Neue Methode zur Ausbreitung von Bodentiere über Wasser

(10.10.2017) Senckenberg-Wissenschaftlerinnen haben eine neue Untersuchungs-Methode zur Verbreitung von winzigen Bodenorganismen über das Wasser entwickelt.

Anhand selbstgebauter „schwimmender Inseln“ können die Forscherinnen nachvollziehen, welche Bodentiere sich über Flüsse ausbreiten und ob sie sich an neuen Orten ansiedeln können.

Bisher war über diese Mechanismen sehr wenig bekannt. Bodentiere, wie Milben oder Springschwänze, sind wichtige „Ökosystemdienstleister“ und sorgen beispielsweise für die Zersetzung von organischem Material. Die Studie wurde kürzlich im Senckenberg-Fachjournal „Soil Organisms“ veröffentlicht.


Die neuen Schwimminseln aus dem Hause Senckenberg

Etwa 200.000 Milben und Springschwänze aus bis zu 100 Arten auf einem Quadratmeter Auen- oder Torfboden – mikroskopisch kleine Bodentiere sind ein wichtiger Bestandteil wassernaher Ökosysteme.

„Selbst in Gebieten, die immer wieder überflutet werden, finden wir zahlreiche Bodentiere“, erklärt Dr. Ricarda Lehmitz vom Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz und fügt hinzu: „Studien zeigen zudem, dass bodenlebende Milben mehrere Wochen in Salz- und Süßwasser überleben können.“

Demnach war es für die Görlitzer Bodenzoologin und ihre Volontärin Meike Schuppenhauer naheliegend auch über die Verbreitung von Bodentieren über das kühle Nass nachzudenken.

Bisherige Untersuchungen zur Ausbreitung von Bodentieren beschäftigten sich mit der Ausbreitung über die Luft oder “im Gepäck“ größerer Tiere – „das Element Wasser wurde hier bislang nicht berücksichtigt; vielleicht auch, weil eine praktikable Methode fehlte“, ergänzt Lehmitz und fährt fort: „Wir haben daher eine eigene, kostengünstige Methode – sogenannte ‚schwimmende Inseln’ gebaut, welche die Verbreitung über das Wasser nachvollziehbar machen.“

Die Kreativität der Wissenschaftlerinnen zahlt sich aus: die aus einfachen Alltagsmaterialien hergestellten „Inseln“ eignen sich laut der vorliegenden Ergebnissen ausgezeichnet.

An drei Teststellen im Biosphärenreservat „Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft“ wurden jeweils zehn „schwimmende Inseln“ in 20 bis 40 Zentimeter großen Abständen in dem kleinen Fließgewässer „Altes Flieߓ verteilt. „Ziel war es zu testen, ob sich mit unsere Methode herauszufinden lässt, ob die Bodentiere einen Transport über das Wasser überleben und ob sie sich in einem neuen Habitat wieder ansiedeln“, so Schuppenhauer.

Der Versuchsaufbau zeigte: Schon nach einem Monat besiedelten erste Bodentiere die ausgebrachten Schwimminseln, die nur über das Wasser zu erreichen waren.

Diese Erkenntnis könnte auch bei der Renaturierung von Mooren helfen.

Eine gängige Methode zur Reduktion der Nährstoffbelastung und Verbesserung der Wasserversorgung im Moor ist das Abtragen der obersten 20 bis 30 cm des Bodens.

Anschließend muss die freigelegte Bodenschicht von den wichtigen Bodentieren wieder neu besiedelt werden. Dieser Vorgang könnte beispielsweise. durch gezieltes Überspülen gefördert werden.

„Unser Experiment zeigt uns, einerseits dass die Ausbreitung der winzigen Tiere über das Wasser nicht unerheblich ist und andererseits, dass unsere Methode funktioniert. Wir sind uns sicher, dass die ‚Inseln’ in Zukunft häufig eingesetzt werden“, schließt Lehmitz.



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