In freier Natur ausgestorbener Spix-Ara soll ab 2021 wieder ausgewildert werden

(04.03.2015) Das Schlüpfen zweier Spix-Ara-Küken im April 2014 bedeutete für den Verein "Association for the Conservation of Threatened Parrots e. V." (ACTP) in Schöneiche (Kreis Oder-Spree) einen spektakulären Zuchterfolg.


Spix-Aras Carla und Tiago
Denn die Spix-Aras sind in freier Wildbahn seit Jahrzehnten ausgestorben. Die nach den Helden der beiden "Rio"-Kinohits benannten Vögel Carla und Tiago wurden jetzt in einer aufwändigen Aktion per Flugzeug von Berlin nach Sao Paulo überführt und dort anlässlich des World Wildlife Days am 3. März der brasilianischen Regierung übergeben.

Ziel ist die Wiederauswilderung der Spix-Aras in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet im Nordosten Brasiliens ab dem Jahr 2021.

Carla und Tiagos aufregende Reise, die in enger Kooperation und Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) realisiert wurde, startete am Montag in Berlin, führte über Madrid und schließlich nach Sao Paulo.

Die beiden Vögel kamen nach ihrer Ankunft in Brasilien sofort in Quarantäne, wo sie jetzt für 15 Tage unter Beobachtung verbleiben. Anschließend werden sie beim brasilianischen Projektpartner "Nest" betreut.

ACTP-Kurator Enrico Sydow: "Wir sind sehr stolz, dass wir inzwischen nicht nur regelmäßige Zuchterfolge verzeichnen, sondern auch immer wieder Tiere an unsere brasilianischen Partner übergeben können.


BM'in Hendricks verabschiedet die Papageien "Carla und Tiago" nach Brasilien. Carla und Tiago sind zwei Spix Aras, die in der Wildnis ausgestorben sind. Die beiden sind in Deutschland geboren und sollen in Brasilien wieder ausgewildert werden

Ganz besonders freut uns, dass zum zehnjährigen Jubiläum unseres Zuchtprogramms diesmal auch ein Männchen dabei ist." Unter den in Brasilien lebenden zehn Spix-Aras sind lediglich zwei Exemplare männlich.

Die globalen Zuchtprogramme in Schöneiche, Katar und Brasilien verzeichnen zusammen einen Gesamtbestand von lediglich 93 Spix-Aras (53 Weibchen und 40 Männchen).

Der ACTP hatte nach Auskunft Sydows mit Spix-Ara-Transporten bereits seine Erfahrungen gesammelt: Schon vor zwei Jahren wurden in einer bis zum damaligen Zeitpunkt weltweit einmaligen Maßnahme zwei Exemplare an den brasilianischen Staat übergeben.


Carla and Tiago

Damals wie heute lief alles glatt. Enrico Sydow: "Die zwei Spix-Aras blieben während des gesamten Flugs sehr cool. Sie saßen in ihrer eigens für den Flug konstruierten Transportbox zusammen mit ihren Pflegern in der Kabine. Die Box war mit einem leichten Tuch verhüllt. Papageien sind per se sehr intelligent und neugierig, und auf diese Weise haben wir die Tiere beruhigt."

Gemeinsam mit anderen Unterstützern erwarb der ACTP bereits ein 400 Hektar großes Gebiet, in dem später die Auswilderung stattfinden soll. Darüber hinaus sind Mittel in die Finanzierung der "Blue Macaw"-Schule geflossen, die kostenlosen Unterricht für Kinder und auch einige Erwachsene anbietet. Neben dem Unterricht soll die dortige Bevölkerung für die Belange der Spix-Aras sensibilisiert werden.


Spix-Ara-Küken

Carla gehört dem brasilianischen Staat, während Tiago Eigentum des ACTP war. Der Verein übereignete Tiago jetzt laut Übergabe-Zertifikat "der brasilianischen Regierung und dem brasilianischen Volk" als Zeichen der Verbundenheit mit dem Wiederauswilderungs-Programm.

Die beiden weltweiten "Rio"-Kassenschlager zeichnen das Schicksal der letzten Spix-Aras zwar entlang einer fiktiven Handlung nach, doch habe der Riesenerfolg der beiden Filme nach Angaben Sydows das öffentliche Interesse für die bedrohten Vögel schlagartig erhöht: "Unser umfangreiches Zuchtprogramm und die geplante Wiederaussiedlung der Spix-Aras sind eigentlich das ideale Drehbuch für 'Rio 3'".



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