Forscher haben zum ersten Mal Angst bei einem wirbellosen Tier beobachtet

(22.06.2014) Forscher des CNRS und der Universität Bordeaux haben bei einem Flusskrebs ängstliches Verhalten ausgelöst und beobachtet. Die Ergebnisse zeigten, dass die mit der Angst verbundenen neuronalen Mechanismen die Evolution überdauert haben.

Die Analyse dieses Verhaltens an einem einfachen Tiermodell eröffnet neue Perspektiven für die Untersuchung der neuronalen Grundlagen dieser Emotion.

Bislang wurde die nicht-pathologische Angst nur beim Menschen und einigen Wirbeltieren untersucht, jedoch nie bei einem wirbellosen Tier.

Zu diesem Zweck setzten die Forscher des Instituts für kognitive und integrative Neurowissenschaften von Aquitanien (CNRS/Universität Bordeaux) und des Instituts für neurodegenerative Erkrankungen (CNRS/Universität Bordeaux) die Flusskrebse über 30 Minuten immer wieder einem elektrischen Feld aus.

Anschließend setzten sie die Flusskrebse in ein Wasserlabyrinth in Form eines Kreuzes (zwei Arme waren beleuchtet, die beiden anderen dunkel) und analysierten dann das Erkundungsverhalten. Normalerweise meiden Flusskrebse Helligkeit und bewegen sich tendenziell eher im Dunklen.

Die in Angst versetzten Tiere hielten sich vorwiegend im dunklen Teil des Labyrinths auf, während die Kontrolltiere das gesamte Labyrinth erkundeten. Dieses Verhalten ist eine adaptive Reaktion auf den erlebten Stress: Das Tier versucht, das Risiko einer Begegnung mit einem Angreifer zu minimieren.

Der Angstzustand der Flusskrebse geht mit einer Erhöhung der Serotonin-Konzentration im Gehirn einher. Dieser Neurotransmitter ist an zahlreichen physiologischen Regulationsprozessen beteiligt und wird u. a. auch in Stresssituationen freigesetzt.

Er reguliert beispielsweise den Anstieg des Glukosespiegels im Blut. Die Forscher konnten ebenfalls nachweisen, dass durch die Verabreichung eines beim Menschen häufig angewandten Anxiolytikums (Benzodiazepin) das Vermeidungsverhalten der Flusskrebse behoben wurde.

Diese Ergebnisse machen Flusskrebse für Stress- und Angstforscher zu einem einzigartigen Tiermodell. Dank des einfachen Nervensystems eignen sich diese Tiere sehr gut zur Erforschung der neuronalen Mechanismen, die in Stresssituationen ausgelöst werden und zur Untersuchung der Rolle der Neurotransmitter wie Serotonin und GABA.

In einem nächsten Schritt will das Forscherteam den Angstzustand der Flusskrebse bei sozialem Stress untersuchen und die neuronalen Veränderungen analysieren, die auftreten, wenn sich die Angst über mehrere Tage erstreckt.



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