Neue Genbibliothek für Fliegen

(10.03.2009) Erfolgreiche Wiener Forschungssammlung startet in die zweite Runde

Am Campus Vienna Biocenter befindet sich eine weltweit einzigartige Fliegensammlung zu Forschungszwecken. Barry Dickson, Direktor des Wiener Forschungsinstituts für Molekulare Pathologie, hat diese Fliegenbibliothek mit rund zehn Mitarbeitern aufgebaut. Vor zwei Jahren war sie komplett, nun startet die zweite Auflage.

Fliegen der Art Drosophila Melanogaster werden seit hundert Jahren in der Genetik als Forschungsobjekte herangezogen. Von ihren etwa 14 000 Genen haben 70% eine Entsprechung beim Menschen. Erkenntnisse, die an den Fliegen gewonnen wurden, sind daher in gewissem Rahmen auf den Menschen übertragbar und helfen mit, Krankheitsmechanismen zu verstehen.

Die Wiener Fliegenbibliothek stellt eine einzigartige Forschungsressource dar. Mehr als 22 000 unterschiedliche Fliegenstämme werden am "Vienna Drosophila Research Center" (VDRC) gezüchtet, gepflegt und mittels eines ausgeklügelten Bestellsystems an Forscher in alle Welt verschickt.

Das Besondere an den Fliegen: sie sind genetisch so verändert, dass Gene nach Bedarf ausgeschaltet werden können, und zwar gezielt in bestimmten Körperteilen. Aus den Folgen dieser Defekte lassen sich Rückschlüsse auf die Funktion der Gene ziehen.

Der Erfolg des Versandangebots ist enorm. Mehr als 146 000 Fliegenstämme wurden in den vergangenen zwei Jahren von Wissenschaftlern per Internet in Wien geordert. Die große Nachfrage rechtfertigt das aufwändige Projekt, obwohl der Preis von zehn Dollar pro Fliegenstamm die Kosten nur knapp zur Hälfte decken kann.

Nun dürfen sich die über 1200 registrierten Benutzer der Wiener Fliegenbibliothek auf einen Qualitätssprung freuen. Am vergangenen Wochenende präsentierte die IMP-Wissenschaftlerin Krystyna Keleman auf einer Drosophila-Konferenz in Chicago die nächste Generation der Forschungssammlung.

Neu ist dabei die Technik, die zur genetischen Veränderung der Fliegen herangezogen wird. Während das künstlich eingeschleuste Gen mit der herkömmlichen Methode nach dem Zufallsprinzip an irgend einer Stelle des Fliegengenoms eingebaut wurde, kann es nun an einen definierten Ort dirigiert werden.

"Wir haben diesen Ort so gewählt, dass er quasi in einer 'genetischen Wüste' liegt. Hier befinden sich weit und breit keine wichtigen Gene, die durch den Einbau des fremden Stückchens DNA gestört werden könnten", erläutert Krystyna Keleman den Vorteil.

Für die Forscher bedeutet das konstante Qualität, weniger Wiederholungen ihrer Experimente und präzisere Ergebnisse. Die Betreiber der Fliegenbibliothek rechnen mit großem Zuspruch und hoffen, ähnlichen Ambitionen in den USA weiterhin einen Schritt voraus zu bleiben. Das ehrgeizige Projekt wird vom IMP, von Boehringer Ingelheim, der EU und der FFG gefördert.

Links

Vienna Drosophila RNAi Center
www.vdrc.at

Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie
www.imp.ac.at

 


weitere Meldungen

Exemplar einer von vielen bisher unbeschriebenen Nachtfalterarten aus Ecuador; Bildquelle: Gunnar Brehm/FSU

Mit dem „Genom-Scanner“ 135 neue Falterarten entdeckt

Insektenforscher der Universitäten Jena und Wien legen Gen-Datenbank für die Bestimmung von tropischen Nachtfaltern an - Publikation in „PLOS ONE“
Weiterlesen

Kurzmeldungen

Internationales 20170324

Neuerscheinungen

09.10.