Libelleninventur in Afrika

(28.05.2012) Wissenschaftler des Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz haben erstmals alle 702 bekannten afrikanischen Libellenarten räumlich erfasst. Ziel der Arbeit ist die Abschätzung zur Gefährdung der Insekten und die Entwicklung von Schutzkonzepten.

Die Studie ist kürzlich im Fachjournal „Frontiers in Ecology and the Environment“ erschienen.

„Jenes Tier ist sehr klein, hat die Form eines ‚T‘ oder einer Wasserwaage, besitzt aber auf jeder Seite drei Beine. Der Schwanz endet in drei grünen Spitzen, mit deren Hilfe das Tier schwimmt“, schrieb 1558 der französische Naturforscher Guillaume Rondelet.


Der Violette Sonnenzeiger (Trithemis annulata) macht es sich auf dem Hinterteil einer "TIgerschwanz-Libelle" (Ictinogomphus ferox) gemütlich. Beide sind typisch für Afrikas Savannen und Waldgebiete

Die Rede war von einer jungen Libelle – damals ein noch unbeschriebenes Tier. Heute sind etwa 5680 Arten der Flugkünstler bekannt, 702 davon leben in Afrika.

„Wir haben die Verbreitung aller bekannten afrikanischen Libellenarten an über 7.000 Flusseinzugsgebieten untersucht. Das hat vor uns noch niemand gemacht.“, erklärt Dr. Viola Clausnitzer, Projektleiterin und Mitarbeiterin des Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz. „Anschließend haben wir unsere Funde in einem Geografischen Informationssystem festgehalten.“

So konnte das internationale Wissenschaftlerteam Gegenden mit besonderer Artenvielfalt identifizieren. Die Überraschung: Die meisten „Libellen-Hotspots“ befinden sich nicht in den tropischen Regenwäldern Afrikas, sondern in deren Randgebieten.

Besonders die Wasserscheide zwischen Kongo und dem Sambesi-Fluss stellte sich als wahres Libellen-Mekka heraus: Fast die Hälfte aller afrikanischen Libellenarten wurden dort von den Görlitzer Zoologen entdeckt.

„Insgesamt geht es den Libellen Afrikas recht gut, nur neun Prozent werden als gefährdet eingestuft“, sagt Clausnitzer. „Doch in einigen Regionen – wie beispielsweise am Kap der Guten Hoffnung oder in den Bergen Kenias – sind viele Libellenarten stark bedroht. Mit zunehmendem Bevölkerungswachstum werden auch die Süßwasserressourcen und damit der Lebensraum für die Libellen knapper.“

Die Ergebnisse der von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) beauftragten Studie sollen dabei helfen sensible Regionen bei der zukünftigen Planung zu schützen.

Doch nicht nur die Verteilung und Gefährdung der Arten kann aus der Libellen-Inventur abgeleitet werden, auch der Zustand der afrikanischen Gewässer wird indirekt erfasst. Denn Libellen sind in ihrer Entwicklung eng an Wasser gebunden und dienen als Anzeiger für eine gute Gewässerqualität. Ein entsprechendes Indikatorsystem für ganz Afrika ist momentan in der Entwicklung und Erprobung.



Weitere Meldungen

Die TUM-Absolventen Wolfgang Westermeier, Thomas Kühn und Andre Klöckner haben das Start-up FarmInsect gegründet.; Bildquelle: FarmInsect

Start-up FarmInsect produziert Insekten als Futter für Nutztiere

Das Start-up FarmInsect hat eine Technologie entwickelt, mit der Insektenlarven als Proteinfutter gezüchtet werden können
Weiterlesen

Für die Studie wurde das Fleisch von 132 Tieren analysiert.; Bildquelle: Universität Göttingen

Insekten und Algen als Futtermittel für Geflügel: Göttinger Forschende untersuchen Fleischqualität

Weltweit werden immer mehr tierische Produkte verzehrt. Diese wachsende Nachfrage erfordert eine beträchtliche Menge an proteinreichem Futter für die landwirtschaftlichen Nutztiere
Weiterlesen

Zahlreiche Exemplare der Kateridenkäfer in einem Bernstein vom Institut für Geologie und Paläontologie in Nanjing (China). Mit eingeschlossen sind Pollenkörner von primitiven Seerosen.; Bildquelle: Georg Oleschinski/Uni Bonn

Käfer wechselten in der Kreidezeit den Speiseplan

Wie ein Schnappschuss konserviert Bernstein vergangene Welten. Ein internationales Team um Paläontologen der Universität Bonn hat nun vier neue Käferarten im versteinerten Baumharz aus Myanmar beschrieben, die zur Familie der Kateretidae gehören
Weiterlesen

Nicht ähnlich, aber von gleicher Herkunft: Neuweltstabschrecken (oben) und Altweltstabschrecken (unten) bilden überraschenderweise eigene evolutive Linien innerhalb dieser Insektengruppe.; Bildquelle: Christoph Seiler

Der Stammbaum der Stabschrecken

Stab- und Gespenstschrecken sind eine formenreiche und äußerst bizarr anmutende Insektengruppe, die weltweit vor allem in tropischen und subtropischen Gebieten verbreitet ist
Weiterlesen

INSECTA 2019

INSECTA 2019 - Nutzung von Insekten als Futter- und Lebensmittel

Zur internationalen Konferenz INSECTA® 2019, die in diesem Jahr am 5. und 6. September in Potsdam stattfindet, erwarten die Veranstalter über 250 Teilnehmer aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik
Weiterlesen

Markhaltige Stängel sind willkommene Nistplätze für viele Wildbienenarten; Bildquelle: Markus Hagler

Insektenhotels unter der Lupe: Nicht alle Nisthilfen helfen den Insekten

Viele Menschen sind aufgrund der alarmierenden Nachrichten aus der Insektenwelt besorgt und wollen etwas beitragen, um Insekten zu schützen und ihren Rückgang aufzuhalten
Weiterlesen

Spinnen und andere Tiere haben wichtige Funktionen in Wäldern.; Bildquelle: Jula Zimmermann

Tiere und Pilze fördern Leistungen von Wäldern

Eine neue Studie zeigt, dass neben der Vielfalt der Baumarten auch jene der Tier- und Pilzarten entscheidenden Einfluss hat auf die Leistungen von Wäldern
Weiterlesen

Sojaextraktionsschrot wird im Futter durch teilentfettetes Larvenmehl der schwarzen Soldatenfliege oder das Mehl der blau-grünen Mikroalge ersetzt; Bildquelle: Universität Göttingen

Schweine und Masthähnchen akzeptieren alternative Futterproteine

Schweine und Masthähnchen können nur gesund aufwachsen, wenn sie optimal ernährt werden. Dabei spielt insbesondere die Proteinversorgung eine herausragende Rolle
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen

09.10.