Lycopodium – eine bedeutende Arznei zur Behandlung der akuten Kolik beim Pferd

(12.01.2013) Dr. Petra Weiermayer beschreibt, wie auch akute Koliken beim Pferd homöopathisch erfolgreich therapiert werden können

Dieser Fall zeigt eindrucksvoll, in welch kurzer Zeit akute Koliken beim Pferd – die oftmals schnell zu lebensbedrohlichen Zuständen führen, durch eine homöopathische Behandlung geheilt werden können.

Zusammenfassung

Ziel: Zu zeigen, dass auch akute Koliken beim Pferd erfolgreich homöopathisch therapiert werden können.
Methode: Klassisch homöopathische Therapie.

Ergebnis: Die akute Kolik dieses Pferdes konnte mit einer einmaligen Gabe Lycopodium C1000 geheilt werden.

Vorgeschichte

Gegen 17h begann die 20-jährige Criollo-Stute Koliksymptome zu zeigen. Sie legte sich aufgrund der Abdominalschmerzen hin, blieb ruhig liegen und bekam dann von ihrer Besitzerin 15ml Colosan verabreicht.

Anschließend wurde die Stute im Schritt geführt; das Allgemeinbefinden verbesserte sich während des Gehens vorrübergehend.

20 Minuten später kehrten die Koliksymptome - deutlicher als zuvor - zurück. Sie legte sich hin, sprang dann wieder auf, schlug sich mit den Hinterbeinen gegen den Bauch. Seit sie von der Weide geholt wurde, zeigte sie keinen Durst; sonst trank sie immer sofort, wenn sie von der Weide geholt wurde.

Der letzte Kotabsatz war nicht bekannt, da das Pferd tagsüber – wie jeden Tag – auf der Weide stand. Es war in letzter Zeit keine Futterumstellung erfolgt.

Gestern Abend war sie allerdings nass geworden und heute war sie den ganzen Tag bei regnerischem und für den Sommer sehr kühlem Wetter auf der Weide gestanden.

Sie zeigt immer wieder weißlichen, grieseligen Vaginalausfluß und war bereits vom Stalltierarzt mehrmals wegen Pyometra schulmedizisch therapiert worden. In den letzten Jahren hatte sie keine Koliken.

Gegen 18:30h traf ich im Reitstall ein, die klinische Untersuchung und die rektale Untersuchung ergaben folgende Befunde (nur veränderte Parameter angeführt):
Allgemeinverhalten: Sie schlägt sich immer wieder mit den Hinterbeinen gegen den Bauch, dreht sich nach rechts um und möchte sich hinlegen.

Die Schmerzattacken kommen schubweise sowohl im Stehen als auch beim Gehen. Zeitweise stampft sie mit den Vorderbeinen auf. Zeigt Interesse am angebotenen Heu, frisst aber keines.

Atemfrequenz mit 22 Atemzügen pro Minute erhöht, Atmung oberflächlich.

Herzfrequenz mit 48 Schlägen pro Minute erhöht.

Bauchspannung mgr. erhöht.
Peristaltik links dorsal und ventral mgr.vermindert und mgr.spastisch unterdrückt, rechts dorsal hgr.vermindert, klingend und hgr.spastisch unterdrückt, ventral hgr.vermindert und hgr.spastisch unterdrückt.

Weißlicher, grieseliger Vaginalausfluß.

Mittlere Mengen fester Kot in der Ampulle. Das kleine Kolon mit mittleren Mengen fester Kotballen gefüllt. Die ventralen Längslagen des großen Kolons mit mittleren Mengen fest-weichem Kot gefüllt, Fingereindrücke beibringbar. Die Taenia caeci ventralis mgr. gespannt und auf Zug mgr.schmerzhaft. Blinddarmkopf gefüllt, Fingereindrücke beibringbar.

Diagnose: mgr. Obstipationskolik (ventrale Längslagen des großen Kolons und Cäcum).

