Britische und irische Gärten – ein Winterparadies für Mönchsgrasmücken

(15.04.2021) Immer milder werdende Winter und ein reichhaltiges Angebot an Vogelfutter lassen Mönchsgrasmücken neue Zugrouten etablieren und führen möglicherweise auch zu Änderungen im Körperbau.

Neuste Forschungsergebnisse einer internationalen Kooperation zwischen dem British Trust for Ornithology (BTO), der Universität Oxford und dem Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, die in der Zeitschrift Global Change Biology veröffentlicht wurden, liefern weitere Hinweise dafür, wie wir die Natur durch kleine Veränderungen in unseren Gärten mitgestalten.

Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie Normalerweise fliegen Mönchsgrasmücken in den Frühlings- und Sommermonaten nach Großbritannien und Irland um dort zu brüten, bevor sie dann im Herbst wieder in südlichere Gefilde im Mittelmeerraum ziehen. Seit Ende der 1960er Jahre beobachten wir jedoch, dass Mönchsgrasmücken ihr Überwinterungsgebiet kontinuierlich in nördlichere Regionen ausweiten und in den Wintermonaten immer häufiger in Großbritannien und Irland anzutreffen sind. Interessanterweise sind diese Vögel keinesfalls Standvögel, die einfach das ganze Jahr über dortbleiben.

Die in Großbritannien und Irland überwinternden Mönchsgrasmücken kommen aus Brutgebieten die sich über ganz Europa erstrecken und brechen von dort aus jeden Herbst zu einer ungewöhnlichen Nordwestwanderung an die britischen Küsten auf.

Die Studie beruht auf Beobachtungen von 600 Mönchsgrasmücken, die mit einer einzigartigen Kombination von Farbringen an ihren Beinen markiert wurden. Farbmarkierungen sind leicht zu erkennen und können von vielen freiwilligen Gartenbeobachter gemeldet werden und ermöglichen so eine genaue Betrachtung der Bewegungsmuster und des Verhaltes der in Großbritannien und Irland überwinternden Mönchsgrasmücken.

Zusätzlich zu Farbmarkierungen wurden 32 Vögel mit Hilfe von Hell-Dunkel Geolokatoren beobachtet. Das sind kleinen Speicherelemente, die am Rücken des Vogels befestigt werden und mit Hilfe eines kleinen Lichtsensors die Tageslänge und die Zeit des Sonnenhöchststands messen und ergänzend zu den Farbringsichtungen Informationen mit hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung über die Bewegungsmuster der Vögel liefern.

Die im Rahmen dieser Studie beringten Mönchsgrasmücken wurden im Winter von begeisterten Vogelenthusiasten beobachtet, die ehrenamtlich an Initiativen des BTO, wie „Garden BirdWatch“ teilnahmen.

Die Ergebnisse zeigten, inwieweit die Ökologie der Mönchsgrasmücken durch menschliche Aktivitäten geprägt ist. Die Bereitstellung von Vogelfutter in Gärten bei kaltem Wetter hat nicht nur zu einer evolutionären Veränderung und Entwicklung neuer Zugrouten der Mönchsgrasmücken beigetragen, sondern auch das Verhalten der Vögel in ihren Überwinterungsgebieten verändert.

Im Mittelmeer überwinternde Mönchsgrasmücken fressen hauptsächlich Obst und ziehen auf der Suche nach weiteren Nahrungsquellen durch die Landschaft, sobald ihr vorhandenes Nahrungsangebot aufgebraucht ist.

 Im Gegensatz dazu sind Mönchsgrasmücken, die in britischen und irischen Gärten überwintern, kontinuierlich und verlässlich durch bereitgestellte Futterquellen versorgt. Infolgedessen bewegen sie sich weniger bleiben standorttreuer in ihren jeweiligen Überwinterungsgebieten.

Benjamin Van Doren von der Universität Oxford sagte: „Wir waren überrascht darüber klare Unterschiede in der Anatomie und Physiologie der Vögel festzustellen, je nachdem wie häufig sie in Gärten beobachtet wurden.

So zeigten Mönchsgrasmücken, die häufig in Gärten beobachtet wurden insgesamt geringere Fettreserven, da sie verlässlich wussten, woher ihre nächste Mahlzeit kommen wird. Dieses geringere Gewicht macht sie agiler und wahrscheinlich besser in der Lage, Fressfeinden zu entkommen.“

Die Mönchsgrasmücken, die den Winter in Großbritannien und Irland verbringen können die nötigen Fettreserven schneller auffüllen und den Frühjahrszug in ihre Brutgebiete früher antreten (etwa 10 Tage vor ihren Artgenossen, die im Süden überwintern).

