Stieglitz ist Vogel des Jahres 2016

(09.10.2015) Der Stieglitz (Carduelis carduelis) wurde heute zum „Vogel des Jahres 2016“ von BirdLife Österreich sowie den Partnerorganisationen Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Bayern gekürt.

Auf den Habicht, Vogel des Jahres 2015, folgt damit einer der buntesten und bekanntesten Singvögeln in Mitteleuropa. Unverwechselbar leuchtet seine rote Gesichtsmaske auf dem ansonsten weiß und schwarz gefärbten Kopf.

Die überwiegend schwarzen Flügel weisen eine deutlich abgesetzte breite gelbe Binde auf. Die Laute des Stieglitzes, ein helles „stiglit“, haben ihm seinen Namen eingebracht.


Stieglitz auf Distel
Auch bekannt als Distelfink, findet er sich im Spätsommer mit Vorliebe auf Disteln und Kletten ein. Als Vollzeitvegetarier nutzt er seinen Schnabel wie eine Pinzette, um geschickt viele verschiedene Samen aus Kräutern, Stauden und Bäumen herauszupicken. 

„Die Vorliebe des Stieglitzes für vielfältige Samen, setzt entsprechende wilde und naturbelassene Landschaftselemente voraus. Diese werden aber immer weniger und damit verschwindet nicht nur jede Artenvielfalt.

Auch viele Vögel unserer Kulturlandschaften tun sich bei der Nahrungssuche immer schwerer – unter ihnen der Stieglitz“, bringt Gerald Pfiffinger von der Vogelschutzorganisation BirdLife die Botschaft des Vogel des Jahres 2016 auf den Punkt.

Das bekannte Bild von wilden Kräutern, Gräsern und Stauden findet sich nur noch selten zwischen den Äckern und an den Wegrainen. Auch in Hausgärten oder in Parks fallen die „wilden Ecken“ nicht selten dem vogelunfreundlichen Ordnungssinn zum Opfer.

Die für den Stieglitz so wichtigen Disteln werden oft nicht geduldet. Das Roden von alten Obstbäumen, die Erschließung neuer Baugebiete und die Auswirkungen von intensiven Pestizid- und Unkrautvernichtungsmitteleinsatz tun ihr übriges.

„Auch wenn wir in Österreich derzeit noch von stabilen Beständen mit 50-80.000 Brutpaaren sprechen, wird es für den farbenfrohen Finken auch hierzulande immer enger“, so Pfiffinger.

Stadtbrut im Trend

Als charakteristischer Brutvogel der offenen Kulturlandschaft mit lichten Baumbeständen findet er sich immer häufiger auch im innerstädtischen Siedlungsgebiet mit einem hohem Garten und Parkanteil, vor allem dort, wo wenig gehegt und gepflegt wird.

Der Stieglitz brütet in ganz Österreich in den niederen Lagen und vereinzelt auch noch in alpinen Gebieten bis 1500 Höhenmeter. Als Teilzieher überwintert er vor allem in Ostösterreich in kleiner Zahl, die Mehrheit zieht im Herbst ins Mittelmeergebiet und kehrt ab Mitte März wieder in die Brutgebiete zurück.

Geselliger Fink: Gemeinsame Futtersuche und Schlafgemeinschaften

Stieglitze sind tagaktive Vögel und leben die meiste Zeit des Jahres in Gruppen. Neben der bunten Gefiederfarbe fallen Stieglitze durch ihr lebhaftes und rastloses Verhalten auf. Fliegenden Wechsel gibt es in Trupps von Futterpflanze zu Futterpflanze zu beobachten.

Bereits im Sommer schließen sich Jungvogelgruppen und Familien zu Schwärmen zusammen: Tagsüber geht es gemeinsam auf Nahrungssuche, abends bilden sie Schlafgemeinschaften. Stieglitze bevorzugen Nistplätze hoch oben in der Baumkrone.

Im Gegensatz zu vielen anderen Singvögeln verteidigt der kleine 12-13 cm große Vogel nur die unmittelbare Nestumgebung für seine Familie. Sie dient lediglich der Paarung sowie der ungestörten Jungenaufzucht. Die Nahrungsgebiete werden gemeinsam mit den Stieglitz-Nachbarn genutzt.

Bestand in Europa stabil – Alarmzeichen in Deutschland, Polen, Frankreich und Italien

Die gesamteuropäische Stieglitzpopulation ist seit 1990 stabil, wenngleich es bei den Bestandsentwicklungen in den einzelnen Ländern und auch regional große Unterschiede gibt. Der in Deutschland seit 1990 bundesweit erhobene Bestand zeigt bis 2013 eine Abnahme um 48%.

Ähnlich nehmen Stieglitze auch in Frankreich, Dänemark, Polen und Italien ab, während in Finnland, Schweden, Großbritannien und Irland zunehmende Bestände gemeldet werden. In Österreich ist der Stieglitzbestand regionalen Schwankungen unterworfen, insgesamt aber stabil.

Aktiver Stieglitz-Schutz: Wildes fördern

Überregional kann nur eine Reform der bestehenden EU- Agrarrichtlinien und – Förderinstrumente die fortschreitende Flurbereinigung in der Agrarlandschaft stoppen. „Aber schon jeder einzelne von uns kann mit „Wilden Ecken“ von Wildkräutern, vor allem Disteln im Garten und auf dem Balkon sowie dem Pflanzen von neuen und dem Belassen von alten Obstbäumen für den Stieglitz und damit für viele andere Vogelarten Lebensraum schaffen.

Der Verzicht auf chemische Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel oder auch der Erhalt von Streuobstwiesen ist insgesamt ein Gewinn für die Artenvielfalt“, empfiehlt Gerald Pfiffinger von BirdLife.



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