Ökologische Tierhaltung: offene Fragen bei der Bewertung von Ausläufen

(27.06.2014) Licht, Luft, Sonne, Einstreu, Auslauf und größere Stallflächen je Tier, insgesamt weniger Stall, wenn möglich ganz ohne Stall - so charakterisierte Dr. Heiko Georg vom Thünen-Institut für ökologischen Landbau in Trenthorst die Besonderheiten der ökologischen Tierhaltung, wie sie in der Durchführungsverordnung Nr. 889/2008 zur EG-Ökoverordnung beschrieben sind.

Die aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen für die Tierhaltung waren Thema einer KTBL-Vortragsveranstaltung Mitte Juni 2014 in Hannover.   

Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft Georg führte aus, dass vor allem der Auslauf mit Einstreu in der ökologischen Schweinehaltung als sogenannte diffuse Quelle eingestuft werde, speziell was die Ammoniakemissionen angeht. Das wirke sich negativ auf die Abstandsregelungen im Genehmigungsverfahren aus.

Konventionelle Schweinehaltung in geschlossenen Ställen mit geregelten Abluftsystemen hingegen würde als Punktquelle behandelt und entsprechend weniger problematisch von den Umweltwirkungen her eingestuft.   

Überdachte Ausläufe könnten Ammoniakemissionen mindern, so der Experte. Andererseits sollen Tiere in einer ökologischen Haltungsumgebung möglichst den natürlichen Klimareizen, wie Sonne, Wind, Regen und Schnee ausgesetzt werden. Wieviel Überdachung nötig, bzw. zulässig ist, sei noch nicht geklärt.

In Österreich würden bis zu 90 % der Auslauffläche überdacht, in Deutschland habe man sich auf max. 50 % geeinigt. Insgesamt resümierte Georg, seien noch viele Fragen offen, um die Umweltwirkungen, konkret die gasförmigen Emissionen, sowie Staub, Geruch und Bioaerosole von Ausläufen zu bewerten. Dabei müsse auch eine ganzheitliche Betrachtung der ökologischen Tierhaltung erfolgen.

Dr. Volker Bräutigam, aid.de



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

EFSA

Tierarzneimittelrückstände: Einhaltungsquoten weiterhin hoch

Monitoring-Daten zu Rückständen von Tierarzneimitteln und Kontaminanten in Tieren und Lebensmitteln tierischen Ursprungs zeigen, dass die empfohlenen Sicherheitsniveaus in hohem Maße eingehalten werden
Weiterlesen

SocialLab untersucht das Spannungsfeld zwischen Verbrauchern, Landwirtschaft und Handel; Bildquelle: Kai Dollbaum

Nutztierhaltung im Spiegel der Gesellschaft

Forschungsprojekt „SocialLab“ hat untersucht, wie Verbraucher, Landwirte und der Handel ticken
Weiterlesen

Schweine auf Stroh wirken glücklicher

Schweine auf Stroh wirken glücklicher

Fotos spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, wie Produkte aus der Landwirtschaft bei Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommen.
Weiterlesen

Prof. Dr. Achim Spiller; Bildquelle: Universität Göttingen

Göttinger Wissenschaftler analysieren, wie die Haltung von Nutztieren wahrgenommen wird

Die meisten Tiere in der Landwirtschaft werden in konventionellen Ställen gehalten. Wie Verbraucher reagieren, wenn sie realitätsnahe Bilder solcher Ställe sehen
Weiterlesen

Am FBN-Lernautomaten haben die Dummerstorfer Zwergziegen bereits ihre rasche Auffassungsgabe bewiesen; Bildquelle: FBN

Sind schlaue Ziegen glücklicher?

Dummerstorfer und Schweizer Wissenschaftler untersuchen Auswirkungen von gezieltem Denktraining auf das Tierwohl
Weiterlesen

Start des Projektes EiKoTiGer: Projektpartner beim Kick-off im KTBL, Darmstadt; Bildquelle:  A. Steinmetz/KTBL

Betriebliche Eigenkontrollen für mehr Tierwohl: Wie geht es den Tieren in meinem Stall?

Das Tierwohl von Nutztieren hängt nicht nur von ihrem Stall ab, sondern auch vom Management durch den Tierhalter. Aber woran kann der Tierhalter zuverlässig erkennen, wie es seinen Tieren geht?
Weiterlesen

Alpen-Adria-Universität

Globale Produktion von tierischen Lebensmitteln wird nachhaltiger durch weniger Kraftfutter

Laut einer neuen Studie könnte der Verzicht auf den Anbau von Futtermitteln auf den landwirtschaftlichen Flächen eine positive Auswirkung auf die Verfügbarkeit von Lebensmitteln für Menschen haben
Weiterlesen

PD Dr. Joachim Weitzel, hier im Labor mit Ana Andrzejeski aus Brasilien, hat Rinderzellen molekularbiologisch untersucht.; Bildquelle: Ralf Pöhland/FBN

Klimawandel und Nutztiere - auf der Suche nach Strategien gegen Hitzestress

Von Brasilien bis Indien ist das wissenschaftliche Know-how aus Dummerstorf gefragt
Weiterlesen