Präparation des Urpferdchens abgeschlossen

(10.11.2017) Seit Mitte der 60er Jahre bis heute führt das Hessische Landesmuseum Darmstadt planmäßig wissenschaftliche Grabungen in der Grube Messel durch. Die Grube steht seit 1995 als „Naturerbe der Menschheit“ unter dem Schutz der UNESCO.


Messeler Urpferd (Eurohippus messelensis), Fund aus dem Jahr 2016
Spektakulär sind vor allem die Wirbeltierfunde. Eines der prominentesten Beispiele sind sicherlich die Urpferdchen (Eurohippus messelensis, Propalaeotherium hassiacum). Im letzten und vorletzten Jahr wurden gleich zwei komplette „Urpferde“, nach nahezu 30 Jahren Messel-Grabungen des Hessischen Landesmuseums gefunden.

In den etwa 47 Millionen Jahren alten Ablagerungen sind große Teile des ehemaligen Seeökosystems und seiner Umgebung in vorzüglicher Erhaltung überliefert. Spektakulär sind vor allem die Wirbeltierfunde.

Eines der prominentesten Beispiele sind sicherlich die Urpferdchen (Eurohippus messelensis, Propalaeotherium hassiacum), von denen bislang über 70 ausgegraben werden konnten. Darunter befinden sich mehr als 30 vollständige Skelette und sogar Fohlen und schwangere Stuten. Das ist einzigartig auf der Welt.

Dies mag den Eindruck vermitteln, dass derartige Funde häufig und daher nichts Besonderes sind. Doch das bei den Grabungen im letzten und vorletzten Jahr gleich zwei komplette „Urpferde“, nach nahezu 30 Jahren Messel-Grabungen des Hessischen Landesmuseums zu Tage kamen, ist spektakulär, zumal der Fund aus dem Jahr 2015 einer Propalaeotherium-Art angehört, die bislang aus Messel noch nie mit kompletten Exemplaren belegt war.

Bei dem Fund aus der Grabungskampagne 2016 handelt es sich um ein Exemplar von Eurohippus messelensis, der bekannteren der beiden Messeler Urpferd-Arten. Das Tier hat eine Kopf-Schwanzlänge von ca. 50 cm und stammt aus Planquadrat HI 8 aus Schichten 139 cm unter dem Leithorizont Alpha, einer Fundstelle, die seit 2013 nur vereinzelt Kleinfunde geliefert hat (kaum 1-2 Fische/Tag), so dass sich die Grabungsaktivitäten im Wesentlichen auf den ergiebigeren sogenannten Schildkrötenhügel verlagert wurden (Urpferd-Fund aus dem Jahr 2015).

Der Beharrlichkeit von Dr. Norbert Micklich (ehemaliger Leiter der Grabungen in der Grube Messel) ist es zu verdanken, dass am 1. September 2016 das Urpferdchen geborgen werden konnte.

Unter Mithilfe des gesamten Grabungsteams, bestehend aus Mario Drobek und Dr. Sabine Gwosdek, konnte das Fossil in fünf Einzelteilen geborgen werden, die dann in aufwändigen Präparationsarbeiten von Mascha Siemund unter zeitweiliger Hilfe von Eric Milsom wieder zu einem kompletten Fundstück zusammengesetzt wurden.

Nach einem Jahr intensiver Präparationsarbeiten wird das neue Urpferd ab sofort den Besuchern des Landesmuseums in der Ständigen Sammlung präsentiert.


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