Nachfrage

Die Rind- und Schaffleischpreise, aber auch die Produktionskosten, stiegen 2013 weltweit weiter an, allerdings in geringerem Maße als im Zeitraum 2009-2012. Hohe Preise und die in vielen etablierten Märkten anhaltende Wirtschaftskrise haben vielerorts zu einem Rückgang des pro-Kopf Verbrauchs von Rind- und Schaffleisch geführt.

Zusätzliche Nachfrage kommt überwiegend aus Asien – mit China als Haupttreiber – sowie aus Südamerika, wo Brasilien der Motor für Angebot und Nachfrage ist. Chinas Aufstieg zum bedeutenden Importeur von Rind- und Schaffleisch und die Konsequenzen für die globale Exportnachfrage, Preise und Handelsströme wurde wiederholt von den Netzwerkpartnern hervorgehoben.

GAP-Reform als Herausforderung für EU-Produzenten

Die Hauptelemente der EU-GAP-Reform sind weitere Entkopplung (hauptsächlich im Bereich Mutterkuh und Schaf), die Umwandlung von Betriebsprämien in Flächenprämien und das Greening. In Deutschland spielen die beiden ersten Elemente keine Rolle mehr, denn die Entkopplung ist seit 2005 Realität und die Umwandlung in Flächenprämien wurde 2013 abgeschlossen. Rindermäster mit hohem Viehbesatz sind von der Prämienumwandlung besonders stark betroffen.

Der Vorteil für die deutschen Mäster bestand darin, dass zeitgleich mit der Umwandlung der Betriebsprämien die Rindfleischpreise stark anstiegen. Damit ist in den nächsten Jahren nicht mehr zu rechnen. Kees de Roest, agri benchmark Partner und Leiter des CRPA in Italien sagte: 'Im Falle Italiens liegen die Prämienverluste für diese Betriebe zwischen 400 und 600 € je ha'.

Repräsentanten der italienischen Wertschöpfungskette für Rindfleisch vertraten in der Podiumsdiskussion des Global Forum die Auffassung, dass diese Herausforderungen durch Markterschließung, Innovation und Produktentwicklung, beispielsweise einer europäischen Marke, gemeistert werden müsse. Im Falle Italiens käme auch der Export regionaler Rindfleischspezialitäten hinzu.

Das Potenzial von Weidesystemen bleibt hoch

Die meisten Rinder und fast alle Schafe verbringen mindestens einen Teil ihres Lebens auf der Weide. Viele Grünlandflächen weltweit sind überweidet – zum Beispiel im Norden Chinas - andere wiederum sind unternutzt.

Ein nachhaltigeres Grünlandmanagement, das sich an Wachstumspotenzial und Tragfähigkeit orientiert, das schrittweise Einführen von Düngung, Zufütterung und Anbau neuer Grassorten könnte das derzeit ungenutzte Potential freisetzen. Wald-Weidesysteme in tropischen Standorten scheinen in der Lage zu sein, Vorteile in dreierlei Hinsicht zu generieren: ökologisch, wirtschaftlich und im Hinblick auf Tierwohl.

Sie werden daher im Rahmen des Netzwerkes weiter untersucht. China versucht in den betroffenen Gebieten von Überweidung zu nachhaltigem Weidemanagement zu kommen. Argentinien, Brasilien und Kolumbien haben Spielräume zur Erhöhung der Weideproduktivität, die sich letztlich in höheren Tierleistungen ausdrückt.



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