Hartschalige Eier kamen relativ früh in der Dinosaurier vor

(15.03.2019) Die ältesten Dinosaurier-Eier hat nun ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Robert Reisz von der University of Toronto Mississauga und unter Beteiligung von Martin Sander von der Universität Bonn untersucht.

Sie sind rund 195 Millionen Jahre alt und stammen aus Argentinien, China und Südafrika. Die Eier und Eierschalen stammen allesamt von langhalsigen Sauropoden, die sich von Pflanzen ernährten und rund vier bis acht Meter groß waren.

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Die Saurier waren damals erstaunlich häufig und weit über die Erde verbreitet. Die Ergebnisse sind nun im Journal „Scientific Reports“ veröffentlicht.

Die Vorläufer von Reptilien und Säugetieren kommen im Fossilbericht erstmals vor 316 Millionen Jahren vor. „Wir wissen nichts über ihre Eier oder Eierschalen – bis vor 195 Millionen Jahren“, sagt Robert Reisz von der University of Toronto Mississauga (Kanada). „Es ist ein großes Rätsel, warum plötzlich zu diesem Zeitpunkt Eier auftauchen und nicht früher.“

Die Wissenschaftler werten die Evolution der Eier als einen sehr wichtigen Schritt in der Reproduktion der Dinosaurier.

Allerdings unterschieden sie sich deutlich von den Eiern heutiger Vögel. Die ersten Dinosauriereier – etwa so groß wie Gänseeier – waren zwar kugelförmig, ihre Schalen waren jedoch sehr zerbrechlich und dünn wie Papier.

„Wir wissen, dass diese frühen Eier spröde waren“, berichtet Korrespondenzautor Koen Stein von der Freien Universität Brüssel (Belgien). „Während der Fossilisation bekamen sie Risse und brachen, aber die Bruchstücke behielten ihre originale Krümmung.“

Warum harte Schalen?

Das Forscherteam, darunter Koen Stein, Edina Prondvai und Jean-Marc Baele untersuchten die Dicke der Eierschalen, das den Schalen innen anhaftende Häutchen sowie den Mineralgehalt und die Porenverteilung der Schalen.

Die Wissenschaftler suchten nach Hinweisen, warum diese frühen Eier harte Schalen entwickelt hatten, während Reptilien und Säugetiere ihre Nachkommen ohne Schalen zur Welt brachten. Was war in der Evolution passiert, das die Ausbildung harter Eierschalen begünstigte?

Die Studienergebnisse zeigen, dass hartschalige Eier relativ früh in der Evolution der Dinosaurier vorkamen und unabhängig davon in verschiedenen Gruppen die Dicke der Eierschalen zunahm.

Ein möglicher Grund für diese Entwicklung könnte in den Augen der Wissenschaftler sein, dass Schalen den Embryo vor Fressfeinden schützten, ebenso vor anderen Tieren, die lediglich in den Nestern wühlten.

Der Paläontologe Martin Sander von der Universität Bonn zieht noch eine weitere Möglichkeit in Betracht: „Die Mineralisierung der Eierschalen könnte auch dadurch begünstigt worden sein, weil zu dieser Zeit der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre begann, deutlich anzusteigen.“

Von heutigen Reptilien ist bekannt, dass zu wenig Sauerstoff die Schalenbildung behindert.

Die Ergebnisse der Studie werfen weitere Fragen auf. „Warum handelt es sich bei diesen Dinosauriern um die ersten, die durch Schalen geschützte Nachkommen im Fossilbericht hinterlassen haben?“, fragt Robert Reisz.

Darüber hinaus würden die Forscher gerne verstehen, warum die Dinosaurier nicht genauso wie andere Tiergruppen lebend gebärten. Schließlich stellen gerade die Säugetiere unter Beweis, dass dies eine Strategie ist, die zu vielen Nachkommen führt.


Weitere Meldungen

In der Studie verwendete Fossilien, wie sie in Marokko gefunden wurden.; Bildquelle: Christian Klug / UZH

Ausgestorbener Panzerfisch Titanichthys filterte Nahrung aus dem Wasser

Er lebte vor 380 Millionen Jahren in den Meeren des späten Devons und war bis zu sieben Meter lang: Der Panzerfisch Titanichthys
Weiterlesen

Höhlenbär-Fossilien in einer der untersuchten Höhlen in Rumänien.; Bildquelle: Iona Meleg

Höhlenbären waren Vegetarier

Wissenschaftler vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen haben mit einem internationalen Team den Nachweis für eine rein vegetarische Ernährung der ausgestorbenen Höhlenbären in Europa erbracht
Weiterlesen

Museum für Naturkunde Berlin

Zahnabrieb bei einem fossilen Reptil: Rechts vor Links schon in der Urzeit

Ein internationales Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Mark MacDougall vom Museum für Naturkunde Berlin und Robert Reisz von der University of Toronto untersuchte den Zahnabrieb bei einem fossilen Reptil
Weiterlesen

Dr. Rainer Schoch mit dem Fossil des ältesten Urzeit-Salamanders der Welt Triassurus; Bildquelle: SMNS, T. Wilhelm

Ältester Urzeit-Salamander der Welt entdeckt

Der Ursprung der heutigen Amphibien - Frösche, Salamander und Blindwühlen - ist noch immer weitgehend rätselhaft
Weiterlesen

Knochen des 11,5 Millionen Jahre alten Schlangenhalsvogels aus der Hammerschmiede. Zum Größenvergleich rechts außen der Oberarmknochen eines heutigen Amerikanischen Schlangenhalsvogels ; Bildquelle: Gerald Mayr, Senckenberg

Tropischer Schlangenhalsvogel lebte im Allgäu

Paläontologen bergen 11,5 Millionen Jahre alte Fossilien in der Menschenaffen-Fundstelle Hammerschmiede
Weiterlesen

Museum für Naturkunde Berlin

Konnten die ältesten Meeresreptilien ihren Schwanz abwerfen?

Ein internationales Team von Forschenden unter Leitung von Mark MacDougall vom Museum für Naturkunde Berlin, untersuchte die Schwanzanatomie von fossilen Mesosauriern, den ältesten bekannten Meeresreptilien
Weiterlesen

Säugetier mit modernem Gehör, aber primitiven Zähne; Bildquelle: Scott Hartman

Säugetier mit modernem Gehör, aber primitiven Zähne

Ein internationales Forscherteam hat in der Zeitschrift „Nature“ ein Fossil aus Madagaskar beschrieben, das in Wissenschaftskreisen als Sensationsfund gilt
Weiterlesen

Ein Schnitt durch den Haiwirbel zeigt Wachstumsringe, ähnlich denen in Baumstämmen.; Bildquelle: Patrick L. Jambura

Riesiger Teenagerhai aus der Urzeit

Fossile Wirbel geben Einsichten zum Wuchs und Aussterben einer mysteriösen Haigruppe: Wissenschaftler der Universität Wien konnten Teile einer Wirbelsäule, die 1996 an der Nordküste Spaniens gefunden wurde, der ausgestorbenen Gruppe der ptychodonten Haie zuordnen
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen