Bestandszählung seltener Wiesenvogelarten Oberösterreichs

(10.08.2016) Die Vogelschutzorganisation BirdLife veröffentlicht die Ergebnisse der diesjährigen Bestandszählung seltener Wiesenvogelarten Oberösterreichs

Seit 1992 zählen BirdLife Mitarbeiter die Bestände der in Wiesen und Feldern brütenden Vogelarten. Durch die flächendeckende Intensivierung der Landwirtschaft befinden sich fast alle Feld- und Wiesenvögel im Sinkflug, da ihre Gelege häufig durch die Bewirtschaftung zerstört werden.


Braunkehlchen

Einige dieser vom Aussterben bedrohten Arten kommen daher fast ausschließlich in Schutzgebieten vor, wie etwa der Große Brachvogel. Kiebitz und Heidelerche hingegen zeigen regional stark unterschiedliche Bestandstrends, während allerletzte Restbestände von Braunkehlchen und Wiesenpieper nur mit raschen Hilfsprogrammen zu retten sein werden.

Diese Erhebung wird von der Abteilung Naturschutz des Landes Oberösterreich sowie der Europäischen Union gefördert.

Das attraktiv gefärbte Braunkehlchen, ein ehemaliger Charaktervogel heimischer Wiesenlandschaften, erleidet die letzten Jahre dramatische Bestandseinbußen. Während in den 1970er Jahren noch über 1000 Paare im Land lebten, waren es 2016 nur mehr 35.

„Wenn den letzten Vorkommen der Braunkehlchen in den Gemeinden Sandl, Liebenau, Bad Leonfelden und Klaffer nicht umgehend zumindest doppelt so viele spät gemähte Wiesen oder Wiesenbrachen wie derzeit zur Verfügung gestellt werden, ist in den nächsten Jahren mit dem völligen Aussterben dieses ehemals weit verbreiteten Wiesenvogels zu rechnen“, so BirdLife-Projektkoordinator Hans Uhl.

Die Vogelschutzorganisation fordert daher vom Land Oberösterreich und der Landwirtschaftskammer rasche und wirksame Hilfsmaßnahmen, die nur mit besserer Unterstützung der beteiligten landwirtschaftlichen Betriebe für zusätzliche Naturschutzleistungen zu erreichen sind.

Kiebitz und Heidelerche – Bestandsrückgänge in Ackergebieten stoppen Detaillierte Untersuchungen des Brutgeschehens von Kiebitz und Heidelerche führen klar vor Augen, dass nur naturnäheres Bewirtschaften ihrer Brutplätze in Äckern weitere Bestandseinbußen verhindern kann.

Nur dort, wo diese Bodenbrüter im Frühjahr ausreichend viele Jungvögel großziehen können, gehen ihre Bestände nicht zurück.

BirdLife Österreich entwickelt derzeit gemeinsam mit den Naturparken Obst-Hügel-Land (für den Kiebitz) und Mühlviertel (für die Heidelerche) neue Schutzmaßnahmen für diese Vogelarten. Unverzichtbar dabei ist auch hier das Verständnis und Entgegenkommen jener Landwirte, die die Brutplätze dieser gefährdeten Vogelarten bewirtschaften.

Positivbeispiel: Großer Brachvogel hält Bestandshoch in Schutzgebieten

Mit insgesamt bis zu 46 Brutpaaren konnte der Große Brachvogel sein historisches Bestandshoch aus dem Jahr 2012 halten. Dennoch verringerte die nasskalte Witterung im Frühjahr den Bruterfolg stark, da viele Erstgelege im April aufgegeben wurden.

Die herausragende Bedeutung des neuen und lange umstrittenen Europaschutzgebietes „Flugplatz Welser Heide“ für diese bedrohte Vogelart unterstreichen auch die Ergebnisse 2016: Mit sieben flüggen Jungvögeln kam es im großen Magerwiesenareal in Wels zum weitaus besten Bruterfolg Oberösterreichs, während z. B. alle acht Bruten auf dem Flughaufen Linz-Hörsching verloren gingen.

BirdLife sieht darin auch eine neuerliche, fachliche Bestätigung der Schutzgebietsausweisung in Wels durch das Land Oberösterreich bzw. LH-Stv. Dr. Manfred Haimbuchner.

„Durch gezielte Schutzmaßnahmen und permanente Evaluierung der Bestände tun wir unser Möglichstes, um die hohe Diversität an Flora und Fauna in Oberösterreich zu erhalten. Wichtig ist es dabei zu verstehen, dass Natur- und Artenschutz einander bedingen und dass es einen ganzheitlichen Ansatz braucht, um ein funktionierendes Ökosystem zu erhalten.

Die derzeit eingeleiteten Umsetzungsmaßnahmen dienen dem Schutz dieser gefährdeten Vogelarten. Sie zielen insbesondere auf die Erhaltung und Schaffung von Brutplätzen ab.
Durch gezielte Maßnahmen werden so natürliche Brutplätze für Bodenbrüter gesichert und Nisthilfen für Höhlenbrüter geschaffen.

Auch durch die Wiederherstellung von speziellen Wiesen soll die Artenvielfalt entsprechend gefördert werden und dazu beitragen, dass die Vögel ausreichend Lebensraum und Nahrung vorfinden.“, so Haimbuchner.



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