40 Jahre Deutsches Primatenzentrum in Göttingen

(18.08.2017) „Irgendwas mit Affen. Irgendwo am Nordcampus der Uni.“ Dies hört man gelegentlich, wenn das Gespräch auf das Deutsche Primatenzentrum (DPZ) kommt.

Tatsächlich betreibt das DPZ seit nunmehr 40 Jahren biologische und biomedizinische Forschung auf allen Gebieten, in denen Studien mit Primaten eine zentrale Rolle spielen. Konkret bedeutet das: 400 Mitarbeiter, 1300 Affen, vier Forschungsstationen in Peru, Senegal, Madagaskar und Thailand sowie neun wissenschaftliche Abteilungen in den Sektionen Infektionsforschung, Neurowissenschaften und Primatenbiologie.

Das DPZ-Hauptgebäude mit Tierhaus (Mitte) und Laborgebäude (links).; Bildquelle: Manfred Eberle
Das DPZ-Hauptgebäude mit Tierhaus (Mitte) und Laborgebäude (links).

Die durchaus turbulenten Anfangsjahre, das Wachstum des Instituts zu seiner heutigen Größe und die wichtigsten Meilensteine sind jetzt nachzulesen in einer Chronik, die anlässlich der Festveranstaltung am 17. August erstmals vorgestellt wurde.

Im Jubiläumsjahr hat das DPZ verschiedene Veranstaltungen für die Öffentlichkeit geplant, unter anderem Führungen durch die Primatenhaltung, eine Ausstellung zum Thema Primaten und mehrere Vorträge rund um unsere nächsten Verwandten.

Schon Anfang der 1960er Jahre wurde in Wissenschaftlerkreisen über die Notwendigkeit eines deutschen Primatenzentrums diskutiert und ein entsprechendes Konzept ausgearbeitet, das auch die Unterstützung der Politik fand. Das schwungvoll gestartete Projekt geriet dann allerdings ins Stocken, da zunächst kein geeigneter Standort gefunden wurde.

Aufgrund der guten Verkehrsanbindung und der neurowissenschaftlichen Kompetenz an der Universität Göttingen fiel schließlich die Entscheidung für Südniedersachsen. Das Problem dabei: Keine der Gemeinden rund um Göttingen wollte das DPZ haben. Die Bürger fürchteten sich vor Erregern, die die Affen und ihre Tierpfleger im Dorf verbreiten könnten.

Auch wenn diese Sorge unbegründet war, blieb die Standortfrage lange Zeit kritisch. Dank des Einsatzes des niedersächsischen Wissenschaftsministeriums und der Stadt Göttingen stand schließlich ein Gelände am Nordcampus der Universität Göttingen für den Bau des DPZ zur Verfügung.

Nachdem die Finanzierungsfrage durch Bund und Länder geklärt war, konnte im August 1977 der Gesellschaftsvertrag unterschrieben und damit das DPZ offiziell gegründet werden. Erster Direktor war der noch heute in Göttingen lebende Hans-Jürg Kuhn.

In der Anfangszeit arbeitete die Geschäftsführung des DPZ in angemieteten Räumen bis das erste Labor- und Zentralgebäude im Jahr 1983 fertiggestellt war.

„Seitdem hat sich das DPZ rasant entwickelt, von 75 Mitarbeitern im Jahr 1984 bis auf über 400 heute“, sagt Michael Lankeit, seit 1989 administrativer Geschäftsführer des Deutschen Primatenzentrums. Zugenommen hat auch die Anzahl der wissenschaftlichen Abteilungen, von ehemals vier auf heute neun.

„Eine unserer Stärken ist unsere wissenschaftliche Breite. Wir forschen inzwischen auf allen Gebieten, in denen Studien an Primaten eine bedeutende Rolle spielen. Um das auf hohem Niveau zu leisten, war unser Wachstum in den letzten Jahren notwendig“, sagt Stefan Treue, Direktor des DPZ.

Auch im Bereich der Primatenhaltung hat sich viel getan. Die zurzeit rund 1300 Affen werden von knapp 40 Tierpflegern und 4 Tierärzten betreut. „Tierschutz hat bei uns einen hohen Stellenwert. Wir haben hervorragend ausgebildete Tierpfleger und Tierschutzbeauftragte, die sich um das Wohlergehen der Affen kümmern“, sagt Stefan Treue.

Das DPZ steht für Transparenz und Offenheit im Bereich Tierversuche. So finden sich zahlreiche Videos, Bilder und Texte zu dem Thema auf der DPZ-Website und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts stehen regelmäßig für Interviews vor Mikrofon und Kamera.

