Das Schwein der Zukunft braucht kein Soja

(18.06.2016) Rund 75.000 Tonnen Soja für die Proteinversorgung, das meiste im Ausland produziert, gelangt jährlich in die Futtertröge der Schweizer Schweine.

Beim Überprüfen der Fütterungsnormen für Schweine stellten Forschende von Agroscope Erstaunliches fest: Es gibt Schweine, die mit weniger Proteinen gleiche Leistungen erzielen.

Agroscope Das Fazit: Würden die Schweizer Schweineproduzenten ausschliesslich auf Tiere setzen, die mit weniger Proteinen auskommen, könnte die Schweiz vollständig auf Sojaimporte für die Mastschweinefütterung verzichten.

Sojaimporte sind umstritten

Die Schweizer Landwirtschaft steht vor zahlreichen Herausforderungen, darunter der Klima- und Umweltschutz oder der haushälterische Umgang mit knappen Ressourcen. In diese Thematik gehört auch die Stickstoffbelastung durch die Landwirtschaft. Stickstoff ist ein Bestandteil der Proteine.

In der Schweiz liefern die Mastschweine zwar immer mehr Fleisch pro Tier; jedes Tier frisst aber auch immer mehr Proteine, um diese Produktionsleistungen zu erbringen. Der Bedarf an Proteinen wird in der Schweizer Tierproduktion vorweg über Soja aus dem Ausland gedeckt.

Die Sojaimporte sorgen in den Medien wegen der langen Transportwege aus Südamerika und der Rodung von Urwald für den Sojaanbau regelmässig für negative Schlagzeilen.

Im Rahmen einer Studie zur Effizienz von Stickstoff loteten Forschende von Agroscope aus, wie sich bei Schweinen eine Unterversorgung an Proteinen auf die Stickstoff-Effizienz auswirkt.

Als Nebenresultat dieser Studie zeigte sich, dass es in der Schweinepopulation des Versuchs rund dreissig Prozent Tiere gibt, die mit dieser Proteinunterversorgung trotzdem ein ganz normales Wachstum aufweisen.

In der Zucht den Schweinetyp dem Futter anpassen

Dies bedeutet, dass durch eine Zucht der Schweine auf die Stickstoff-Effizienz eine wesentliche Menge an Sojaimporten eingespart werden könnte. Der Agroscope-Forscher Peter Stoll ist überzeugt, dass die Schweiz so auf den Sojaimport für Mastschweine vollständig verzichten könnte.

Dies würde dazu führen, dass das Futter günstiger würde und einheimische oder alternative Proteinquellen eine bessere Chance hätten. Konkret würde dies für die Schweizer Schweineproduktion eine jährliche Einsparung von 18 Millionen Franken und Minderausscheidungen von 5300 Tonnen Stickstoff bringen.

Peter Stoll erklärt: «Insgesamt würde das Umdenken in der Schweinezucht – nämlich den Genotyp dem Futter anzupassen – die Nachhaltigkeit der Schweineproduktion längerfristig wesentlich erhöhen.»

Und wie steht es mit der Tiergesundheit und der Fleischqualität? «Den Schweinen, die in unserem Forschungsprojekt mit der Protein-Unterversorgung ein normales Wachstum zeigten, ging es sogar besser, da sie über die Unterversorgung eine für ihren Typ bedarfsgerechte Fütterung erhielten», sagt Peter Stoll.

Bezüglich Fleischqualität läuft bei Agroscope zurzeit ein weiteres Projekt. Peter Stoll bilanziert: «Das Oberziel in der Schweinezucht müsste sein, dass die Selektion auf Tiere gemacht wird, die mit weniger Protein keine Einbussen bezüglich Gesundheit, Tageszunahmen, Fleischqualität oder Fruchtbarkeit zeigen.»

Forschungsprojekt zur Stickstoff- und Phosphor-Bilanz beim Schwein  

Wie viel Stickstoff und Phosphor im Futter enthält der Schweineschlachtkörper? Eine Antwort darauf liefern die sogenannten Import-Export-Bilanzen. Sie erlauben, ökonomische und ökologische Ziele in der Schweinefleischproduktion festzulegen und zu erreichen.

Bereits vor dreissig Jahren wurden Modelle aufgrund der Gesamtkörperzusammensetzung von Mastschweinen errechnet und für Fütterungsempfehlungen verwendet. Die Fütterungsempfehlungen dienten damals wie heute dazu, Schweine bedarfsgerecht zu füttern.

Seit damals haben sich die Mastschweine und das Futter stark verändert.

Die Tiere sind heute wesentlich fleischiger als früher. Entsprechend stiegen die Anforderungen an den Gehalt an Aminosäuren, die Bausteine der Proteine, im eingesetzten Futter. Dem steigenden Bedarf an Aminosäuren kann mit einer Erhöhung des Proteingehaltes oder einer erhöhten Proteinqualität begegnet werden.

Damit die Import-Export-Bilanzen den aktuellen Voraussetzungen in der Schweineproduktion entsprechen, ist es notwendig, die Gesamtkörperzusammensetzung der Schweine und die Fütterungsempfehlungen zu überprüfen.

Agroscope startete deshalb 2011 das Forschungsprojekt «Fütterung unterschiedlicher Rohprotein-Konzentrationen und deren Einfluss auf die Entwicklung der Gesamtkörperzusammensetzung zu unterschiedlichen Zeitpunkten während der Mast».

In diesem Projekt geht es unter anderem um die Frage, wie tief der Gehalt an Aminosäuren im Futter gesenkt werden kann, ohne dass die Mast- und Schlachtleistung oder die Fleischqualität der Schweine leiden



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