Die Forscher fanden außerdem heraus, dass das Überwintern in Gärten auch den Körperbau beeinflussen könnten: Mönchsgrasmücken, die sich primär in Gärten aufhielten hatten längere Schnäbel und rundere Flügelspitzen, was möglicherweise mit ihrer allgemeineren Ernährung und ihrem weniger mobilen Lebensstil zusammenhängt.

Miriam Liedvogel vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie und dem Institut für Vogelforschung, sagte: „Diese Studie ist ein fantastisches Beispiel für erfolgreiche Zusammenarbeit, bei der ehrenamtliche Vogelenthusiasten die Beobachtungsdaten aus ihren Gärten liefern, anhand derer ein internationales Forschungsteams neue Erkenntnisse zum Verständnis dieser faszinierenden Zugstrategie und den Einfluss menschlicher Aktivitäten daran liefern.“

In einer Zeit, in der viele Arten damit zu kämpfen haben, sich an vom Menschen vermittelte Umweltveränderungen anzupassen, sind die Populationszahlen der Mönchsgrasmücke sehr stabil und sogar ansteigend – und die Fähigkeit dieser Art, sich schnell und erfolgreich an Veränderungen anzupassen, könnte dies erklären

Publikation

Van Doren, B.M., Conway, G.J., Phillips, R.J., Evans, G.C., Roberts, G.C.M., Liedvogel, M., Sheldon, B.C. Human activity shapes the wintering ecology of a migratory bird, Global Change Biology, 2021


Weitere Meldungen

ESCCAP

ESCCAP: Neue Empfehlung zu parasitären Erkrankungen bei Kleintieren

Im Juli 2017 veröffentlichte der europäische Verband von Veterinärparasitologen ESCCAP die erste Empfehlung für die Bekämpfung von Erkrankungen der wichtigsten Parasiten und Pilzinfektionen bei Kleintieren in Europa
Weiterlesen

Osterhase oder Osterkaninchen?; Bildquelle: Wilde Nachbarn Baden-Württemberg

Osterhase oder Osterkaninchen?

Forscher suchen bei einer Osteraktion Wildkaninchen und Feldhasen in den Städten und Dörfern Baden-Württembergs
Weiterlesen

Deutsche Wildtier Stiftung

Der Feldhase - Tier des Jahres 2015 - steht für Verlust an Artenvielfalt auf dem Acker

Die Hauptpaarungszeit des Feldhasen (Lepus europaeus) erreicht ihren Höhepunkt zwar erst im März, aber die Paarungszeit beginnt vielerorts schon im Januar
Weiterlesen

Deutsche Wildtier Stiftung

Feldhasen verlieren Lebensräume durch intensive Landwirtschaft

Hasen haben vor Ostern Hochkonjunktur. Sie sind aus Schokolade, haben Marzipan oder Nougat im hohlen Bauch und erobern sich die Lebensräume der Menschen. Die Populationsdichte in Supermärkten ist derzeit erschreckend hoch
Weiterlesen

Deutsche Wildtier Stiftung

Der Osterhase ist kein Kaninchen!

Kaninchen und Feldhase sind nur weitläufig verwandt und recht einfach zu unterscheiden
Weiterlesen

Feldhase; Bildquelle: Wikipedia

Superfetation: Fortpflanzungserfolg der Feldhasen

Europäische Feldhasen können erneut trächtig werden, auch wenn der vorherige Wurf noch nicht geboren ist, das erhöht ihren Fortpflanzungserfolg
Weiterlesen

Facebook

Lepus der Feldhase hoppelt für die Deutsche Wildtier Stiftung auf Facebook

Er ist als Spitzensportler schnell auf 80, hat als Feinschmecker eine eigene Kräuter-Apotheke und kommt bei allen Häschen extrem sexy an: Der Feldhase!
Weiterlesen

Deutsche Wildtier Stiftung

Verwechslung nicht ausgeschlossen: (Oster-)Hase und Wildkaninchen

Lang- oder Kurzohr, Rote Liste oder Plage - die Deutsche Wildtier Stiftung nennt die Unterschiede
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen

22.04.