Fallbericht: Pruritus beim Hund durch Sarkoptesräude 

(28.04.2012) Dr. Claudia Ouschan beschreibt einen Fall von lokalisierter Sarkoptesräude bei einem 7 Jahre alten Nova Scotia Duck Tolling Retriever

Nationale


Pacco, 7 Jahre alter männlicher Nova Scotia Duck Tolling Retriever, 18,3 kg
Pacco, 7 Jahre alter männlicher Nova Scotia Duck Tolling Retriever, 18,3 kg

Vorbericht

Seit zwei Wochen hochgradiger Juckreiz, vor allem im Ohrbereich, seitlicher Brust/Achselbereich sowie ventraler Bauchseite, Juckreiz-Skala 9-10, Juckreizsymptomatik auch nachts.

Der Rüde wurde mit Trockenfutter ernährt und es wurde keine Futterumstellung in letzter Zeit durchgeführt. Harn- und Kotabsatz oB, keine Floh-/Zeckenprophylaxe seit geraumer Zeit. Hund ist viel im Wald unterwegs. Die Besitzer zeigten keine Hautveränderungen.

Klinische Untersuchung

Pacco zeigte einen guten Ernährungs- und Allgemeinzustand, er war ruhig und aufmerksam. Die Schleimhäute waren blassrosa mit einer kapillären Füllungszeit von 1,5 Sekunden.

Die Atemfrequenz betrug 22/Minuten, die Pulsfrequenz betrug 86 und war kräftig, regelmässig, gleichmässig, Arterie war gut gefüllt und gespannt. Auskultatorisch zeigte er eine respiratorische Arrythmie. Das Abdomen sowie die Hoden waren bei der Untersuchung palpatorisch unauffällig.

Die dermatologische Untersuchung zeigte eine Hypotrichose der linken Pinna. An dieser Seite zeigte sich auch eine Ohrrandverdickung mit Krusten und Schuppen. Zusätzlich zeigte der Patient eine periokkuläre Hypotrichose. Die restliche Haut zeigte sich trotz der Juckreizsymptomatik ohne Besonderheiten.

Pacco kratzte sich auch während der Untersuchung im Behandlungsraum. Auch der „Pinnal-pedal“-Reflex war positiv.

Im Rahmen der Untersuchung wurde ein Hautgeschabsel sowie eine Zytologie durchgeführt. Im Geschabsel konnten 2 adulte Sarkoptesmilben sowie mehrer Eier nachgewiesen werden.

In der zytologischen Untersuchung wurden zahlreich toxische neutrophile Granulozyten und Kokken nachgewiesen werden.

Therapie

Pacco erhielt Moxidectin (Advocate, Fa. Bayer) als Spot On Präparat drei Mal im Abstand von zwei Wochen, Pacco wurde topisch einmal pro Woche mit Etiderm-Shampoo (Fa. Virbac) gebadet, für die Behandlung der superfiszialen Pyodermie erhielt er Amoxicillin-Clavulansäure 25 mg/kg po BID.

Bei der Kontroll-Untersuchung drei Wochen später zeigte Pacco nur mehr geringgradigen Juckreiz. Die Haare wuchsen bereits wieder nach, der Pinnal-pedal-Reflex war nicht mehr nachweisbar, die Haut war noch geringgradig schuppig im Ohrrandbereich. Die antiparasitäre und topische Behandlung wurde fortgesetzt.

Es wurde eine lokalisierte Sarkoptesräude aufgrund von Kontakt mit einem toten Fuchs angenommen.

Die Sarkoptesräude (Sarcoptes scabiei) wird durch eine wirtsunspezifische, hochgradig kontagiöse Milbe verursacht. Es handelt sich dabei um eine Zoonose. Als Reservoirtiere gelten vor allem der Fuchs und Marder.


Sarkoptesmilbe

Typische Symptome sind wie bei Pacco ein plötzlich auftretender, hochgradiger Juckreiz vor allem im Bereich der Ohrränder, Ellbögen, ventrale Bauchseite und im Tarsalgelenksbereich welcher auch nachts und bei Ablenkung (zB Spaziergang, Tierarztbesuch) bestehen bleibt. Bei der dermatologischen Untersuchung sind Papeln, Krusten, Schuppen und Exkorationen typischerweise anzutreffen.

Die Diagnose beruht auf dem Nachweis der Milben im grossflächigen, oberflächlichen Hautgeschabsel. Der „Pinnal-pedal“-Reflex gilt als sehr spezifischer und sensitiver Test.

Auch im Serum können 2-5 Wochen nach der Infektion die Antikörper mittels ELISA nachweisbar sein. Die Therapie beruht auf einer Behandlung mit Milbiziden. Bakterielle Sekundärinfektionen müssen gleichzeitig mittels Antibiose und topischer Therapie (Shampootherapie) kontrolliert werden.

Zu Beginn der Behandlung wird durch das schnelle Absterben grosser Milbenzahlen ein starker Juckreiz ausgelöst, daher wird in einigen Fällen Glukokortikoiden in entzündungshemmender Dosierung über 2-4 Tage empfohlen.

Differentialdiagnostisch muss aufgrund der Verteilung immer an eine Atopische Dermatitis gedacht werden. Die Umgebungsbehandlung sowie die Mitbehandlung aller Kontakttiere ist notwendig.

Literatur

Bei der Autorin anzufragen

Dr.med.vet. Claudia Ouschan
Tierärztliche Klinik Birkenfeld, Dr.Dr.h.c. H.-J. Koch, Am Schönenwald, 55765 Birkenfeld



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