Landeanflüge von Wasservögel entlang der magnetischen Nord-Süd-Achse

(12.07.2013) Vögel fliegen in großen Schwärmen und landen häufig in unübersichtlichem Terrain. Trotzdem gibt es kaum Kollisionen, aber warum? Das beantworten Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) mit internationalen Kollegen jetzt in einem Artikel.

Besonders herausfordernd für die Piloten sind der Anflug über das Wasser und die Landung an Wasseroberflächen: Denn hier die eigene Flughöhe, Fluggeschwindigkeit und den Sinkwinkel abzuschätzen, ist äußerst schwierig. Wie lösen nun Wasservögel das Problem? Sie nutzen eine Art Autopiloten, der sich am Magnetfeld der Erde orientiert.

„Die Tiere besitzen eine allgemein gültige Landeanflug-Richtung. Dies kristallisierte sich heraus, nachdem wir die Richtungen von mehr als 3.000 Landeanflügen 14 verschiedener Arten von Wasservögeln in acht verschiedenen Staaten analysierten“, berichtet Zoologe Prof. Dr. Hynek Burda. Bei maximal leichter Brise, unabhängig von Windrichtung, Sonnenstand, Wetter und Lokalität, bevorzugten sie Landungen entlang der magnetischen Nord-Süd-Achse.

Da die Wahrnehmung des Erdmagnetfeldes bei Vögeln schon lange bekannt ist, vermuten die Forscher eine Nutzung des inneren Magnetkompasses.

Sie spekulieren sogar noch weiter: Landeanflüge entlang dieser Achse könnten die Vögel dazu befähigen, das vermutete Kompasssystem im Auge als Neigungsmesser zu „missbrauchen“ und somit ein wertvolles Instrument der Flugtechnik dazuzugewinnen.

Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Tschechischen Agraruniversität in Prag haben sie ihre Beobachtungen in dem anerkannten Fachmagazin Frontiers in Zoology veröffentlicht.

Publikationshinweis

Hart V., Malkemper E.P., Kušta T., Begall S., Nováková P., Hanzal V., Pleskaè, L., Ježek J., Policht R., Husinec V., Èervený J., Burda H. (2013): Directional compass preference for landing in water birds. Frontiers in Zoology 10:38
DOI: 10.1186/1742-9994-10-38



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