Mag. Claudia und Dr. Manfred Hochleithner

Die Legenot beim Vogel Ursachen und Behandlung

(14.01.2005) Legenot ist eine gefürchtete Erkrankung verschiedener in Gefangenschaft gehaltener Ziervögel. Davon betroffen sind sowohl Papageienvögel als auch Finkenvögel, wobei unter unseren Patienten Wellensittiche, Nymphensittiche, Kanarien-vögel und Graupapageien die Statistik anführen.

Ei eines Graupapageis. Obwohl das Ei sehr gross wirkt, entspricht es der normalen Grösse bei Graupapageien. Nach zwei Kalciuminjektionen wurde das Ei ohne weitere Hilfe gelegt.; Bildquelle: www.papageienschutz.org
Ei eines Graupapageis. Obwohl das Ei sehr gross wirkt, entspricht es der normalen Grösse bei Graupapageien. Nach zwei Kalciuminjektionen wurde das Ei ohne weitere Hilfe gelegt.
URSACHE

Ist man früher davon ausgegangen, dass ein zu großes Ei für die Legenot verantwortlich ist, weiß man heute, dass in den meisten Fällen (>90 %) ein Mangel von Kalzium zu einer Störung beim Transport des Eies im Legedarm (beim Vogel wird üblicherweise nicht zwischen Eileiter und Uterus unterschieden, sondern beide gemeinsam als Legedarm bezeichnet) führt und es damit zu einem Festsitzen des Eies und den Symptomen der Legenot kommt.

Zum besseren Verständnis wollen wir kurz den normalen Legevorgang beleuchten: Einige Zeit bevor der weibliche Vogel das erste Ei legt, wird durch Hormone gesteuert Kalzium in die Knochen eingelagert, welches bei der Eibildung und dem Transport dann zur Verfügung stehen kann. Diesen Vorgang kann man auch mittels Röntgenuntersuchung feststellen. Je nach Spezies werden üblicherweise 3-5 Eier in einem sehr kurzen Zeitraum gelegt. Untersuchungen bei Hühnern haben gezeigt, dass die kürzeste Zeit, die ein Ei von der Ablösung der Dotterkugel bis zur Ablage benötigt, 24,5 Stunden beträgt. Daraus ergibt sich auch die kürzestmögliche Zeit für die Fertigstellung des Geleges. Wenn man die Menge an Kalzium bedenkt, die in jeder Eischale enthalten ist, kann man sich leicht vorstellen, welche Mengen an Kalzium vor der Eiablage eingelagert werden müssen um ein reibungsloses Legen zu gewährleisten.
Betrachtet man nun die "übliche" Ernährung unserer Ziervögel und deren Kalziumgehalt, wird ein Problem offensichtlich: Die Hauptnahrung fast aller bei uns gehaltenen Papageien- und Finkenvögel besteht nach wie vor aus Körnermischungen. Seit langem ist bekannt, dass in Körnern etwa 20 lebenswichtige Bestandteile in zu geringen Mengen enthalten sind, was über längere Zeit zu einer Mangelerkrankung führt. In Bezug auf Kalzium ist nun nicht alleine ein "Zuwenig" an Kalzium für das Problem verantwortlich, sondern es entsteht auch ein "Zuviel" an Phosphor in der Nahrung. Diese beiden Elemente sollten in der Nahrung in einem Verhältnis von 2 Teilen Kalzium zu 1 Teil Phosphor vorhanden sein, um vom Körper optimal genutzt werden zu können. Bei den Sonnenblumenkernen zum Bespiel ist dieses Verhältnis 1 zu 7.
Zusätzlich bindet Fett in der Nahrung verfügbares Kalzium und des weiteren muss ausreichend Vitamin D vorhanden sein, um das Kalzium in der Nahrung überhaupt für den Vogel verfügbar zu machen. Daher kann man davon ausgehen, dass der Grossteil der Stubenvögel einen Kalziummangel hat und dadurch ein erhöhtes Risiko besteht, dass Legenot auftritt.
Viele Vogelbesitzer meinen, dass einzeln gehaltene weibliche Vögel keine Eier legen. Abgesehen vom tierquälerischen Aspekt der Einzelhaltung von Papageien trifft diese Tatsache nicht zu. Weibliche Vögel benötigen zur Eiablage nicht den Reiz oder die Befruchtung durch einen männlichen Vogel (siehe Intensivtierhaltung zur Produktion von Hühnereiern) und daher besteht immer - auch nach Jahren der völligen geschlechtlichen Isolation und Inaktivität - die Gefahr einer Legenot.

