Die Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille 2021 geht an den Verhaltens- und Evolutionsbiologen Jürgen Heinze

(14.07.2021) Der Wissenschaftspreis der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (DZG) wird in diesem Jahr zum 20. Mal verliehen. Die Karl-Ritter-von-Frisch Medaille geht in 2021 an den Zoologen, Verhaltens- und Evolutionsforscher Prof. Dr. Jürgen Heinze aus Regensburg.

Die Auszeichnung gilt als bedeutendster Wissenschaftspreis der Zoologie im deutschsprachigen Raum und würdigt hervorragende, insbesondere solche Werke, die eine Integration der Erkenntnisse mehrerer biologischer Einzeldisziplinen darstellen. Die Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille ist mit 10 000 € dotiert.


Die Karl-Ritter-von-Frisch Medaille geht in 2021 an Prof. Dr. Jürgen Heinze aus Regensburg. Das Bild zeigt ihn bei der Suche nach Cardiocondyla Ameisen im Comoé National Park, Côte d'Ivoire

Jürgen Heinze erhält den Preis für seine umfassenden wissenschaftlichen Arbeiten, die unser Verständnis des Verhaltens und der Evolution sozialer Insekten erweitert haben und in Anerkennung seines Einsatzes für die zoologische Forschung im Allgemeinen. Er ist ein weltweit anerkannter Experte für Sozialverhalten, Altern und Reproduktion bei sozialen Insekten.

Die Evolution von Gruppenstrukturen, alternativen Fortpflanzungstaktiken und Lebensweisen steht dabei im Fokus seiner Studien. Untersuchungen dazu, wie Ameisen Staaten bilden, wie sie sich organisieren und Konflikte lösen, geben faszinierende Einblicke in Manipulation und Überwachung in komplexen Netzwerken.

Tarnungstricks, um Konkurrenten auszuschalten und sogar Heiratsvermittlung sind im Verhaltensrepertoire. Besonders interessant ist, dass bei Ameisen, wie auch bei anderen sozialen Insekten, ein positiver Zusammenhang zwischen Lebensdauer und Fortpflanzungserfolg besteht, im Gegensatz zu den meisten anderen Tierarten.

Die herausragende Forschungspersönlichkeit von Jürgen Heinze spiegelt sich in einer Vielzahl an Berufungen und Auszeichnungen wider. Bereits 2004 wurde er in die nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina aufgenommen, seit 2008 ist er Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Er ist Mitglied im Expertengremium für die Exzellenzstrategie, beriet die DFG u.a. im Senat und als Fachkollegiat und ist seit einigen Jahren Mitglied des Wissenschaftsrates, dem wichtigsten wissenschaftspolitischen Beratungsgremium in Deutschland. Im internationalen Rahmen engagiert er sich als Mitglied des erweiterten Präsidiums der International Society of Zoological Sciences. Hervorzuheben ist sein Engagement für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Er ist Mitherausgeber der Zeitschriften Frontiers in Zoology und Behavioral Ecology and Sociobiology. Darüber hinaus ist er selbst Autor einer großen Zahl vielzitierter Originalartikel und Mitherausgeber mehrerer Bücher.

Jürgen Heinze hat Biologie an der TH Darmstadt studiert und 1988 seine Dissertation über Königinnenpolymorphismus bei nordamerikanischen Ameisen bei Prof. A. Buschinger erstellt. Anschließend arbeitete er bis Juni 1989 als PostDoc an der Harvard Universität (USA) bei Prof. E.O. Wilson an Freilandstudien zur Systematik, Populationsbiologie und Ökologie nordamerikanischer Leptothorax-Ameisenarten in Quebec, New England, Alberta und British Columbia.

Er setzte seine Studien am Theodor-Boveri-Institut der Universität Würzburg von 1989 bis 1995 am Lehrstuhl für Verhaltensphysiologie und Soziobiologie bei Prof. Dr. B. Hölldobler als wissenschaftlicher Assistent fort. Sein Fokus lag in dieser Zeit auf Populationsbiologie, Soziogenetik und reproduktiven Konflikten in Ameisenstaaten.

1994 folgte die Habilitation für das Fach Zoologie an der Universität Würzburg zum Thema “Kooperation und Konflikt im Ameisenstaat”. Von 1995 – 1996 wurden seine Arbeiten durch ein Heisenbergstipendium der DFG gefördert. Ein Ruf an das Zoologische Institut I der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg folgte unmittelbar im Anschluss.

Dort forschte und lehrte er von 1996 bis 2000. Seit 2000 ist er Lehrstuhlinhaber für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Regensburg. Seine Forschung führte ihn mittlerweile in die verschiedensten Teile Asiens, Afrikas und Amerikas sowie nach Australien.


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