Ackerlandvögel in den Großstädte des Globalen Südens

(25.08.2021) Forschungsteam unter Leitung der Universität Göttingen untersucht Ackerlandvögel in indischer „Megacity“ Bangalore

Die sich ausbreitenden Großstädte und ihre negativen Folgen für die Artenvielfalt sind in Ländern der gemäßigten Zonen wie Deutschland umfassend untersucht worden. In tropischen Regionen des Globalen Südens, wo sich die meisten Urbanisierungs-Hotspots befinden, wurde dazu jedoch weniger geforscht.


Viele Vögel, wie dieser indische Paradiesschnäpper (Terpsiphone paradisi), der sich von Insekten ernährt, würden in einer städtischen Umgebung nicht gedeihen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Göttingen und der Universität Hohenheim haben gemeinsam mit der University of Agricultural Sciences of Bangalore untersucht, wie sich die wachsende „Megacity“ Bangalore, eine Stadt mit über zehn Millionen Einwohnern in Südindien, auf die Vogelgemeinschaften des Ackerlandes rund um die Stadt auswirkt.

Demnach werden die Vogelgemeinschaften vereinheitlicht und Arten mit bestimmten funktionalen Merkmalen – zum Beispiel insektenfressende Vögel, die für die Schädlingsbekämpfung wichtig sind – sterben aus.

Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Global Change Biology erschienen.

Über ein Jahr wurden regelmäßig Vögel rund um Bangalore und erfasst und insgesamt 126 Vogelarten aufgenommen. Zudem analysierte das Team Satellitenbilder, um eine Karte der verschiedenen Landnutzungen zu erstellen.

Die Forscherinnen und Forscher errechneten unter anderem den Anteil versiegelter Flächen und Gebäude in der Landschaft, um die Intensität der Urbanisierung zu bestimmen. Es zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen Veränderungen der Landnutzung und der Zusammensetzung von Vogelgemeinschaften.

„Wir fanden heraus, dass städtische Vogelgemeinschaften verarmte Untergruppen ländlicher Gemeinschaften sind, sowohl in Bezug auf die Artenzusammensetzung als auch auf die ökologischen Funktionen, die sie erfüllen“, sagt Erstautor Gabriel Marcacci, Doktorand in der Arbeitsgruppe Funktionelle Agrobiodiversität an der Universität Göttingen.

„Vögel erfüllen wichtige Funktionen in der Umwelt, zum Beispiel die Bekämpfung von Schädlingen – sie fressen Insekten, sammeln Aas auf und entfernen es. Zudem fressen sie Früchte und verbreiten deren Samen. Aber nur Vogelarten, die gut an urbane Umgebungen angepasst sind, wie Tauben oder Krähen, können gedeihen.“

„Durch die verarmten Vogelgemeinschaften können wichtige Ökosystemfunktionen und -dienstleistungen in städtischen Agrarökosystemen gestört und beeinträchtigt werden“, erklärt Prof. Dr. Catrin Westphal, Leiterin der Gruppe Funktionelle Agrobiodiversität, „zum Beispiel fehlt die Beseitigung von Schädlingen durch insektenfressende Vögel“.

„Die Urbanisierung führt zu einer ernsthaften Bedrohung der biologischen Gemeinschaften und Ökosystemfunktionen, welche sich auch auf die Systeme der Nahrungsmittelproduktion auswirken kann“, ergänzt Prof. Dr. Ingo Graß, Leiter des Fachgebiets Ökologie tropischer Agrarsysteme an der Universität Hohenheim.

„Diese Sorge ist besonders relevant für Länder des Globalen Südens, in denen urbane Landwirtschaft und Ökosystemdienstleistungen eine immer wichtigere Rolle für die Ernährungssicherheit spielen.“

Publikation

Marcacci, G, et al
Taxonomic and functional homogenization of farmland birds along an urbanization gradient in a tropical megacity” 2021
Global Change Biology


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