Rettungsplan für die letzten 2.500 Afrikanischen Wildhunde

(24.03.2013) Mit seinem vanille-braun-schwarz gefleckten Fell wirkt der Afrikanische Wildhund auf den ersten Blick wie ein bunt-getupfter Schäferhund. Sein drahtiger Körperbau erinnert an eine Hyäne, und sein spitz zulaufendes Gesicht an einen Wolf mit runden fledermausartigen Ohren.

Diese charmante Mischung aus Hund, Wolf und Hyäne macht klar: Der Afrikanische Wildhund, dessen wissenschaftlicher Name „Lycaon pictus“ übersetzt „bunter Wolf“ bedeutet, ist eine ganz außergewöhnliche Art, über die noch nicht allzu viel bekannt ist.

Die Wildhund-Forscher des SAVE Wildlife Conservation Fund konnten in Botswana bereits einige bemerkenswerte Dinge beobachten: Afrikanische Wildhunde gehören zu den sozialsten Tieren auf diesem Planeten. Innerhalb des Rudels, das aus etwa 10-30 Tieren besteht, gilt das Gesetz „Einer für alle, alle für einen“.

Dies ist in der Tierwelt außergewöhnlich: Kranke, schwache und alte Tiere werden nicht ausgestoßen und sich selbst überlassen, sondern alle Rudelmitglieder kümmern sich gemeinsam um Familienmitglieder, denen es nicht gut geht und teilen mit ihnen ihre Beute.  Ebenso wird jeder Neuankömmling freudig von allen begrüßt, und das komplette Rudel kümmert sich gemeinsam um die Aufzucht der Welpen.

Auch gejagt wird gemeinsam und die Beute danach gerecht geteilt, so dass alle Rudelmitglieder satt werden. Die unzähligen unterschiedlichen Laute, mit denen die Tiere dabei kommunizieren, versuchen die SAVE-Forscher gerade erst zu entschlüsseln.

Wildhund-Experten machen sich jedoch große Sorgen um die Zukunft des „bunten gefleckten Wolfes“. Einst gab es 250.000 Tiere im südlichen Afrika, heute sind es gerade mal nach Schätzungen 2.500. Sein Lebensraum ist bedroht, weil die Bevölkerung in diesen Ländern stetig wächst oder die Wildhund- Areale dem Minenbau zum Opfer fallen. Seine bis zu 1.000 Quadratmeter großen Jagdreviere sind von Schnellstraßen durchkreuzt, so dass zahlreiche Tiere überfahren werden.

Farmer erschießen oder vergiften die gefleckten Jäger, sobald sie Kühe oder Ziegen wildern. Auch tödliche Krankheiten wie Staupe, die durch den Haushund übertragen wird, bedrohen ihre Existenz. Infektionen verbreiten sich durch ihre soziale Art mit intensivem Körperkontakt innerhalb des Rudels viel schneller als bei anderen Tierarten.

Aber es gibt auch Hoffnung für den Afrikanischen Wildhund: Einige wenige Experten kämpfen für sein Überleben, unter anderem ein Forscherteam des SAVE Wildlife Conservation Fund. Die Wildhundforscher in Botswana haben vor kurzem einen Rettungsplan erarbeitet, der eine Sofort-Rettung ermöglicht: Unter einer Art SOS-Notruf-Nummer erfahren Farmer am Rand des Schutzgebietes Central Kalahari Game Reserve in Botswana umgehende Hilfe, sobald ein Wildhundrudel das Farmgelände betritt: sei es durch Vertreiben oder Umsiedeln der Wildhunde.

SAVE hofft, dass möglichst viele Farmer von der Notruf-Nummer Gebrauch machen werden. Denn erst dann besteht eine große Chance, das Überleben der Tiere in den konfliktreichsten Gebieten Botswanas langfristig zu sichern.

Es gibt noch einen weiteren Hoffnungsschimmer: Der Afrikanische Wildhund ist eins der Tierarten, die maßgeblich vom neuen Mega-Wildschutzgebiet KaZa profitieren sollen. Es erstreckt sich über fünf Länder und mit KaZa wird das zweitgrößte zusammenhängende Schutzgebiet der Erde entstehen.

Zäune werden niedergerissen, alte Wanderkorridore wieder geöffnet: für Elefanten, Zebras, Gnus und viele andere Wildtiere, aber eben auch für den Afrikanischen Wildhund.



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