ESCCAP: Prävention von durch Zecken übertragbaren Infektionen bei Hunden

(27.11.2023) Weil Zecken verschiedene und zum Teil lebensbedrohliche Krankheiten auf Hunde übertragen können, werden sie von vielen HundehalterInnen gefürchtet. Welche Erkrankungen das sind und wie sich eine Übertragung vermeiden lässt, erfahren Sie hier.

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Zecken zählen zu den äußeren Parasiten, den sogenannten Ektoparasiten, die verschiedene Tierarten (z. B. Hunde und Katzen), aber auch den Menschen befallen können. Unterschieden wird dabei zwischen Schildzecken (Ixodidae) und Lederzecken (Argasidae), wobei Hunde in Europa ausschließlich von Schildzecken befallen werden.

Die in Deutschland am häufigsten vorkommenden Zeckenarten beim Hund sind der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) und die Wiesenzecke (Dermacentor reticulatus). Seltener und eher im südlichen Europa anzutreffen ist die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus).

Mit ihren Mundwerkzeugen durchstechen Zecken die Haut ihres Wirtes, um sich von dessen Blut zu ernähren. Je nach Entwicklungsstadium der Zecke dauert dieser Saugakt zwischen zwei und 14 Tagen. Während einer solchen Blutmahlzeit kann eine Zecke – sofern sie mit bestimmten Krankheitserregern infiziert ist – Krankheiten auf ihren Wirt übertragen. 

Bis zur Übertragung von Krankheitserregern kann es nach dem Stich je nach Krankheitserreger nur wenige Minuten bis einige Stunden und Tage dauern. Daher sollte eine Zecke unbedingt so schnell wie möglich entfernt werden.

Welche Krankheiten können Zecken auf Hunde übertragen?

Bei den Krankheitserregern, die infizierte Zecken auf Hunde übertragen können, handelt es sich um einzellige Parasiten (Protozoen), Bakterien und Viren. So kann ein infizierter Holzbock neben der Borreliose und Anaplasmose in manchen Regionen Deutschlands zudem die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auf Hunde übertragen.

Wiesenzecken hingegen fungieren als Überträger des Protozoons Babesia canis. Dieses verursacht die Babesiose des Hundes – eine Erkrankung, die bis vor einigen Jahren noch als typische Reisekrankheit galt. Inzwischen kommt die Babesiose jedoch auch bei Hunden innerhalb Deutschlands nachweislich in verschiedenen Regionen vor.

Diese Infektion führt bei einem nicht unwesentlichen Teil der infizierten bzw. erkrankten Hunde zu schweren Krankheitserscheinungen sowie bei einigen trotz Behandlung zum Sterben.

Wie lässt sich einer Übertragung vorbeugen?

Um der Ansteckung von durch Zecken übertragenen Krankheitserregern vorzubeugen, kommt es in erster Linie auf einen konsequenten Zeckenschutz an. Dieser sollte den gesamten Zeitraum abdecken, in dem Zecken aktiv sind.

Da Zeckenarten wie insbesondere die Wiesenzecke, aber auch der Gemeine Holzbock, inzwischen das ganze Jahr über aktiv sein können, ist ein ganzjähriger Zeckenschutz (auch im Winter) sehr wichtig. 

Je nach individuellem Risiko des Hundes, von Zecken befallen zu werden, und abhängig von regionalen Voraussetzungen für durch Zecken übertragbare Krankheiten, kann die Vorbeugung durch das gründliche Absuchen des Hundes auf Zecken (unbedingt nach jedem Spaziergang) angestrebt werden.

Allerdings ist hierbei, besonders bei dunkel- und langhaarigen Hunden, ein Übersehen von Zecken wahrscheinlich. Die Behandlung mit einem geeigneten Zeckenschutz-Präparat bietet einen zuverlässigen Schutz, muss dabei allerdings jeweils stets in den für das jeweilige Produkt empfohlenen zeitlichen Abständen wiederholt werden.

In einigen europäischen Ländern (Deutschland ausgenommen) stehen zudem spezielle Impfstoffe gegen den Babesiose-Erreger zur Verfügung. Diese können eine Infektion zwar nicht gänzlich verhindern, geimpfte Tiere erkranken nach einer Ansteckung in der Regel jedoch weniger schwer. 

Für Hunde, die sich nur vorübergehend in einem Gebiet aufhalten, in dem die Babesiose gehäuft auftritt, kann außerdem die medikamentöse Prophylaxe mit einem Babesizid in Betracht gezogen werden.

Hierzu eignet sich zum Beispiel Imidocarb-Diproprionat, welches einige Stunden vor Einreise in ein endemisches Gebiet verabreicht wird. Das Medikament schützt den Hund im Falle einer Ansteckung vor einem schweren Krankheitsverlauf, beugt der Infektion selbst jedoch nicht vor.

Auch gegen die Borreliose stehen spezielle Impfstoffe zur Verfügung. Über deren Nutzen herrscht in Fachkreisen jedoch Uneinigkeit. So bleibt die primäre Maßnahme zur Vermeidung einer Ansteckung ein effektiver Zeckenschutz. Außerdem sollte nach Möglichkeit grundsätzlich darauf verzichtet werden, mit Hunden in Gebiete zu verreisen, in denen bestimmte Krankheiten gehäuft auftreten.


www.esccap.de.



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