Veranstaltungen im Jubiläumsjahr

Im Jubiläumsjahr hat das Deutsche Primatenzentrum verschiedene Aktivitäten für die Öffentlichkeit geplant. Im Rahmen von kostenlosen Führungen stellt das DPZ seine Forschungsschwerpunkte vor und gibt einen Einblick in die Außenanlagen der Primatenhaltung.

Diese Führungen – für alle Interessierten ab 15 Jahre – finden vom 23. August bis 22. September an mehreren Terminen statt, eine Anmeldung über die DPZ-Website ist erforderlich. Am 8. September wird die Ausstellung „Primaten“ eröffnet.

Hier zeigt das DPZ nicht nur die große Vielfalt unserer nächsten Verwandten, sondern gibt auch einen Einblick in die Forschung an den Feldstationen.

Im Rahmen der Ausstellung sind mehrere Begleitveranstaltungen geplant, unter anderem Vorträge und Führungen.



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Ein Grauer Mausmaki (Microcebus murinus). Die nachtaktiven Tiere gehören mit durchschnittlich 60 Gramm Körpergewicht zu den kleinsten Vertretern unter den Primaten.; Bildquelle: Anni M. Hämäläinen

Gestresste Mausmakis sterben früher

Wissenschaftler am Deutschen Primatenzentrum untersuchen den Zusammenhang zwischen Stress und Überlebenschancen bei Lemuren
Weiterlesen

Menschliche Zellen, die Virosomen produzieren.; Bildquelle: Universitätsklinikum Tübingen

Wie das Ebola-Virus das Immunsystem in die Irre führt

Cleveres Ablenkungsmanöver durch virale Täuschkörper: Wie das Ebola-Virus das Immunsystem in die Irre führt. Aktuell publiziert in Cell Reports
Weiterlesen

Anubispaviane leben in großen Gruppen. Auch Infektionskrankheiten nutzen diese sozialen Netzwerke um von einem Tier auf das andere übertragen zu werden.; Bildquelle: Sascha Knauf

Konferenz der Gesellschaft für Primatologie am Deutschen Primatenzentrum

Sie sind unsere engsten Verwandten, leben wie wir in komplexen sozialen Beziehungen und verblüffen regelmäßig durch ihre hohen kognitiven Fähigkeiten
Weiterlesen

Dr. Markus Hoffmann, Hannah-Kleine-Weber und Prof. Dr. Stefan Pöhlmann, Abteilung Infektionsbiologie am Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung; Bildquelle: Karin Tilch

Mutationen machen MERS-Virus resistenter gegen die Abwehrkräfte des Immunsystems

Was bei Dromedaren nur einen harmlosen Schnupfen hervorruft, kann für den Menschen tödlich enden: Eine Infektion mit MERS-Viren
Weiterlesen

Ein weiblicher (links) und ein männlicher (rechts) Rotstirnmaki mit Jungtier (Mitte).; Bildquelle: Louise Peckre

Lemuren behandeln Magen-Darm-Beschwerden mit Tausendfüßlern

Madagassische Rotstirnmakis kauen auf Tausendfüßlern, um Darmparasiten loszuwerden
Weiterlesen

Der Madame Berthes-Mausmaki (Microcebus berthae) lebt in und um den Kirindy-Wald im Westen Madagaskars. Er ist der kleinste Primat der Welt und vom Aussterben bedroht.; Bildquelle: Uwe Zimmermann

Internationale Experten fordern sofortige Maßnahmen zum Schutz bedrohter Affenarten

Affen sind faszinierend. Sie sind intelligent, leben in komplexen Gesellschaften und sind ein wichtiger Teil der Ökosysteme. Darüber hinaus sind sie mit uns verwandt
Weiterlesen

Ein männlicher Myanmar-Stumpfnasenaffe. Die Primatenart wurde 2010 in den Wäldern Myanmars entdeckt und ist vom Aussterben bedroht.; Bildquelle: Shaohua Dong

Hoffnung für Myanmar-Stumpfnasenaffen

Acht Jahre nach der Entdeckung der vom Aussterben bedrohten Primatenart versprechen Schutzmaßnahmen erste Erfolge
Weiterlesen

Dr. Marlen Fröhlich während ihrer Feldstudien an Schimpansen im Kibale-Nationalpark in Uganda.; Bildquelle: Patrick Schiller

Marlen Fröhlich gewinnt Förderpreis des Deutschen Primatenzentrums

Verhaltensforscherin wird für ihre Erkenntnisse zur gestischen Kommunikation bei Schimpansen und Bonobos ausgezeichnet
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen

19.04.