Wenig bekanntes Versuchstier: der Vogel, Tier des Monats September

(10.09.2010) Gut 10 Prozent der jährlich im Tierversuch verwendeten Wirbeltiere sind Vögel, vor allem Hühner und Wachteln.

Mit dem Vogel als Tier des Monats September 2010 möchte der Bundesverband Menschen für Tierrechte den Einsatz im Versuchslabor aufzeigen, tierversuchsfreie Methoden darlegen sowie über natürliche Lebensweisen dieser Tiere informieren.

127.447 Vögel und 1.871 Wachteln landeten laut Statistik des Bundeslandwirtschaftsministeriums 2008 im Labor. Damit war der Einsatz von Vögeln zu Tierversuchszwecken so hoch wie nie zuvor.

Die Wachteln wurden überwiegend in der Toxikologie, insbesondere zur Prüfung von Pflanzenschutzmitteln, aber auch anderen Chemikalien, eingesetzt. Weitere Vogelarten spezifiziert die Statistik nicht.

Bekannt ist jedoch, dass gerade Hühner und vor allem Hühnerembryonen in der virologischen Forschung und Impfstoffherstellung für Mensch und Tier verwendet werden. Darüber hinaus werden Vögel tierexperimentell in der Gentechnik, zur Untersuchung von Infektionskrankheiten sowie in der Krebsforschung genutzt.

Zur Herstellung von Impfstoffen sind Antikörper unentbehrlich. Hierzu werden routinemäßig Hennen und befruchtete Hühnereier (Embryonen) eingesetzt. Erfreulicherweise gibt es in der Impfstoffentwicklung inzwischen die Möglichkeit, sogenannte polyklonale Antikörper zu nutzen, für deren Produktion keine Tiere eingesetzt werden müssen.

Für die Toxikologie-Prüfungen gibt es etliche gesetzlich vorgeschriebene Tierversuche. Charakteristisch ist hier der LC 50-Test, bei dem die Konzentrationen des Gifts, das mit Futter vermischt wird, so gewählt werden müssen, dass 50 Prozent der Tiere tödlich vergiftet werden. Zu einigen Giftigkeitsprüfungen befinden sich Ersatzverfahren im Entwicklungsstadium.

„Es ist zweifach alarmierend, dass sich die Zahl der eingesetzten Vögel seit 2000 mehr als verdoppelt hat. Denn Tierversuche stehen nicht nur für Tierquälerei, sondern auch für einen risikoreichen Schutz des Menschen. Forschung, Industrie und Politik stehen auch gesetzlich in der Pflicht, schnellstens tierversuchsfreie Methoden auf den Markt zu bringen und mit den Tierversuchen Schluss zu machen.

Im Übrigen täte es dem Forschungsstandort Deutschland sehr gut, sich zum Marktführer für tierversuchsfreie Technologien zu entwickeln“, so Dr. Kurt Simons, Vorsitzender des Bundesverbandes.

Mit der monatlichen Vorstellung einer Tierart, die in Tierversuchen eingesetzt wird, möchte der Bundesverband Menschen für Tierrechte die natürliche Lebensweise der Tiere bekannter machen, ihre Verwendung in Experimenten aus der Anonymität holen und die Forderung nach Ersatzmethoden verstärken.

Ausführliche Informationen: www.tier-des-monats.tierrechte.de.

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