Forschungspreis „Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch“ Marcel Leist

(01.12.2010) Prof. Dr. Marcel Leist von der der Universität Konstanz wurde der Forschungspreis „Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch“ 2010 zugesprochen.

Prof. Dr. Marcel Leist ; Bildquelle: Universität Konstanz
Prof. Dr. Marcel Leist
Der Inhaber der Professur für In-vitro-Toxikologie und Biomedizin und Direktor des Zentrums für Alternativmethoden zum Tierversuchersatz in Europa (CAAT-EU) an der Universität Konstanz erhielt die Auszeichnung für ein auf menschlichen Zellen beruhendes Modell, das Tierversuche und Organentnahmen in der biomedizinischen Forschung reduzieren, ergänzen und ersetzen kann.

Den mit 25.000 Euro dotierten Forschungspreis, der in Stuttgart von Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch verliehen wurde, teilt er sich mit Dr. Elisabeth Schültke vom Universitätsklinikum Freiburg.

Mehr als 50 Prozent aller Tierversuche werden in der biomedizinischen Forschung durchgeführt, und da wiederum nehmen die neurodegenerativen Krankheiten großen Raum ein.

Die Arbeit von Marcel Leist überträgt ein sehr häufig im Tierversuch verwendetes Modell der Parkinsonschen Krankheit, also solch einer neurodegenerativen Krankheit, auf menschliche Nervenzellen und demonstriert deren breite Einsetzbarkeit.

Leist konnte zeigen, dass mit seiner Methode nicht nur die selben Ergebnisse wie im Tiermodell erhalten wurden, sondern auch Untersuchungen zu Degenerationsmechanismen der Parkinsonschen Krankheit durchgeführt werden konnten, die im Tier nicht möglich sind.

Das Ziel seiner diesbezüglichen Forschung ist die Einführung eines In-vitro-Systems der Neurodegeneration, also die direkte Untersuchung von Krankheits- und Vergiftungsmechanismen im Reagenzglas, unter Benutzung menschlicher Zellen an Stelle von Ratten. Die nun ausgezeichnete Methode wurde in viele Labors verbreitet und ersetzt bereits in der Industrie Tierversuche.

Marcel Leist wurde an der Universität Konstanz promoviert und habilitierte sich auch dort. Schwerpunkt seiner Forschung ist die Entwicklung menschlicher zellulärer Testsysteme zur Vermeidung von Tierversuchen.

Bevor er im Jahr 2006 den Ruf an die Universität Konstanz annahm, war Leist leitender Mitarbeiter einer dänischen Pharmafirma. Dort koordinierte er Forschungsprojekte im Bereich Alzheimer, Parkinson und Multiple Sklerose.

www.uni-konstanz.de

Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

In Nistkästen geht es den jungen Turmfalken prächtig; Bildquelle: Folkert Christoffers

Mehr Turmfalken-Jungvögel dank Nistkästen

Der Turmfalke wird in der Landwirtschaft als Mäusejäger geschätzt. Seit den Sechzigerjahren wurde er in den Niederungen der Schweiz allerdings zunehmend seltener
Weiterlesen

Historische Austernschalen aus den Sammlungen von Karl August Möbius, Zoologisches Museum Kiel; Bildquelle: Jutta Drabek-Hasselmann, Zoologisches Museum, Uni Kiel

Austernsterben: Amerikanische Pantoffelschnecke ist unschuldig

Zoologisches Museum Kiel an der Rekonstruktion des Aussterbens der Europäischen Auster federführend beteiligt
Weiterlesen

Rund 60 internationale Experten trafen sich in Würzburg, um über den aktuellen Stand bei der Entwicklung von zuverlässigen zellbasierten Alternativen zu Tierversuchen zu beraten.; Bildquelle: M.-L. Righi, Fraunhofer ISC

Neue Wege zur Vermeidung von Tierversuchen – Human 3D Tissue Models Conference in Würzburg

Rund 60 internationale Experten trafen sich am 7. November im Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg
Weiterlesen

IfADo-Doktorandin Wiebke Albrecht im Labor.; Bildquelle: Mühle/IfADo

Tierschutzforschungspreis 2019 für IfADo-Forschende

Wiebke Albrecht vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) erhält den Tierschutzforschungspreis 2019 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
Weiterlesen

Dr. Sabine Bischoff leitet die Stabstelle Tierschutz des Universitätsklinikums Jena, deren Projekt CIRS-LAS mit dem Thüringer Tierschutzpreis ausgezeichnet wird.; Bildquelle: Michael Szabó/UKJ

Fehlertransparenz für mehr Tierwohl

Die Fehlerdatenbank für Tierversuche der Stabstelle Tierschutz am Universitätsklinikum Jena erhält den Thüringer Tierschutz-Preis
Weiterlesen

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Tierexperimentelle Forschung: Zwischen Tierschutz und wissenschaftlicher Qualität

In der tierexperimentellen Forschung gilt es, höchste wissenschaftliche Qualität und hohe Tierschutzstandards gleichermaßen sicherzustellen, wobei es in der Praxis zu Wechselwirkungen und Spannungen kommen kann
Weiterlesen

Leberzellen in der Kulturschale: In Grün der Zellkörper der Leberzelle, in Blau die Zellkerne, in Rot das Gallenkanälchen, in welches die Leberzelle Gallensalze und Fremdstoffe ausschüttet.; Bildquelle: IfADo

Tierversuche: Die Alternative aus der Kulturschale

Bis ein Medikament auf den Markt kommt, vergehen Jahre, werden hohe Millionenbeträge ausgegeben und finden viele Tierversuche statt. Fehlschläge während der Entwicklung sind keine Seltenheit
Weiterlesen

Universitäten

International

Neuerscheinungen