Rätselhafter Fall des Monats: junger Kater mit schwerwiegenden Problemen

(30.10.2020) Im Fall des Monats Oktober 2020 stellt Laboklin einen 1 Jahr alten kastrierten Devon Rex Kater mit Hyporexie, Apathie und einem geschwollenem Bauch vor

Signalement und Anamnese

Vorstellig wurde ein 1 Jahr alter, männlich kastrierter Devon Rex Kater mit Hyporexie, Apathie und einem geschwollenem Bauch. Der Kater wurde einen Monat zuvor von einem Züchter adoptiert, sein FeLV/FIV Statuts war laut Aussage des Züchters negativ. Dem Kater ging es bis zur Vorstellung gut, dem Besitzer sind keine Veränderungen oder Krankheitssymptome aufgefallen.

Klinische Untersuchung

Bei der klinischen Allgemeinuntersuchung fiel ein aufgetriebenes, undulierendes Abdomen bei einem guten Body Condition Score von 4/9 auf. Die Palpation des Abdomens ließ das Vorhandensein freier Flüssigkeit vermuten. Zusätzlich hatte der Kater eine Hyperthermie (39,9°C) ohne andere Auffälligkeiten.

Weitere Untersuchungen

Hämatologie und Blutchemie

Es wurde eine hämatologische und blutchemische Untersuchung mit Serum- Eiweiß- Elektrophorese durchgeführt.  Im Blutbild fielen eine milde normozytäre, normochrome, nicht regenerative Anämie und eine milde Leukozytose mit Neutrophilie und Lymphopenie auf. Der Blutausstrich war unauffällig.

Die Blutchemie und die Serum- Eiweiß- Elektrophorese zeigten eine milde Hypoalbuminämie (29g/l, Referenzbereich 30-45g/dl) und eine Hyperglobulinämie (42g/l, Referenzbereich 4-19g/l) sowie eine ggr. erhöhte Bilirubinkonzentration (Abb.1).


Abb 1: Serum- Eiweiß- Elektrophorese mit deutlicher Hyperglobulinämie.

Bildgebende Verfahren

Es wurde eine Ultraschalluntersuchung des Abdomens durchgeführt, bei der mäßig freie Flüssigkeit in der Bauchhöhle und ein ggr. reaktives Peritoneum nachgewiesen wurden. Die Flüssigkeit wurde punktiert (Abb. 2). Weitere Befunde wurden nicht erhoben.

Abb. 2: makroskopisches Aussehen der punktierten freien Flüssigkeit aus der Bauchhöhle; Bildquelle: Laboklin
Abb. 2: makroskopisches Aussehen der punktierten freien Flüssigkeit aus der Bauchhöhle

Was ist Ihre Interpretation der labordiagnostischen Befunde?

Was ist die Hauptdifferentialdiagnose basierend auf dem Signalement und der klinischen Untersuchung?

Welche weiteren Tests würden Sie veranlassen, um diese zu bestätigen?

Was ist Ihre Interpretation der labordiagnostischen Befunde?

Hämatologie und Blutchemie

Eine milde normozytäre, normochrome, nicht regenerative Anämie spiegelt meist eine Anämie der chronischen Entzündung wieder. Die milde Neutrophile und Lymphopenie sind vermutlich eine Antwort auf die Wirkung endogener oder exogener Steroidhormone (Stressleukogramm), eine milde Entzündungsreaktion ist ebenfalls möglich.

Erhöhte Globulinkonzentrationen können ebenfalls für eine Entzündungsreaktion sprechen, eine Serum- Eiweiß- Elektrophorese hilft dabei, den Typ zu charakterisieren.

Die klinische Relevanz der ggr. erhöhten Bilirubinkonzentration bleibt unklar, es gab keine Hinweise auf Hämolyse, erhöhte Leberenzyme oder hepatische Cholestase.

Was ist die Hauptdifferentialdiagnose basierend auf dem Signalement und der klinischen Untersuchung?

Aufgrund des Alters des Katers und der klinischen Symptome ist die „feuchte“ feline infektiöse Peritonitis (FIP) die wahrscheinlichste Diagnose. Andere mögliche aber unwahrscheinliche Differentialdiagnosen sind andere Infektionserkrankungen, Pankreatitis oder Leberlappentorsion.

Welche weiteren Tests würden Sie veranlassen, um diese zu bestätigen?

Es sollte eine Untersuchung des abdominalen Ergusses inkl. Zellzahl, Totalprotein, Zytologie, Rivalta Probe und feliner Coronavirus PCR (FCoV) erfolgen.

Ergebnisse:

  • Zellzahl: 3450 Zellen/µl
  • Totalprotein (Refraktometer): 45g/l
  • Zytologie: es dominierten schlecht erhaltene neutrophile Granulozyten mit einer geringen Anzahl schaumiger Makrophagen und wenigen reaktiven Mesothelzellen (Abb. 3)

Abb. 3: Zytologie der abdominalen Flüssigkeit: schlecht erhaltene Neutrophile auf proteinreichem Hintergrund (modifizierte Wright Giemsa Färbung, 40- fache Vergrößerung); Bildquelle: Laboklin
Abb. 3: Zytologie der abdominalen Flüssigkeit: schlecht erhaltene Neutrophile auf proteinreichem Hintergrund (modifizierte Wright Giemsa Färbung, 40- fache Vergrößerung)

  • Rivalta Probe: POSITIV (Abb. 4).

Bei der Rivalta Probe wurden 8ml destilliertes Wasser mit einem Tropfen Essigsäure versetzt. Ein Tropfen der freien Flüssigkeit wurde vorsichtig auf die Oberfläche der Lösung gegeben. Behält der Tropfen beim Herabsinken seine Form oder verformt sich quallenartig, so ist der Test positiv. Löst sich der Tropfen, so ist der Test negativ.

Abb. 4: Positive Rivalta Probe (beachten Sie den an der Oberfläche der essigsauren Lösung haftenden Tropfen des Ergusses); Bildquelle: Laboklin
Abb. 4: Positive Rivalta Probe (beachten Sie den an der Oberfläche der essigsauren Lösung haftenden Tropfen des Ergusses)

  • FCoV real time PCR: POSITIV

Interpretation der Ergebnisse



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