Fotos von Amazonastieren aus Kamerafallen liefern umfangreiche Daten zur Artenvielfalt

(01.06.2022) Ein internationales Forschendenteam hat die größte Datensammlung aus Kamerafallen über Tiere des Amazonas-Regenwaldes veröffentlicht.

Sie wird die Forschung über den Bestand, die Vielfalt und die Lebensraumbedingungen von Jaguaren, Tukanen, Harpyien und vielen anderen gefährdeten Regenwaldarten verbessern und zu deren Schutz beitragen. 147 Wissenschaftler aus 122 Forschungseinrichtungen und Naturschutzorganisationen arbeiteten unter der Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und der Friedrich-Schiller-Universität Jena zusammen.

Die neue Datenbank wurde jetzt in der Zeitschrift Ecology veröffentlicht.


Ein schwarzer Panther (Panthera onca) - ein melanisches Individuum - entdeckt eine der Kamerafallen in den Várzea-Auenwäldern des Mamirauá Sustainable Development Reserve (MSDR), Zentralamazonien

Auf den Bildern sieht es manchmal so aus, als hätten sich die Tiere absichtlich für ein Fotoshooting in Pose gesetzt. Es scheint, als ob die Tiere gerne in diese Fallen tappen: Wildtierkameras, die mit Sensoren ausgestattet sind und auslösen, wenn sich Tiere nähern.

Jaguare, Tukane, Harpyien, Ozelots, Tapire, Pekaris und viele mehr wurden bereits mit diesen Kamerafallen im Amazonasbecken fotografiert.

Ein internationales Forschendenteam hat nun erstmals Daten von zahlreichen Kamerafallenstudien aus verschiedenen Regionen des Amazonas zusammengestellt. Das Ergebnis ist die bisher umfassendste Datenbank zu Säugetier-, Vogel- und Reptilienarten in dieser Region.

Insgesamt wurden 120.849 Datensätze zu 289 Arten aus den Jahren 2001 bis 2020 gesammelt und vereinheitlicht. Die Daten liefern Informationen aus 143 Untersuchungsgebieten im gesamten Amazonasbecken – einem Gebiet von fast 8,5 Millionen Quadratkilometern, das sich über die Staaten Brasilien, Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Französisch-Guayana, Peru, Surinam und Venezuela erstreckt.

„Unsere Datenbank verbessert die Informationslage über Wirbeltiere im Amazonasgebiet erheblich“, sagt Ana Carolina Antunes, Doktorandin an der Universität Jena und Mitglied der iDiv-Forschungsgruppe Biodiversitätstheorie. Bisher war das Wissen über die Anzahl, die Vielfalt, die Verbreitungsmuster und das Verhalten der Arten in diesem Gebiet sehr lückenhaft und daher spärlich.

Die Informationen waren über viele Einzelveröffentlichungen, graue Literatur und unveröffentlichte Rohdaten verstreut. Diese Datenbank ermöglicht nun groß angelegte Analysen der zeitlichen und räumlichen Veränderungen der Populationsdichten und der Aufenthaltsmuster der Tiere. „Mit den Kameras kann man nicht nur schöne Fotos von den Tieren machen.

Sie liefern auch weitere wichtige Daten, aus denen sich ableiten lässt, wie sich der Klimawandel und die vom Menschen verursachten Landschaftsveränderungen auf Tiere und ihre Lebensräume in großem Maßstab auswirken. Dieses Wissen kann helfen, Schutzmaßnahmen für Tierarten zu entwickeln, die durch diese Veränderungen besonders bedroht sind“, sagt Antunes.

So kann die Datenbank zum Beispiel dazu beitragen, den Jaguar im Amazonaswald zu schützen, indem sie genauere Lebensraumanalysen liefert: Aussagen darüber, welche Lebensräume den Bedürfnissen des Jaguars am besten entsprechen und welche nicht. Die Ergebnisse der Analysen können für die Kartierung und Ausweisung von Schutzgebieten genutzt werden. Sie bestätigen auch die Bedeutung der bereits ausgewiesenen Schutzgebiete für den Jaguar und seine Beutetiere.

Die bisher fragmentierten Daten, die nur kleinere Gebiete abdeckten, erlaubten nur sehr spärliche Aussagen über die großräumigen Lebensräume, die Jaguare benötigen. Die Datenbank verbessert auch die Möglichkeiten zum Vergleich der Populationsdichten zwischen geschützten und nicht geschützten Gebieten. Und was die Datenanalyse für den Schutz des Jaguars ermöglicht, gilt natürlich auch für Ozelots, Tapire, Pekaris und viele mehr.

Um diese Datenbank aufbauen zu können, hat Antunes zusammen mit fünf weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus brasilianischen Forschungs- und Naturschutzorganisationen ein gemeinsames Netzwerk gegründet; insgesamt waren 147 Forscher aus fast 122 Einrichtungen beteiligt. Die Bedeutung dieser gewaltigen Anstrengung wird auch durch die breite finanzielle Unterstützung für diese Arbeit und die Beteiligung von insgesamt 32 Institutionen deutlich.

„Neben dieser starken institutionellen Unterstützung profitierte die Entwicklung der Datenbank vor allem von dem Wissen und die Mitwirkung von Organisationen und lokalen Gemeinschaften vor Ort", so Antunes. „Sie sind der Schlüssel zum Erhalt des Amazonaswaldes und des damit verbundenen Klimas, wodurch die Bereitstellung wesentlicher Ökosystemleistungen für die Gesellschaft gewährleistet wird.“

Die Amazonas-Kamerafallen-Datenbank ist Teil der "Amazonas-Datenreihe", einer Initiative, die 2017 mit der "Atlantik-Reihe", der "Brasilien-Reihe" und der ‘Neotropischen Reihe‘ gestartet wurde und von Milton Ribeiro und Mauro Galetti von der Staatlichen Universität São Paulo (UNESP) in Brasilien geleitet wird.

Ribeiro, der auch Senior-Autor dieser Studie ist, fügt hinzu: „Insgesamt ermöglichen uns diese Daten, unser Potenzial zur Beantwortung wichtiger Fragen im Zusammenhang mit der Erhaltung und der Entwicklung der öffentlichen Politik zu erweitern“.


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