Verwenden Geier Schminke?

(06.10.2005) Nicht nur Menschen verändern ihr Äußeres mit Hilfe von Farben. Wie Zoologen an der Universität Wien herausgefunden haben, gibt es zumindest zwei Vogelarten, die Ähnliches tun.

Dabei handelt es sich um Tiere, die man eher weniger mit Schönheit in Verbindung bringt: Geier.

Bartgeier und Schmutzgeier besitzen in Gehegehaltung beide ein überwiegend weißes Gefieder. Im Freiland jedoch finden sich immer wieder Exemplare dieser eng verwandten Arten, die eine völlig andere Gefiederfarbe aufweisen. Rötliche, gelbe und sogar aschblaue Tiere sind beschrieben. Lange ging man davon aus, dass sich diese Unterschiede zufällig ergeben hätten, z. B. durch Beschmutzung mit Blut oder Staub.

Schlammbad

Beim Bartgeier konnte man vor einigen Jahren nachweisen, dass diese Abweichungen im Gefieder willentlich herbeigeführt werden. Die Tiere wurden dabei beobachtet, wie sie Schlammbäder nahmen und dabei intensiv Bauch und Kehle in der Farbsuhle rieben, am liebsten in kräftigem Rot. Männchen und Weibchen badeten gleichermaßen häufig. Damit schien dieser Vogel allerdings der einzige Greifvogel zu sein.

Kleine bunte Geier

Eine Studie der Universität Wien hat nun ergeben, dass auch Europas kleinste Geierart, der Schmutzgeier, sich gerne färbt. Man bot den Vögeln rote, gelbe, grüne und blaue Farbbäder an. Die kleineren Schmutzgeier zeigten dabei ein völlig anderes Verhalten:
Sie konzentrierten sich bei der Färbung vorwiegend auf den Kopf, an dessen Seiten sich längere Federbüschel befinden, und tauchten diese vorsichtig ein. Danach verteilten sie die Farbe mit Schnabel und Fuß über das Gefieder. Eine besondere Lieblingsfarbe hatten sie dabei nicht. Wiederum badeten sowohl Männchen als auch Weibchen, wenn auch nicht so häufig wie die Bartgeier.

Attraktiv oder nützlich?

Über die Gründe für dieses Verhalten herrscht unter Zoologen eifriges Rätselraten: Wollen die Vögel gegenüber Artgenossen attraktiver wirken oder erfüllt das Farbbad einen anderen praktischen Zweck, etwa zur Parasitenabwehr? Ins Zentrum des Interesses ist dabei u. a. der 5 - 7 % Eisengehalt der Farbbäder gerückt. Dieser könnte die Immunabwehr stärken. Intensive Untersuchungen konnten bislang keine der Hypothesen zweifelsfrei bestätigen. Fest steht nur, dass sich beide Arten völlig ungestört fühlen müssen, um das Verhalten zu zeigen. Darin liegt auch der Grund, warum über die "schminkenden Geier" bisher so wenig bekannt ist.

Rückfragehinweis:

Mag. Christoph Unger
Universität Wien
Fakultät für Lebenswissenschaften
Tel: 0699 - 1189 3322
Email: christoph.unger@gmx.at

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