Neue Studie über die Ansiedlung der Käuze in der Nordschweiz

(18.03.2019) Der Steinkauz, der Athene noctua, ist eine kleine nachtaktive Eule und gehört zu den auf der deutschen Roten Liste als gefährdet eingestuften Vogelarten.

In den letzten Jahren ist es gelungen die bestehenden Steinkauzpopulationen im Südwesten Deutschlands stabil zu halten, teilweise steigen die Zahlen sogar.

In der benachbarten Nordschweiz haben sich dagegen immer noch keine Populationen etabliert, obwohl die Bedingungen für die Art geeignet erscheinen.


Eine natürliche Wiederansiedlung der Steinkäuze in der Nordschweiz ist möglich

Ein Forscherteam um Severin Hauenstein von der Abteilung für Biometrie und Umweltsystemanalyse der Universität Freiburg hat nun untersucht, ob junge Steinkäuze aus Deutschland die Nordschweiz erreichen könnten und so eine natürliche Wiederansiedlung gelingen könnte.

Ihre Ergebnisse stellen die beteiligten Forschenden nun in der Fachzeitschrift „Ecological Applications” vor.

Die Ausbreitungsmuster von Tieren vorherzusagen, sei schwierig, so Hauenstein. Deshalb haben er und die an der Studie Beteiligten von der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach/Schweiz, dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig (iDiv), dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) sowie der Universität Regensburg ein auf Individuen basiertes Computermodell entwickelt.

Mittels Simulationen können die Forschenden beurteilen, ob Individuen aus derzeit expandierenden Steinkauz-Populationen im Südwesten Deutschlands in der Lage sind, in geeignete Lebensräume in der Nordschweiz zu migrieren. Aufgrund der intensiven Landwirtschaft und des stetigen Lebensraumverlusts, ist der Steinkauz in der Schweiz nahezu ausgestorben.

Die Bewegungsparameter in dem Modell wurden über Verfahren der Bayes’schen Statistik basierend auf Radiotelemetriedaten von juvenilen Steinkäuzen geschätzt. Unter anderem konnten die Forschenden so plausible Unterschiede zwischen Individuen und Geschlechtern nachweisen - weibliche Jungkäuze fliegen geradliniger und legen längere Einzelstrecken während der Migrationsphase zurück, während sich ihre männlichen Pendants tendenziell durch längere Rastperioden und stärkere Lebensraumtreue auszeichnen.

Hauenstein erklärt, dass die gewonnenen Erkenntnisse darauf hindeuten, dass eine natürliche Wiederansiedlung der Steinkäuze in der Nordschweiz generell möglich ist, wenn auch eingeschränkt: „Besonders zersiedelte Gebiete wie zum Beispiel rund um das Drei-Länder-Eck bei Basel scheinen die Wanderbewegungen der juvenilen Steinkäuze stark einzuschränken.

Außerdem meiden Steinkäuze bewaldete Gebiete, da dort ihr natürlicher Feind, der Waldkauz, vorkommt sowie höher gelegene Gebiete, wie Jura, Schwarzwald und Schwäbische Alb.“ Die Wissenschaftler stellen in der Studie bestehende, aber enge Migrationskorridore heraus, wie beispielsweise das untere Aaretal oder auch das Fricktal südöstlich von Basel.

Indem dort der Lebensraum für die Tiere aufgewertet wird, zum Beispiel durch die Extensivierung der Landwirtschaft oder das Bereitstellen von Nisthilfen, könnte die Ansiedlung der kleinen Eulen in der Nordschweiz beschleunigt werden.

Publikation

Hauenstein, S., Fattebert, J., Grüebler, M.U., Naef-Daenzer, B., Pe’er, G., Hartig, F. (2019): “Calibrating an individual-based movement model to predict functional connectivity for little owls”. In: Ecological Applications. DOI: 10.1002/eap.1873


Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Steinkauzeltern sind nachts ständig unterwegs, um die hungrigen Schnäbel ihrer Jungen zu stopfen. Das gelingt vor allem in strukturreichen Gebieten, weil diese mehr Nahrung bieten; Bildquelle: Schweizerische Vogelwarte Sempach

Für den Steinkauz ist die Revierqualität entscheidend

Für den Steinkauz ist die Jungenaufzucht in vielfältigen und extensiv genutzten Landwirtschaftsgebieten am einfachsten. Hier findet er auch in einem kleinen Revier genügend Futter und kann seine Jungen in kürzerer Zeit häufiger damit versorgen
Weiterlesen

Waldkauz; Bildquelle: Rosl-Rössner

Waldkauz ist Vogel des Jahres 2017

Der Jäger der Nacht steht 2017 stellvertretend für sämtliche Eulenarten – er ist Botschafter für den Erhalt nahrungsreicher Wälder mit großem Altbaum- und Totholzbestand
Weiterlesen

Sumpfohreule; Bildquelle: Vier Pfoten

Sumpfohreule mit Schädel-Hirn-Trauma

Verletzte „Sumpfi“ kann nach Behandlung in der EGS demnächst wieder freigelassen werden
Weiterlesen

Eulenküken verändern mit zunehmendem Alter ihr Schlafverhalten: Je älter sie werden, desto weniger Zeit verbringen sie im REM-Schlaf. Parallel dazu bekommt ihr Federkleid immer mehr schwarze Punkte - diese Küken sind noch ganz wei&szli; Bildquelle: Fabrizio Sergio

Eulenküken schlafen wie Menschenbabys

Vogelküken besitzen dieselben Schlafmuster wie junge Säugetiere. Der Schlaf ändert sich Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Ornithologie und der Universität Lausanne zufolge während des Älterwerdens auf ähnliche Weise
Weiterlesen

Imperilled Custodians of the Night

Indische Eulen durch Wilderei und lokalen Handel bedroht

Nach einer aktuellen Untersuchung der Umweltschutzorganisationen TRAFFIC und WWF werden in Indien jedes Jahr tausende von Eulen durch Wilderer und Fallensteller aus ihrer natürlichen Umgebung gerissen oder getöte
Weiterlesen
NABU

Rund 400 Kirchen bieten Asyl für Turmfalke, Schleiereule und Co

Positive Bilanz nach drei Jahren Projekt Lebensraum Kirchturm
Weiterlesen

Greifvögel und Eulen

Greifvögel und Eulen: Alle Arten Mitteleuropas erkennen und bestimmen

Walther Thiede informiert über alle in Mitteleuropa häufig brütenden Greifvogel- und Eulenarten. Über 80 Farbfotos geben die faszinierenden Jäger naturgetreu wieder
Weiterlesen

Greifvögel und Eulen

Greifvögel und Eulen. Alle Arten Europas

Greifvögel schlagen am helllichten Tag zu, Eulen sind die heimlichen Jäger der Nacht. Beide Beutegreifer faszinieren durch hervorragende Jagdtechniken und unglaublich scharfe Sinne. Dieser Naturführer porträtiert alle Arten Europas aus beiden Vogelgruppen
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen

19.04.