DELTA-FLU: Forschung gegen die Vogelgrippe

(03.09.2017) “Dynamics of avian influenza in a changing world”-kurz DELTA-FLU- geht den Mechanismen der Vogelgrippe auf den Grund. Ein internationales Konsortium aus insgesamt 10 hochrangigen Forschungsinstitutionen weltweit bündelt vielfältige Expertisen, um Strategien zur Prävention und Kontrolle der Seuche entscheidend zu verbessern.

Das am 1. Juni 2017 gestartete Projekt wird von der Europäischen Union über 5 Jahre gefördert, Koordinator ist das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI).

Am FLI auf der Insel Riems trafen die beteiligten Partner aus Venedig, Rotterdam, Gent, Edinburgh, Schweden und sogar Hong Kong. Das Kick-Off-Meeting gab Gelegenheit zum ersten Kennenlernen und gemeinsamen Austausch. 


Erstes erfolgreiches Kick-Off-Meeting auf der Insel Riems bei Greifswald

Bei der letzten Geflügelpest-Epidemie, die durch den Erreger H5N8 hervorgerufen wurde, handelt es sich um die bisher schwerste in Europa. Die Erreger der Aviären Influenza/Vogelgrippe verändern sich natürlicherweise stetig und schnell und können innerhalb kurzer Zeit weltweit zu verheerenden Ausbrüchen bei Wildvögeln und Nutzgeflügel führen. Einige Erregerarten haben das Potential, auf Säugetiere und Menschen überzugehen.

Sie stellen damit auch eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit dar. Die Forschungen zu dieser Problematik erfordern globale interdisziplinäre Lösungen. Hochkarätige Experten aus Europa, Nordamerika und Asien bilden deshalb das Konsortium DELTA-FLU.

Erforscht werden die dynamischen Mechanismen der aviären Influenza-Viren in Geflügel und anderen Wirten sowie die viralen, wirtsbezogenen und umweltbedingten Faktoren, die für die Vermehrung und Ausbreitung entscheidend sind.

Erst durch das bessere Verständnis dieser Mechanismen und Faktoren ist die Weiterentwicklung effektiver Diagnose-, Präventions- und Kontrollstrategien möglich.

Koordinator für DELTA-FLU ist das FLI auf der Insel Riems, Ko-Koordinator das ERASMUS University Medical Center (EMC, Rotterdam). Insbesondere die exzellenten Labor- und Versuchstiereinrichtungen des FLI machen es möglich, molekularbiologische Analysen zur Pathogenität verschiedener aviärer Influenzaviren durchzuführen und damit die Frage zu beantworten, welche Faktoren für die krankmachende Wirkung der Erreger ausschlaggebend sind.

Tierversuche in Hühnern, Enten, Mäusen und Frettchen sollen Aufschluss über die Pathogenese, d.h. die Entstehung, Entwicklung und Ausprägung der Krankheit in verschiedenen Wirtstierarten geben.

Darüber hinaus sind Untersuchungen zur Überlebensfähigkeit der Viren in der Umwelt und zur Aktivierung durch wirtskodierte Eiweißstoffe (Enzyme) sowie zur Immunreaktion des jeweiligen Wirtes und den Ausweichmanövern der Viren vorgesehen. 

DELTA-FLU forscht weiterhin zu den Schlüsselfragen, wie sich Geflügelpestviren in der Wildvogelpopulation halten und über lange Distanzen verbreiten können, welche Faktoren für das Eindringen aviärer Influenzaviren in Nutzgeflügelbestände relevant sind und welche Rolle Schweine bei der möglichen Übertragung auf den Menschen spielen.

Besonders von Bedeutung ist die Aufklärung der Mechanismen, die aus harmlosen Influenzaviren gefährliche Geflügelpesterreger machen.


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