Zahnprobleme bei Kaninchen

(08.09.2004) Die häufigste Ursache von schmerzhaften Prozessen in der Maulhöhle sind Abszesse. Meistensfindet man sie bei der Wurzelspitze eines Zahnes, der einer ständigen starken mechanischen Belastung ausgesetzt war (zB.: hoher lokaler Druck durch Zahnfehlstellung).


Abszess beim kaninchen

Die Besitzer bemerken bei den betroffenen Tieren oft eine einseitige lokale Schwellung, Schmerzhaftigkeit und Probleme bei der Futteraufnahme, wobei häufiger der Unterkiefer betroffen ist.

Zur sicheren Diagnose werden Röntgenbilder des betroffnen Areals angefertigt, wodurch genau festgestellt werden kann, welcher Zahn die Ursache für den eitrig-entzündlichen Prozess darstellt.

Nach Extraktion des Zahnes und gründlicher Spülung der Abszesshöhle wird ein Antibiotikum (Doxirobe®) in das erkrankte Gebiet eingelegt und die Öffnung danach mit einer Naht (resorbierbares Nahtmaterial) verschlossen. Während das eingebracht Medikament lokal das Bakterienwachstum unterbindet und langsam abgebaut wird, bildet der Kieferknochen neues Knochengewebe.

So bleibt die entstandene Wundhöhle ständig gefüllt und eine weitere Reizung und Verschmutzung durch Futterpartikel wird verhindert. Bei dieser Vorgangsweise unterbleibt auch die tägliche Spülung zuhause, wodurch die Stressbelastung des Patienten vermindert wird und der Heilungsverlauf ungestört bleibt.

Kaninchen und Meerschweinchen neigen häufig zu Rezidiven. Durch gründliche Arbeit, sorgfältige Entfernung der betroffenen Gewebe und lokaler Antibiotikaapplikation kann jedoch die Rückfallsquote auf nahezu 30% reduziert werden.

Problemen in der Maulhöhle werden auch oft von einer Zahnfehlstellung verursacht. Da Kaninchen und Nagetiere ein ständiges Wachstum der Zähne aufweisen, kommt es bei fehlerhaftem Kontakt der Zähne zu einem mangelhaften Abrieb der Kauflächen.

So entstehen durch die Kaubewegungen und dem dabei vom Tier angewandtem Druck Zahnspitzen und Hacken.

Diese verursachen eine chronische Reizung der Wangeninnenseite und Zunge, welche bei deutlicher Ausprägung der Spitzen zu massiven Verletzungen der Schleimhaut, inklusive Blutungen, Geschwüren und Abszessen führen kann. Bei Unterlassung einer Korrektur kann es sogar zu einer Brückenbildung zwischen zwei Kieferhälften kommen.

Aufgrund der Kieferphysiologie ist eine nachträgliche orthopädische Korrektur der Zahnfehlstellung leider bei Kaninchen und Meerschweinchen nicht machbar. Der Platzmangel in einem Kaninchenmaul und die sehr schlechte Durchblutung der Zahnfächer machen eine kieferorthopädische Behandlung unmöglich.

Um den von einer Zahnfehlstellung betroffenen Tieren eine unbeschwerte Futteraufnahme, und somit gute Lebensqualität, zu ermöglichen, ist es notwendig den Patient alle 6 Monate beim Tierarzt zur Zahnkontrolle vorzustellen.

So können entstandene Spitzen, Hacken oder Stufenbildung erkannt und entfernt werden, bevor sie zu weiteren Schäden in der Maulhöhle führen.

Durch optimales und konsequentes Management kann auch ein Kaninchen oder Nagetier mit Zahnfehlstellung ein unbeschwertes und komplikationsloses Dasein, mit einer der Tierart entsprechenden Lebenserwartung, führen.

Mag. Helene Widmann, email: helene.widmann@chello.at

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