Rotkehlchen können sich auch in schwachen Magnetfeldern orientieren

(31.05.2013) Lässt man ihnen etwas Zeit, können Rotkehlchen sich auch in schwachen Magnetfeldern orientieren. Forscher der Goethe-Universität werten dies als weiteren Hinweis dafür, dass der Kompasses sich bereits bei der Vorfahren der heutigen Vögel entwickelte.

Zugvögel wie das europäische Rotkehlchen (Erithacus rubecula) orientieren sich mithilfe eines Magnetkompasses im Auge. Wie Wissenschaftler der Goethe-Universität jetzt in Zusammenarbeit mit einem Geophysiker aus München herausgefunden haben, ist dieser Kompass äußerst anpassungsfähig.

Goethe-Universität Lässt man den Vögeln etwas mehr als einen halben Tag Zeit, können sie sich auch in Magnetfeldern orientieren, deren Stärke nur ein Zehntel des Erdmagnetfelds beträgt.

Die Forscher werten dies als einen weiteren Hinweis dafür, dass es sich um einen entwicklungsgeschichtlich sehr alten Mechanismus handelt, der bereits von den gemeinsamen Ahnen der heutigen Vögel im Erdmittelalter entwickelt wurde.

2007 hatte das Forscherehepaar Wolfgang und Roswitha Wiltschko entdeckt, dass auch Hühner über einen magnetischen Kompass verfügen. Er funktioniert ganz ähnlich wie derjenige der Rotkehlchen.

Da die entsprechenden Entwicklungslinien von Hühnern und Rotkehlchen sich in der Kreidezeit vor circa 95 Millionen Jahren getrennt haben, vermuteten die Forscher, dass schon die ersten Vögel die Fähigkeit entwickelten, sich im Magnetfeld der Erde zu orientieren.

Um ihre Theorie weiter zu untermauern, prüften die Forscher nun, ob Rotkehlchen sich auch in schwachen Magnetfeldern zurechtfinden. Denn seit den Zeiten des Urvogels war das Erdmagnetfeld starken Schwankungen unterworfen, darunter gab es Perioden sehr schwacher Intensität.

Wie sich herausstellte, können sich die Vögel nach 17 Stunden an ein schwaches Magnetfeld von vier Mikro-Tesla (weniger als 10 Prozent der derzeit in Frankfurt herrschenden Feldstärke) anpassen.

Um sicher zu sein, dass nicht ein anderer Mechanismus als der Magnet-Kompass im Auge für diese Leistung verantwortlich ist, betäubten die Forscher den Schnabel. Dieser enthält einen weiteren Magnetsensor, dessen Ausschaltung die Rotkehlchen nicht beeinträchtigte. Setzte man sie aber zusätzlich einem hochfrequenten Magnetfeld aus, ging ihnen der Richtungssinn verloren, wie es schon früher für den Kompaß im Auge gezeigt worden war.

Publikation

Michael Winkhofer, Evelyn Dylda, Peter Thalau, Wolfgang Wiltschko and Roswitha Wiltschko: Avian Magnetic Compass can be Tuned to Anomalously Low Magnetic Intensities, Proceedings of the Royal Society B, First Cite, DOI: 10.1098/rspb.2013.0853



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Der Oldenburger Neurobiologe Prof. Dr. Henrik Mouritsen erforscht den Magnetsinn von Vögeln seit über 15 Jahren.; Bildquelle: Universität Oldenburg

Wie funktioniert der Magnetsinn von Tieren?

Auf ihren oft mehrere tausend Kilometer langen Flügen navigieren Zugvögel erstaunlich präzise. Sie orientieren sich dabei am Sonnenstand, an den Sternen und am Erdmagnetfeld
Weiterlesen

In Nordeuropa eignet sich der sogenannte Deklinationswinkel gut, um die Ost-West-Position zu bestimmen (schwarze Linien). Das Diagramm zeigt die bevorzugte Orientierung der getesten Teichrohrsänger.; Bildquelle: Universität Oldenburg

Wie Zugvögel das Längengrad-Problem lösen

Den Längengrad zu bestimmen, war über Jahrhunderte für Seefahrer eine große Herausforderung. Erst im 18. Jahrhundert konnten die Menschen ihre Ost-West-Position ermitteln
Weiterlesen

Universität Duisburg-Essen

Schweine mit innerem Kompass

Wild- und Warzenschweine haben anscheinend einen Magnetsinn – das fand ein deutsch-tschechisches Forscherteam um den Zoologen Dr. E. Pascal Malkemper von der Universität Duisburg-Essen (UDE) heraus
Weiterlesen

Goethe-Universität Frankfurt am Main

Lichtabhängiger Magnetkompass der Vögel

Zugvögel, aber auch Hühner, besitzen in ihrem Auge einen lichtabhängigen Kompass. Er gibt ihnen Informationen über die Richtung des Erdmagnetfelds
Weiterlesen

Hunde und manche Affen besitzen in ihren Augen Moleküle, mit denen sie möglicherweise das Magnetfeld der Erde wahrnehmen können.; Bildquelle: Leo Peichl

Hunde und Affen besitzen Molekül für Magnetfeld-Wahrnehmung im Auge

Hundeartige Raubtiere sowie einige Affenarten können sich möglicherweise ähnlich wie Vögel am Erdmagnetfeld orientieren
Weiterlesen

Waldmaus; Bildquelle: UDE

Auch die Waldmaus hat einen Magnetsinn

Dass Zugvögel dank des Erdmagnetfelds den Weg zu ihren Winter- und Brutquartieren finden, ist schon lange bekannt. Dass dieser sechste Sinn auch ganz ähnlich bei der Waldmaus zu finden ist, fand ein internationales Team um Dr. E. Pascal Malkemper von der Universität Duisburg-Essen (UDE) heraus
Weiterlesen

Universität Duisburg-Essen

Auch Hunde haben einen Magnetsinn

Der beste Freund des Menschen, der Hund, ist bekannt für sein ausgezeichnetes Hörvermögen und seinen feinen Geruchssinn. Neu ist die Erkenntnis, dass er auch einen Magnetsinn hat und sich deshalb möglicherweise auch besonders gut orientieren kann
Weiterlesen

Deutsche Wildtier StiftungGoethe-Universität Frankfurt am Main

Kompass im Vogel-Auge entschlüsselt

Zugvögel, aber auch Haushühner, orientieren sich im Magnetfeld der Erde mithilfe eines Kompasses im Auge, der durch Licht aktiviert wird. Ähnlich wie ein Inklinationskompass reagiert er auf die Neigung des Erdmagnetfeldes zur Erdoberfläche und unterscheidet so zwischen „polwärts" und „quatorwärts"
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen

24.05.