Preis für Bandwurmforscher Klaus Brehm

(25.02.2016) Der Bandwurm-Experte Professor Klaus Brehm und sein Team von der Uni Würzburg erhalten den mit 5.000 Euro dotierten Memento-Forschungspreis 2016. Damit wird ihr Einsatz im Kampf gegen vernachlässigte Krankheiten gewürdigt.

Das Erbgut von Fuchs-, Schweine-, Hunde- und Zwergbandwurm ist entschlüsselt: Das berichtete ein internationales Forschungsteam 2013 in der Zeitschrift „Nature“.

Die Wissenschaftler zeigten in der Publikation auch mögliche neue Schwachstellen der gefährlichen Parasiten auf. Mit im Team: Der Fuchsbandwurm-Experte Professor Klaus Brehm vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.


Klaus Brehm bei der Verleihung des Memento-Forschungspreises in Berlin

Für diese Leistung bekamen der Forscher und seine Arbeitsgruppe jetzt den Memento-Forschungspreis verliehen. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde am 24. Februar 2016 in Berlin überreicht.

Mitglieder der Gruppe sind Monika Bergmann, Dirk Radloff, Markus Spiliotis, Michaela Herz; Raphael Duvoisin, Ilka Wittstock, Julian Krickl sowie die ehemaligen Mitarbeiter Uriel Koziol und Justin Nono.

„Die bahnbrechende Beschreibung des Genoms und der globalen Genexpression des Fuchsbandwurms bildet die entscheidende Grundlage für die Entwicklung von Medikamenten gegen Bandwurmerkrankungen“, so Professor Stefan Kaufmann, Vorsitzender der Preisjury und Direktor des Arbeitsbereichs Immunologie am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie (Berlin).

"Für Anti-Faltencremes wird mehr Aufwand getrieben"

Nach wie vor wisse man viel zu wenig über die Erreger sowie über die Entstehung anderer vernachlässigter und mit Armut assoziierter Krankheiten. Dabei sei dieses Wissen entscheidend für die Entwicklung von dringend benötigten Medikamenten, Impfstoffen und Diagnostika gegen diese Krankheiten, an denen Millionen Menschen weltweit leiden, so Kaufmann.

„Wir können es uns nicht länger leisten, die Grundbedürfnisse eines Drittels der Menschheit zu ignorieren“, sagt Professor Brehm. Das betreffe auch Infektionskrankheiten.

Um wirksame Medikamente gegen vernachlässigte Krankheiten zu entwickeln, sei solide Grundlagenforschung an den Krankheitserregern nötig.

Dafür werde in den Industrienationen zu wenig getan: „Wir investieren hierzulande weniger in die Bekämpfung tödlicher, vernachlässigter Krankheiten als in die Entwicklung neuer Anti-Faltencremes. Ich sehe da ein gewisses Missverhältnis“, so Brehm.

Gefährlich sind die Larven der Würmer

Millionen Menschen weltweit leiden an der Schlafkrankheit, an Chagas, Tuberkulose oder anderen Erkrankungen, für die es keine hinreichenden Behandlungsmöglichkeiten gibt und in deren Erforschung kaum investiert wird.

Dazu zählen auch Infektionen mit Bandwürmern, die vor allem in den Tropen dort verbreitet sind, wo Menschen unter schlechten hygienischen Bedingungen eng mit Tieren zusammenleben.

Bandwürmer leben im Darm und nehmen ihren Wirten Nährstoffe weg, richten damit aber keine gravierenden Schäden an. Viel schlimmer sind ihre Larven: Sie setzen sich in Leber, Lunge, Gehirn oder anderen Organen fest und bilden dort Zysten, die teils zur Größe eines Handballs heranwachsen.

Für die Infizierten kann das gravierende Folgen wie Erblindung, Epilepsie oder Leberversagen haben und auch zum Tod führen. Laut Brehm gibt es derzeit keine Therapie, mit der sich die Bandwurmlarven zuverlässig abtöten lassen.



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