VORBEUGEN

Bei optimalen Haltungs- und Fütterungsbedingungen ist das Auftreten der Legenot wirklich auf die seltenen Fälle von zu großen oder missgebildeten Eiern beschränkt.

Fütterung: Das Futter muss auf jeden Fall genügend Kalzium sowie Vitamin D enthalten. Kalziumpulver über die Körnermischungen zu streuen ist unzureichend, da die Vögel die Körnerhülsen und damit das aufgebrachte Kalzium nicht mitfressen. Zusatzfuttermittel, die reich an Kalzium sind, stellen, wenn der Vogel sie frisst, eine gute Möglichkeit dar. Hervorzuheben sind dabei Milchprodukte (Käse, Topfen, Joghurt) sowie lange gekochte Eischalen. Hochwertige pelletierte Fertigfutter, wie sie heute auch bei uns im Handel erhältlich sind, sind ebenfalls ausreichend mit Kalzium und Vitamin D angereichert.

Haltung: Wichtigster Haltungsfaktor zur Verhinderung der Legenot ist eine Beleuchtung, die ultraviolettes Licht enthält. Sonnenlicht, welches durch normale Fensterscheiben kommt, enthält diese nicht mehr. Die UV-Strahlung ist für die Bildung der aktiven Form des Vitamin D in der Haut verantwortlich, welches selbst bei ausreichender Verfütterung von Kalzium ohne diese aus dem Darm nicht aufgenommen werden kann.

INFORMATION

Wenn man als Besitzer nicht weiß, welches Geschlecht sein Vogel hat, kann man natürlich auch nicht richtig auf die Symptome der Legenot (aufgeplustert am Boden sitzen, sehr große weiche Kotmassen, Pressen teilweise mit leichter Ausstülpung der Kloake) reagieren. Neben der Endoskopie besteht heutzutage die Möglichkeit, das Geschlecht mittels Blut oder Federprobe bestimmen zu lassen.

Sehr grosses Ei, ebenfalls Graupapagei, aber die Lage des Eis entspricht nicht. Bei genauer Betrachtung ist ein zweites, schlecht kalzifiziertes Ei davor sichtbar.; Bildquelle: www.papageienschutz.org
Sehr grosses Ei, ebenfalls Graupapagei, aber die Lage des Eis entspricht nicht. Bei genauer Betrachtung ist ein zweites, schlecht kalzifiziertes Ei davor sichtbar.
BEHANDLUNG

Das Schlechteste ist, zu versuchen mittels Druck auf den Bauch das Ei herauszudrücken. Dabei kommt es sehr leicht zu Verletzungen des Legedarms und leider dadurch bedingt zum Tod des Vogels. Wärme, eine ruhige Umgebung und Zuführen von Kalzium reichen in vielen Fällen aus. Umso kleiner der Vogel ist, umso weniger Zeit bleibt, bis es zu irreversiblen Schäden kommt. Daher sollte bei Verdacht schnellstens ein Tierarzt aufgesucht werden.
Der Großteil der Vögel kann durch Kalziuminjektionen geheilt werden. Gelingt es dadurch nicht, werden Hormone gespritzt. Kommt es auch dadurch nicht zur Eiablage, muss das Ei chirurgisch entwickelt werden. Je nach dem Zustand des Vogels kann dabei gleich eine Kastration erfolgen. Vor Beginn der Behandlung muss ein Röntgenbild angefertigt werden. Dabei wird neben dem Ei (Größe, Form) auch die Struktur der Knochen beurteilt.

In seltenen Fällen wird trotz Legenot ein weiteres Ei produziert - in solch einem Fall ist üblicherweise ein chirurgisches Vorgehen notwendig. In der Abbildung unten sehen Sie ein deutlich ausgebildetes Ei und dahinter ein Ei mit mit fast nicht erkennbarere Eischale.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen einen kleinen Überblick über die Problematik der Legenot geben. Bei guter Fütterung und Haltung sollte sie heutzutage kein Problem in der Vogelhaltung mehr sein. Leider muss noch ein Grossteil der Stubenvögel unter unzureichendem Futter und falscher Haltung leiden.

Mag. Claudia und Dr. Manfred Hochleithner

Tierklinik Strebersdorf
www.kleintierklinik.at

Quelle: www.papageienschutz.org

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