Ferkelgruppen: Weniger Aggressionen durch Ablenkung

(12.11.2014) Werden Ferkel in neue Gruppen sortiert, kommt es häufig zu heftigen Rangordnungskämpfen. Sie führen zu Stress, manchmal auch zu Verletzungen und können Leistungseinbußen zur Folge haben.

Verschiedenste Strategien bei der Neu- und Umgruppierung von Ferkeln haben bisher wenig Einfluss auf die aggressiven Verhaltensweisen gezeigt. Weder eine homogene noch eine heterogene Gruppierung nach Alter, Gewicht, Herkunft oder Geschlecht verringern das Aggressionsverhalten maßgeblich. Lediglich ein Vergleich der Gruppengrößen von 6, 12 oder 24 Ferkeln zeigte, dass in kleineren Gruppen weniger gekämpft wird.  

Einen ganz neuen Ansatz hat die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover versucht, wie die Zeitschrift "Der praktische Tierarzt" berichtet. Ergebnis der Studie ist ein System, bei dem mit antrainierter Ablenkung das Aggressionsverhalten von Aufzuchtferkeln minimiert werden kann.  

Dazu wurden die Saugferkel in konventionellen Abferkelbuchten mit Sau in Einzelhaltung mit Hilfe eines Futterautomaten konditioniert. Der elektronische Futterautomat gibt jeweils nach Erklingen eines speziellen Tons schmackhaftes Futter aus.

Insgesamt waren an dem Versuch 95 Ferkel aus zehn Würfen beteiligt. Die Ferkel wurden ab ihrem 25. Lebenstag bis einen Tag vor dem Absetzen jeweils eine Stunde täglich auf diesen Ton trainiert.

Die Ergebnisse sind bisher Erfolg versprechend. Das Verhalten der am 35. Tag abgesetzten Ferkel in neu zusammengesetzten Gruppen zu jeweils zwölf Tieren konnte positiv beeinflusst werden. 84 Prozent aller zwischen zwei zuvor trainierten Ferkeln ausgelösten Aggressionen wurden unterbrochen, sobald der Futterautomat inklusive Ton aktiviert wurde. Das Ablenkungsmanöver beendete die aggressiven Verhaltensweisen zwischen den Ferkeln vorzeitig.  

Diese im Saugferkelalter erlernte Verhaltensreaktion könnte genutzt werden, um zu späteren Zeitpunkten Aggressionen zwischen den Gruppenmitgliedern zu minimieren und Stress für die Tiere zu verringern. Ob eine solche Methode unter Praxisbedingungen funktionieren kann, muss weiter untersucht werden.

Renate Kessen, aid.de



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