Werkzeuggebrauchende Papageien und Krähen spielen ähnlich mit Objekten wie Kleinkinder

(15.12.2014) Die Art, wie Spielzeuge gehandhabt und miteinander kombiniert werden, sagt einiges über die kognitiven Eigenschaften des Spielers aus. Spielkombinationen – wie zum Beispiel ein Spielzeug auf ein anderes zu türmen – sind Vorstufen technisch komplexer Verhaltensweisen, wie sie auch beim Werkzeuggebrauch vorkommen.

Ein internationales ForscherInnenteam um Alice Auersperg vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien gab Papageien- und Krähenarten "Spielsachen" und fand heraus, dass die Vögel bereitwillig Objekte in komplexe räumliche Zusammenhänge brachten: Verhaltensweisen, die nur bei wenigen Arten von Primaten vorkommen.


Alice Auersperg und Auguste von Bayern mit Goffini-Kakadus & junger Neukaledonischer Krähe

Wenn Tiere mit nichtessbaren Objekten spielen, kann dies ein Vorläufer für funktionales Verhalten sowie Werkzeuggebrauch und andere zielgerichtete Objektmanipulation sein. Daher erwarten sich WissenschafterInnen von Tieren mit hoher technischer Intelligenz, dass diese auch dann intensiv mit unbelebten Objekten spielen, wenn kein unmittelbares Ziel verfolgt wird.

Bei Tieren, aber auch bei Kindern, sind kombinierende Objekthandlungen daher besonders informativ: Kinder beginnen im Alter von etwa acht Monaten, zwei Objekte zusammenzuschlagen; mit zehn Monaten kombinieren sie Objekte mit anderen Elementen ihrer Umgebung und stecken beispielsweise Objekte in Öffnungen oder Ringe auf einen Pol.


Neukaledonische Krähe hält ein Stöckchen

Erst nach dem zweiten Lebensjahr fangen sie an, Gegenstände als Werkzeuge zu benutzen, um an ein begehrtes Ziel zu kommen. Bei Tieren wurde dies bisher hauptsächlich an Primaten getestet. Dort sind spielerische Objektkombinationen und in der Folge innovativer Werkzeuggebrauch größtenteils auf Kapuzineraffen und große Menschenaffen beschränkt.

Interessanterweise haben innerhalb der Gruppe der Vögel Papageien sowie Krähenvögel ähnliche Gehirngrößen in Relation zur Körpermasse und erbringen auch ähnliche Leistungen bei vielen kognitiven Aufgaben.

Um das Spielverhalten von Papageien und Rabenvögeln zu untersuchen, gaben  WissenschafterInnen von der Universität Wien und der Veterinärmedizinischen Universität Wien sowie den Universitäten Oxford, St. Mary in London und vom Max Planck Institut in Seewiesen, Deutschland, sozialen Gruppen von insgesamt neun Papageienarten und drei Krähenarten dasselbe Set an Spielsachen sowie einen eigenen Spielplatz.

Dabei wurde hölzernes Kleinkindspielzeug in verschiedenen Formen und Farben eingesetzt, auf einem "Spielplatz" mit mehreren Rohren und Löchern zum Hineinstopfen sowie Pole zum Ringe-Aufstecken.


Ein ballförmiges Spielzeug wird in ein ringförmiges Spielzeug gesteckt. Links: Neukaledonische Krähe; rechts: Goffini-Kakadu

Obgleich die meisten Tiere innerhalb der jeweiligen Arten mit den Spielsachen interagierten, waren komplexe Objekt-Objekt-Kombinationen auf eine Teilgruppe beschränkt. Die Häufigkeit des Kombinierens von zwei freien Objekten war bei Neukaledonischen Krähen und bei Goffini-Kakadus sowie schwarzen Palmkakadus und Keas am häufigsten.

"Neukaledonische Krähen sind angeborene Werkzeugverwender und die einzige Krähenart, die in der Wildnis regelmäßig verschiedene Arten von Werkzeugen benutzt und herstellt", sagt Studienleiterin Alice Auersperg von der Universität Wien: "Schwarze Palmkakadus können auch als geborene Werkzeugverwender gesehen  werden, da die Männchen Holzstücke als Trommelstöcke verwenden, mit denen sie potentielle Bruthöhlen anzeigen oder Konkurrenten vertreiben.

Bei Goffini-Kakadus und bei Keas wiederum ist Werkzeuggebrauch zwar nicht angeboren, aber beide Arten haben wiederholt eine Kapazität für innovativen und flexiblen Werkzeuggebrauch in kognitiven Experimenten gezeigt und schneiden gut in technischen Tests ab, die aufwendige Objektmanipulationen benötigen".

Diese Ergebnisse zeigen Parallelen zu ähnlichen Studien bei Primaten. "Das legt nahe, dass einige kognitive Eigenschaften in großhirnigen Vögeln und Primaten konvergent entstanden sein können", so Auguste von Bayern von der Universität Oxford.

Kognitionsbiologe Thomas Bugnyar von der Universität Wien fügt hinzu: "Unsere Studie unterstützt die Ansicht, dass Spezies, die im Spiel bereitwillig Objekte in komplexe räumliche Zusammenhänge bringen, auch eher flexible und innovative Lösungen für neue technische Herausforderungen bringen".

Mehr Information: http://cogbio.univie.ac.at/labs/goffin-lab/



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