Hundekot und Rinderabort: Indizien entlasten den "Stadthund"

(30.03.2005) Für Rinderaborte durch den Erreger Neospora caninum ist der "normale Stadt- und Familienhund" in der Regel nicht verantwortlich zu machen. Hundekot auf landwirtschaftlichen Flächen ist zwar generell unhygienisch und deshalb zu vermeiden. Allerdings ist der Kot des eigenen Hofhundes als Infektionsquelle für Rinder erheblich riskanter, als die Hinterlassenschaften eines spazieren geführten Stadthundes.

Darauf weisen die Bundestierärztekammer und das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Grundlage neuer Forschungsergebnisse hin.

Im vergangenen Sommer war es besonders in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zu teilweise drastischen Konflikten zwischen Landwirten und Hundehaltern gekommen bis hin zur Drohung, freilaufende Hunde zu vergiften.

Ursache waren Kampagnen der Landesbauernverbände gegen Hundekot auf Weiden und Futterflächen und dabei vor allem die plakativ illustrierte pauschale Behauptung, dass mit Hundekot verunreinigtes Futter Krankheit und Aborte bei Kühen auslöse.

Tatsächlich scheiden Hunde, die mit dem Einzeller Neospora caninum infiziert sind, ansteckende Stadien des Erregers mit dem Kot aus. Mit Hundekot verunreinigtes Futter ist deshalb eine mögliche Infektionsquelle für Rinder, bei denen Neospora Aborte verursachen kann.

Aktuelle Studien haben allerdings eine Reihe von Indizien ergeben, die den "normalen Stadt- und Familienhund" entlasten:

Die Ausscheidung des Erregers lässt sich nur selten bei Hunden nachweisen. In 11586 Kotproben, die von März 2001 bis Februar 2004 in zwei veterinärmedizinischen Labors untersucht wurden, konnten nur fünfmal die infektiösen Stadien von Neospora gefunden werden.

Epidemiologische Untersuchungen von Rinderherden in Rheinland-Pfalz ergaben als wichtigsten Risikofaktor für Neospora bedingte Aborte die Haltung von Hunden in dem betroffenen Betrieb selbst.

Mit Abstand und weniger sicher statistisch zu belegen folgten – in dieser Reihenfolge: mittlere regionale Temperatur im Juli, allgemeine Hundedichte in der Region und Größe der Rinderherde.

Hinsichtlich des "Risikofaktors Hund" entspricht dies den möglichen Übertragungswegen: Vor allem Hofhunde können erregerhaltiges Material aufnehmen wie abortierte Kälber und Nachgeburten und sich zunächst selbst infizieren.

In der Folge scheiden sie mit dem Kot einige Tage lang ansteckende Stadien von Neospora aus und werden so wiederum zur Infektionsquelle für Rinder.

"Stadthunde" dürften dagegen seltener Zugang zu erregerhaltigem Material haben. Hunde, die ausschließlich mit kommerziellem Fertigfutter ernährt werden, stellen kaum ein Risiko dar. Je weniger sie sich selbst infizieren können, umso weniger kommen sie auch als Infektionsquelle für Rinder in Frage.

Generell ist die vertikale Übertragung von der Kuh auf das ungeborene Kalb zahlenmäßig und wirtschaftlich als wesentlich bedeutender anzunehmen, als eine Infektion durch die Aufnahme von infektiösen Stadien aus Hundekot.

Hinweise für Landwirte

Abortmaterial und Nachgeburten müssen sofort und für Hunde unzugänglich entsorgt werden. Hunde sollten nicht mit rohem Fleisch gefüttert werden.

Futter und Tränkwasser müssen vor Verunreinigungen durch Hundekot geschützt sein, dies gilt auch für Futtertische.

Ist die Herde bisher nicht infiziert (serologisch negativ) ist zu empfehlen, nur untersuchte seronegative Tiere hinzuzukaufen.

Wenn erst wenige Tiere infiziert (serologisch positiv) aber bereits Neospora assoziierte Aborte aufgetreten sind, ist zu empfehlen, die seropositiven Tiere von der Zucht auszuschließen.

Aus hygienischen und ästhetischen Gründen gehört Hundekot nicht in Lebensmittel und ebenso wenig in Futter für Lebensmittel liefernde Tiere. Anbauflächen von Obst und Gemüse sowie Weiden und für Heu oder Grünfutter genutzte Wiesen sollten also von Hundekot frei gehalten werden.

Es gibt landesrechtliche Bestimmungen, die das Betreten und Verunreinigen von landwirtschaftlich genutzten Flächen ausdrücklich verbieten.

Weitere Informationen über Neospora caninum und die zitierten Studien im Internet: www.bfav.hnm.de/Neospora_caninum.179.0.html

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