Repertorisation:

Gewählte Arznei: Pulsatilla pratensis
Potenz: C1000
Signatur: 1x5 Globuli

Fallverlauf

Nach 15 Minuten setzte sie Gas ab und die Koliksymptome waren abgeschwächt. Die Peristaltik blieb jedoch unverändert vermindert, spastisch unterdrückt und klingend. Auch Herz- und Atemfrequenz waren unverändert erhöht, das Pferd zeigte weiterhin Interesse an Heu, fraß aber nicht.

Bei weiteren 15 Minuten spazieren gehen, setzte sie kaum noch Gas ab, drehte sich zudem öfters nach rechts um und schlug sich mit den Hinterbeinen gegen den Bauch. Herz- und Atemfrequenz waren weiterhin unverändert, ebenso die Peristaltik. Jedoch war das tympanische Klingen im rechten dorsalen Quadranten lauter geworden.

Repertorisation:

Gewählte Arznei: Lycopodium clavatum
Potenz: C1000
Signatur: 1x5 Globuli

Fallverlauf

Nach 15 Minuten setzte die Peristaltik ein und zeigte sich nach weiteren 30 Minuten auf allen 4 Quadranten rege und auslaufend. Das Pferd setzte große Mengen Gas ab. Atem- und Herzfrequenz normalisierten sich (10/40) und das Pferd begann Heu zu fressen.

Über Nacht wurde Nahrungskarenz verordnet und unter der Voraussetzung, dass normal geformter Kot in entsprechender Menge abgesetzt wird, für den nächsten Tag langsames Anfüttern mit geringen Mengen Heu empfohlen.

Das Pferd setzte über Nacht große Mengen Kot ab. Die Anfütterung verlief problemlos und das Pferd zeigte seither keine Kolik mehr.

Diskussion

Der weißliche Vaginalausfluss bestand - unverändert - bereits seit einigen Tagen und war 6 Monate zuvor ebenfalls beobachtet worden - ohne Koliksymptomatik. Aus diesem Grund war dieses Symptom in der Repertorisation nicht zu berücksichtigen.

Weiters besserte sich der Schmerz im Gehen lediglich kurzfristig nach der Colosangabe, danach waren die Koliksymptome beim Gehen und Stehen von gleichem Ausmaß.

Daher durfte das Symptom „Abdomen, Schmerz, Bewegung, amel.“ für die Arzneimittelwahl nicht herangezogen werden. Zudem war nach der Pulsatilla-Gabe deutlich geworden, dass durch Abgang von Gas die Schmerzsymptomatik gebessert wurde und erneute Gasansammlung die Schmerzen verstärkte. Ein wertvolles Symptom für die Arzneimittelfindung.

Lycopodium zeigt sich bei kolikenden Pferden, indem diese Pferde gering- bis mittelgradig koliken sowie durchaus Interesse an Futter haben, aber nichts fressen. Zudem bessert sich die Koliksymptomatik bei Lycopodium durch Gehen schwach bis gar nicht.

Die für Lycopodium typische Verschlimmerungszeit ist nach 16h. Pulsatilla deckte einen Teil der Symptomatik ab und führte dazu, dass das Gesamtbild von Lycopodium eindeutig hervortrat.

In der homöopathischen Kolikbehandlung des Pferdes ist ein umfangreiches Arzneimittelwissen „lebensnotwendig“, da oftmals für eine Repertorisation keine Zeit bleibt.

Gleich wie bei der konventionellen Koliktherapie gilt es natürlich auch bei der homöopathischen Kolikbehandlung primär abzuklären, ob konservativ behandelt werden kann oder ob eine Kolikoperation notwendig ist.

Es ist immer wieder eindrucksvoll, in welch kurzer Zeit eine akute Kolik beim Pferd, die oftmals schnell zu einem lebensbedrohlichen Zustand führt, durch eine homöopathische Behandlung geheilt werden kann.

Literatur

Schroyens F., Synthesis TE 2009 Vet (D)
Krüger Ch.P., Praxisleitfaden Tierhomöopathie Vom Arzneimittelbild zum Leitsymptom, 2010, 2.Aufl.
Murphy R., Klinische Materia Medica, 2010, 2.Aufl.
Hahnemann S., Organon der Heilkunst, 6.Aufl., 2003


Dr. Petra Weiermayer, Wien, www.tierhomoeopathie-weiermayer.at



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