Die Evolution von beißenden zu saugenden Insekten

(19.09.2017) Dr. Alexander Blanke vom Institut für Zoologie der Universität zu Köln erhält den Starting Grant 2017 des Europäischen Forschungsrats (ERC).

Für sein auf fünf Jahre angelegtes Projekt am Biozentrum Köln steht dem Nachwuchswissenschaftler mit 1,5 Millionen Euro die Höchstförderung des Starting Grants zur Verfügung.

Universität zu Köln In seinem Projekt „Die mechanische Evolution von kauend-beißenden zu stechend-saugenden Mundwerkzeugen bei Insekten“ untersucht Blanke die mechanischen Prinzipien der Evolution von Köpfen und Mundwerkzeugen bei verschiedenen kauend-beißenden und stechend-saugenden Insekten.

Insekten haben im Laufe ihrer über 400 Millionen Jahre währenden Evolution zahlreiche Mundwerkzeugtypen entwickelt, die an ihre jeweiligen Nahrungsquellen angepasst sind.

Mit ihrem Nahrungskonsum nahmen und nehmen Insekten nachhaltig Einfluss auf die Funktionsfähigkeit unserer Ökosysteme.

„Durch den ERC Starting Grant werde ich den evolutionär vermutlich ersten größeren Übergang von kauend-beißenden hin zu stechend-saugenden Mundwerkzeugen genauer untersuchen“, sagt Dr. Alexander Blanke.

Dieser Wandel hat nach derzeitigem Wissensstand vor etwa 350 Millionen Jahren stattgefunden – aber wieso und wie? Auf diese Fragen sucht der Zoologe nach Antworten und analysiert dazu fossile und lebende Insekten.

„Mithilfe moderner Methoden aus der Konstruktionstechnik möchte ich die Form-Funktions-Beziehungen der verschiedenen Mundwerkzeuge und Kopfformen erklären. Weil viele Insekten winzig klein sind, nutze ich dazu insbesondere die Mikro-Computertomographie an europäischen Teilchenbeschleunigern.“

Aus den Tomographiedaten werden digitale 3D-Modelle der Insektenköpfe erstellt. Sie bilden die Grundlage für die mechanischen Kopf-Simulationen.

Die Einbeziehung von ökologischen, phylogenetischen und zum Teil auch entwicklungsbiologischen Faktoren ermöglicht dann Rückschlüsse auf die Gründe für den evolutionären Übergang zu neuen Mundwerkzeugklassen.

„Neue Erkenntnisse aus der Konstruktionsmechanik von Insekten könnten in Zukunft auch für ultraleichte Konstruktionen im Bereich der Robotik eingesetzt werden“, so Blanke.

Die ERC Starting Grants fördern vielversprechende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler am Beginn einer unabhängigen Karriere. Aus 3.085 europaweit eingereichten Anträgen im Jahr 2017 sind 406 Projekte zur Förderung ausgewählt worden.

67 der Grants gingen nach Deutschland. Die Gesamtsumme des Förderprogramms beträgt in diesem Jahr 605 Millionen Euro.


Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

ESCCAP

ESCCAP: Neue Empfehlung zu parasitären Erkrankungen bei Kleintieren

Im Juli 2017 veröffentlichte der europäische Verband von Veterinärparasitologen ESCCAP die erste Empfehlung für die Bekämpfung von Erkrankungen der wichtigsten Parasiten und Pilzinfektionen bei Kleintieren in Europa
Weiterlesen

Koproskopische Diagnostik in der Veterinärparasitologie

Koproskopische Diagnostik in der Veterinärparasitologie

Dieses interaktive Tool von ATF und Vetion.de gibt Tierärzten sowie Tiermedizinischen Fachangestellten Sicherheit bei der koproskopischen Untersuchung und Erkennung parasitärer Stadien im Kot der Nutz- und Haustiere
Weiterlesen

Blutmahlzeit; Bildquelle: Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM)

Mücken können tropisches Chikungunya-Virus auch bei niedrigen Temperaturen verbreiten

Neue im Hochsicherheits-Insektarium des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) durchgeführte Experimente zeigen, dass sich in der Asiatischen Tigermücke auch bei relativ milden Temperaturen von 18 Grad Celsius Chikungunya-Viren vermehren können
Weiterlesen

Sergej Franz; Bildquelle: TWINCORE

Gängige Desinfektionsmethoden töten zuverlässig Chikungunya Viren ab

Unser Klima verändert sich und damit auch die Verbreitungsgebiete von Infektionskrankheiten. Erkrankungen, die noch bis vor wenigen Jahren als reine Tropenkrankheiten galten, dringen inzwischen bis nach Europa vor
Weiterlesen

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Stechmücken im Gepäck – Welche Tropenkrankheiten bringt der Klimawandel nach Europa?

Immer wieder gelangen tropische Stechmücken wie die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus mit Warenlieferungen oder im Gepäck von Reisenden nach Europa.
Weiterlesen

Ticks on migratory bird; Bildquelle: Uppsala University

Ticks on migratory birds found to carry newly discovered hemorrhagic fever virus

In a new study, researchers at Uppsala University and other institutions have identified genetic material from the recently identified Alkhurma hemorrhagic fever virus in the tick species Hyalomma rufipes
Weiterlesen

Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) gefangen in Rovinj (Kroatien); Bildquelle: Dorian D. Dörge (Goethe-Universität)

Tigermücken sind noch auf dem Vormarsch

Die Einwanderung von Gelbfiebermücken und Tigermücken hat Tradition und wird durch den globalen Wandel sowie den Waren- und Reiseverkehr beschleunigt
Weiterlesen

Ameisennest; Bildquelle: Berner Fachhochschule

Weniger Zecken dank Ameisen

In einer neuen Studie konnten Forschende der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL der Berner Fachhochschule nachweisen, dass Waldameisen das lokale Zeckenvorkommen deutlich reduzieren können
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen