Berner Studien: beruht die Homöopathie auf einem Placebo-Effekt?

(08.09.2005) Zwei Publikationen von Wissenschaftlern der Universität Bern sorgen für eine angeregte Homöopathie-Debatte

Während die Kollegen am Institut für Sozial- und Präventivmedizin in ihrer Studie zu Ergebnis kommen, Homöopathie beruhe auf einen Placebo-Effekt, publiziert die KIKOM (kollegiale Instanz für Komplementärmedizin der Universität Bern) und die Medizinischen Universitätskinderklinik Bern eine Studie, die die Wirksamkeit homöopathischer Medikamente bei Kindern mit dem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) belegt.

Die Befunde beider Arbeiten stehen im absoluten Gegensatz. Schade ist, dass nur die erste Arbeit auch in Österreich ein größeres Medienecho gefunden hat, wodurch sicherlich viele Patientenbesitzer verunsichert wurden.

Der Schaden in der Schweiz ist aber noch weit höher, weil die Homöopathie im Juni 2005 aus der Grundversicherung gestrichen wurde.

Diese Entscheidung von Bundesrat Pascal Couchepin beruht unter anderem auf dieser vieldiskutierten Studie zur Wirksamkeit der Homöopathie, die am 26. August in «The Lancet» publiziert wurde. Sie soll zeigen, dass die Wirkung der Homöopathie mit einem Placebo-Effekt vereinbar ist. 

Eine spezifische Wirkung homöopathischer Mittel lässt sich, laut dieser Studie, nicht belegen .Zu diesem Schluss kommt ein Team um Prof. Matthias Egger vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern (ISPM).

Im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) hatten die Forscher in einer grossangelegten Meta-Analyse Studien von homöopathischen und konventionellen Medikamenten verglichen.

Dabei wurden 110 bisher publizierte placebokontrollierte Studien von homöopathischen Mitteln 110 Studien von konventionellen Medikamenten gegenübergestellt.

Diese wiesen eine ähnliche Versuchsanordnung auf und wurden aus einer Vielzahl zufällig ausgesucht. Die untersuchten Studien behandelten unterschiedlichste medizinische Bereiche von Atembeschwerden bis zur Anästhesie.

Die Forscher analysierten die Resultate der Behandlungen in Studien mit geringer Probandenzahl von minderer Qualität und in grossangelegten Studien von hoher Qualität.

In beiden Gruppen wurden in den qualitativ schlechteren Studien den Medikamenten eine bessere Wirksamkeit attestiert als in qualitativ hochstehenden Studien. Sobald sich die Untersuchung aber auf qualitativ hochstehende Studien beschränkte, liessen sich keine Belege mehr für eine spezifische Wirkung der Homöopathie finden.

In diesen Studien gab es keinen Unterschied zwischen Placebo und homöopathischen Medikamenten, während die konventionellen Medikamente auch in diesen Studien eine Wirkung zeigten.

«Je sorgfältiger und qualitativ besser eine homöopathische Studie war, desto weniger konnte die Wirksamkeit der Homöopathie nachgewiesen werden», stellt Egger fest. Somit seien die klinischen Behandlungsresultate der Homöopathie am ehesten auf einen Placebo-Effekt zurückzuführen.

Als Erklärung denkbar sind laut Egger sogenannte Kontext-Effekte, etwa der gemeinsame, starke Glaube von Therapeut und Patient an die Wirksamkeit der verschriebenen Mittel, der unterstützend und heilend wirken kann.

Diese Kontext-Effekte sind aber gerade in der Veterinär-Homöopathie auszuschließen!

Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy
Shang A, Huwiler-Müntener K, Nartey L, Jüni P, Dörig S, Sterne JA, Pewsner D, Egger M
The Lancet - Vol. 366, Issue 9487, 27 August 2005, Pages 726-732

Abstract: www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140673605671772/abstract

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