Fallbericht: Ratte mit einem apfelgroßen Tumor

(23.09.2011) Die Ratte „Socke“ wird mit einem ca. apfelgroßen Tumor an der linken Körperseite vorgestellt. Das Tier kann sich nur mehr mit Schwierigkeiten und äußerst langsam fortbewegen.


Ratte mit einem apfelgroßen Tumor
Allgemeinbefinden ist ggr. vermindert, da die Fortbewegung durch die massive Umfangsvermehrung immens beeinträchtigt ist. Der Appetit ist gut, Ernährungzustand mgr. vermindert. Sonst klinisch alles oB.

Die Ratte wird nach einer Infusion mit Ringerlactat und Glucose und präoperativer Analgesie mit Butomidor mit Isofluran in Narkose gelegt. Die linke Körperseite wird rasiert und das Operationsfeld desinfiziert.

Der Tumor wird vorsichtig von Haut und subkutanem Fettgewebe getrennt. Die den Tumor versorgenden Blutgefäße kommen aus der Region der Arteria axillaris. Drei Ligaturen mit Monosyn 3/0 ermöglichen ein Absetzen des Tumors mit ggr. Blutverlust.


Tumor
Nach Wundspülung mit physiologischer Kochsalzlösung und Absetzen von überflüssiger Haut erfolgt der Wundverschluss mit Stahldraht, um ein Aufbeißen der Naht zu verhindern. Die starke Dehnung der Haut durch den Tumor erfordert Entlastungschnitte.

Durch einen T-förmigen Wundverschluss gelingt ein beinahe faltenfreies Ligieren des großflächigen Hautdefektes. 

Die Naht wird mit Betaisodona Wundspray versorgt und Metacam als postoperativ es Analgetikum verabreicht. Socke wiegt nach der Tumorentfernung noch 230 Gramm, der Tumor selbst 272 Gramm.


1. Nachkontrolle
Die Koordination fällt der Ratte unmittelbar nach der Operation noch etwas schwer, da die Gewichtsverhältnisse sich ja nun komplett geändert haben.

Darüberhinaus hat sich durch das lange Bestehen des Tumors auch eine ggr. Muskelasymmetrie entwickelt. Das Tier wird mit Schmerzmittel für weitere zwei Tage in häusliche Betreuung entlassen.

Die Nachkontrolle nach einer Woche zeigt eine gute Heilungstendenz. Nur lokal in der Achselregion besteht noch eine derbe, nicht inflammatorische Schwellung im Ligaturbereich. Alle Nähte sind in situ, nur ggr. Wundschorf im gesamten Nahtbereich.

Zwei Wochen post op erfolgt die Entfernung der Stahldrahtligaturen. Die Naht ist gut verheilt, lokal noch ggr. lokale Schwellungen durch den Stahldraht. Caudal Bildung eines ggr. Hautwulstes, der jedoch keine gesundheitliche Beeinträchtigung darstellt.


2. Nachkontrolle
Auch drei Monate nach der Tumorentfernung kein Rezidiv, Socke erfreut sich bester Gesundheit!

Mag. Helene Widmann
helene.widmann@gmail.com



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