Spezialisierte Allesfresser: Rotfüchse mögen es individuell unterschiedlich in Stadt und Land

(29.10.2020) Füchse gelten als besonders anpassungsfähig und leben sehr erfolgreich in zahlreichen Großstädten.

Einen wichtigen Aspekt dieser Anpassungen hat nun ein Team von Wissenschaftler*innen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung Berlin (Leibniz-IZW) in Kooperation mit dem Landeslabor Berlin-Brandenburg entschlüsselt.

Sie stellten mittels Stabil-Isotopenanalyse fest, dass individuelle Rotfüchse (Vulpes vulpes) ein wesentlich kleineres (und voneinander verschiedenes) Nahrungsspektrum aufweisen, als dies von dem als Allesfresser bekannten Rotfuchs zu erwarten gewesen wäre.


Stadtfuchs mit potenzieller Nahrung

Die Population der Landfüchse ernährt sich deutlich abwechslungsreicher als ihre urbanen Verwandten, deren Essenstisch sich zwischen den einzelnen Individuen wenig unterschied. Das Nahrungsspektrum von Stadt- und Landfüchsen überlappte sich kaum.

Die hier festgestellte Kombination von Flexibilität und Spezialisierung ist ein Schlüssel für die Anpassungsfähigkeit des Allesfressers, so das Fazit des in der Fachzeitschrift „Ecology and Evolution“ erschienenen Aufsatzes.

Die Ernährung ist von entscheidender Bedeutung für die Überlebensfähigkeit eines jeden Tiers. Mittels Stabil-Isotopenanalyse hat das Team um die Erstautorin Carolin Scholz (Leibniz-IZW) nun das Nahrungsspektrum von in der Großstadt und auf dem Land lebenden Füchsen entschlüsselt.

Die Ergebnisse bestätigten, dass Füchse im Prinzip Allesfresser sind und sich von einer Vielzahl verschiedener Tiere und Pflanzen ernähren können. Zugleich zeigten die Ergebnisse zwei Gruppen von Spezialisierungen: „Zum Ersten ist die Ernährung von Landfüchsen viel abwechslungsreicher als die der Stadtfüchse“, erklärt Scholz.

„Während wir bei Füchse in unversiegelten Lebensräumen ein breites Spektrum an Nahrungsmitteln von pflanzlicher Kost über Weichtiere und Insekten bis hin zu größeren Beutetieren nachwiesen, nutzten urbane Füchse wohl die Vorzüge des Großstadtlebens und ernährten sich vor allem von Ressourcen mit erhöhten δ13C-Werten, die typisch für weggeworfene Lebensmittel sind.“

Zum Zweiten bestätigten die Isotopenanalysen, dass jeder Fuchs für sich – egal ob in der Stadt oder auf dem Land – wählerisch ist und sich auf eine bestimmte Nahrung spezialisiert. Obgleich also die Population der Landfüchse insgesamt ein sehr breites Spektrum von Nahrungsmitteln verzehrt, ist die Ernährung jedes einzelnen Landfuchses recht eintönig. Im Vergleich dazu pflegten Stadtfüchse gewissermaßen eine doppelte Eintönigkeit am Essenstisch: Sowohl jedes Individuum als auch die Population als Ganzes frisst sehr häufig weggeworfene Lebensmittel.

Der Umstand, dass der Rotfuchs so gut wie alles fressen kann, ist sicherlich ein Schlüssel zum Erfolg bei der Eroberung urbaner Lebensräume. Dass Stadtfüchse alle dasselbe fressen, bedeutet zudem wohl, dass genug für alle da ist, so Scholz. „Offensichtlich gibt es genug für alle. Wir Stadtbewohner decken ihren Tisch reichlich – mit Essensresten, Abfällen, Kompost und Haustierfutter.“

Publikation

Scholz C, Firozpoor F, Kramer-Schadt S, Gras P, Schulze C, Kimmig SE, Voigt CC, Ortmann S (2020): Individual dietary spezialization in a generalist predator: A stable isotope analysis of urban and rural red foxes. Ecology and Evolution. DOI: 10.1002/ece3.6584


Weitere Meldungen

IZW

Stadtfuchs und Landfuchs: Genetische Analysen zeigen unterschiedliche Fuchs-Populationen in und um Berlin auf

Für Wildtiere können Städte sowohl neue Chancen als auch Bedrohungen darstellen. Manche Arten kommen in diesem neuartigen Lebensraum besser zurecht als andere.
Weiterlesen

Ein Fuchs in einem Berliner Garten, aufgenommen von einer Wildtierkamera des Leibniz-IZW; Bildquelle: Leibniz-IZW

Fuchs, Waschbär und Co. in Berliner Gärten – Wildtierforscher für dritte Projektrunde gesucht!

Zahlreiche Wildtierarten haben in den vergangenen Jahrzehnten den Weg nach Berlin gefunden und sich hier dauerhaft angesiedelt
Weiterlesen

Fuchs; Bildquelle: Sophia Kimmig/IZW

Berliner Stadtökologie: Bürger erforschen das Leben der Füchse in der Stadt

Fast jeder hat die Berliner Stadtfüchse schon einmal gesehen. Wir sehen sie an den unmöglichsten Orten, mitten am helllichten Tag
Weiterlesen

Fuchs im Schlosspark Schönbrunn; Bildquelle: wienerwildnis.at

Füchse leben vor allem im Westen Wiens

Rund 300 Füchse im Stadtgebiet meldeten Wiens EinwohnerInnen der Internetplattform stadtwildtiere.at in den letzten 3 Monaten. Die Meldungen belegen, dass Wildtiere nicht ausschließlich in entlegenen Wäldern, sondern immer häufiger auch in Städten leben
Weiterlesen

Neue Plattform zur Wildtierbeobachtung in Wien gestartet; Bildquelle: www.wienerwildnis.at

Neue Plattform zur Wildtierbeobachtung in Wien gestartet

Wildtiere erobern nach und nach den städtischen Raum. Um zu erheben, wo genau und vor allem welche Tierarten sich in Wien ansiedeln, etablierten Forschende der Vetmeduni Vienna die Internetplattform „StadtWildTiere“ in Wien
Weiterlesen

Zürich: Sonderausstellung «Stadtfüchse»

Im Gemeindegebiet der Stadt Zürich leben schätzungsweise 1'000 ausgewachsene Füchse. Hier profitieren sie von einem reichhaltigen Nahrungsangebot und von den zahlreichen Unterschlupfmöglichkeiten. Füchse aus dem Siedlungsraum zu vertreiben, welcher derart gute Lebensgrundlagen bietet, ist eine Illusion
Weiterlesen

Zürich: Sonderausstellung «Stadtfüchse»

Im Gemeindegebiet der Stadt Zürich leben schätzungsweise 1'000 ausgewachsene Füchse. Hier profitieren sie von einem reichhaltigen Nahrungsangebot und von den zahlreichen Unterschlupfmöglichkeiten
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen

09.10.